Den richtigen Ton getroffen

'Ich wollte etwas Ausdrucksvolles tun, bei dem ich mich auch selbst verwirklichen kann', erklärt Christa Schütte ihre Leidenschaft für das Töpfern. Fotos: Lars Lenneper

Sie gehören zu Weihnachten wie der Tannenbaum oder die Geschenke - Krippen sind aus der Adventszeit nicht mehr wegzudenken. Es gibt sie in groß oder klein, mit festen oder beweglichen Figuren, auf Moos oder Stroh - aber eins eint sie fast alle: sie sind zumeist aus Holz. Nicht so die Weihnachtskrippe von Christa Schütte aus Westfeld. Diese besteht nicht nur aus Ton, sondern enthält neben der Weihnachtsgeschichte auch Elemente aus ihrem eigenen Leben.

Auf diese ungewöhnliche Idee kam Christa Schütte durch die Adventsfensteraktion in Westfeld vor etwa fünf Jahren. Hier sollte in der Vorweihnachtszeit jeden Tag eine andere Familie zu sich nach Hause einladen, um bei Glühwein und Kinderpunsch in gemütlicher Runde Geschichten vorzutragen und sich gemeinsam auf Heiligabend einzustimmen. Die Gestaltung des Adventsfensters blieb jedem Ausrichter selbst überlassen.

"Warum mache ich das also nicht auf meine Art?", dachte sich die 65-jährige gebürtige Winterbergerin, die seit 15 Jahren leidenschaftlich mit Ton arbeitet, und entschied sich so dazu, für diesen Anlass ein eigenes kleines Weihnachtsdorf zu töpfern.

Grundlage des Ganzen sollte zunächst die klassische Nachbildung der Weihnachtsgeschichte um Maria und Josef sein, sodass neben den eigentlichen Protagonisten vor allem Schafe, Hirten und kleine Häuschen die Szenerie bestimmten.

Besonders wichtig war der Hobbykünstlerin dabei, dass der Ton möglichst naturbelassen sein sollte. Deshalb griff sie auch ausschließlich auf roten und weißen Ton zurück. "Lediglich Maria, Josef und das Jesuskind sind in buntem Ton gehalten, um die Bedeutung dieser drei Figuren zu unterstreichen", erklärt die langjährige Küsterin der Gemeinde Westfeld. Ein Ort für die kunstvolle Krippe war auch schnell gefunden - unter dem Vordach im Garten hatte das Kunstwerk einen sicheren Stellplatz.

Doch bei einer bloßen Nachbildung der Weihnachtsgeschichte blieb es nur kurz. "Mir hat die ganze Sache so viel Spaß gemacht, dass ich die Krippe gerne noch erweitern wollte - der Platz war ja da", so die zweifache Mutter und Großmutter. Anregungen für eine Ausdehnung erhielt sie vor allem aus der eigenen Familie; insbesondere die Enkelkinder taten sich mit neuen Ideen hervor. Natürlich mussten sich Papa und Mama ebenso wiederfinden wie Oma und Opa. Und auch die Kinder selbst sehen sich mittlerweile in dem Tonkunstwerk repräsentiert.

Die kleine Lara (zweieinhalb Jahre) ist besonders fasziniert von der Krippe. Mit leuchten Kinderaugen hat sie schon klar erkannt: die Kinder, die dort Arm-in-Arm tanzen, "das sind meine Freundinnen und ich". Und auch um das Wohlergehen der tierischen Bewohner des kleinen Weihnachtsdorfes kümmert sich das Nesthäkchen rührend; weil die Schafe einen kleinen Futtertrog - natürlich ebenfalls getöpfert - vor sich haben, dieser aber bisweilen leer war, pflückte sie kurzerhand ein wenig Stroh, "damit die Schäfchen auch etwas zu fressen haben". Die Kirche, die Christa Schütte aus Ton geformt hat, hat die kleine Lara als "Omas Kirche" identifiziert, in der die 65-jährige als Küsterin tätig ist.

Auf rund vier Wochen taxiert die gebürtige Winterbergerin die Gesamtarbeitszeit an dem tönernen Kunstwerk. "Man braucht viel Geduld, aber Arbeiten mit Ton ist auch unheimlich spannend", sagt Schütte. Etliche Arbeiten seien ihr beim Erhitzen auf rund 1000 Grad schon zersprungen, das bleibe nicht aus. Die Krippe an sich sei in ihrer jetzigen Form allerdings weitestgehend vollendet.

Christa Schütte ist gerne bereit, Besuchern aus nah und fern ihre Krippe zu zeigen. Einzige Voraussetzung sei, dass man unter Tel.: 0 29 75/89 89 vorher Rücksprache halte und einen Termin vereinbare. Wer dies möchte, kann anschließend ins Weihnachtswunderland aus Ton in Westfeld eintauchen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare