„Wir wollen das Projekt beenden“

Wisent-Projekt: Noch keine Lösung in Sicht - Gegner äußern Unmut deutlich

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Das Wisent-Projekt ist seit vielen Jahren ein Streitthema. 

„Wir brauchen kein neues Gutachten für 200.000 Euro!“ „Die Wisente sind auch in drei bis fünf Jahren noch ein Problem!“ „Artenschutz darf nicht vor Naturschutz stehen.“ „Ein öffentlich rechtlicher Vertrag kann jederzeit gekündigt werden.“ Die Meinungen der Wisent-Gegner kamen bei der Informationsveranstaltung „Wisent-Projekt“ in der Schmallenberger Stadthalle nicht nur durch ihre Plakate und Banner deutlich zum Ausdruck.

Schmallenberg - Während NRW-Umweltministerin Ursula Heinen-Esser Pläne für einen neuen Zaun vorstellte und gleichzeitig für einen Kompromiss warb, äußerten die Schmallenberger klar und deutlich ihre Meinung hinsichtlich des inzwischen jahrelang andauernden „Wisent-Streits“. „Vor zehn Jahren angetragen, stieß das Projekt auf Ablehnung. Das ‘Wisent-Projekt’ ist an oberster Stelle mit viel Emotionalität angesiedelt. Wir wollen das Projekt beenden“, betonte Schmallenbergs Bürgermeister Bernhard Halbe darum auch gleich zu Beginn der Veranstaltung.

Auch Landrat Dr. Karl Schneider bezog in seinem Grußwort deutlich Stellung, indem er zwar einen erkennbaren Willen hinsichtlich eines Kompromisses und einer einvernehmlichen Lösung signalisierte, gleichzeitig aber auch deutlich zum Ausdruck brachte: „Wir Schmallenberger sind keine Freunde des Auswilderungsprojektes. Das Wittgensteiner Projekt ist in Schieflage geraten und überzeugt nicht. Es gibt keine positiven Schlagzeilen. Die Tiere leiden in vermeintlicher Freiheit. 740 Hektar Fläche auf Schmallenberger Seite sind ein Treppenwitz.“ 

Pressesprecher Dr. Michael Emmerich vom Wisent-Trägerverein gab in seinem Statement explizit vor den rund 300 Besuchern zum Besten, dass er an einer verträglichen Lösung für das einzigartige Artenschutzprojekt interessiert sei. Er bezeichnete das „Wisent-Projekt“ als ein lohnendes, tolles und faszinierendes Projekt, das weltweit beobachtet wird. „Es gibt viele Menschen, die mit viel Herzblut das Projekt unterstützen und sich enorm engagieren, um etwas einzigartiges für die Region zu schaffen. Laut Umfrage finden es 83 Prozent der Menschen gut, das Wisente hier angesiedelt werden“, so Emmerich, der den tödlichen Wisent-Unfall 2019 journalistisch als manipulativ und unethisch dargestellt bezeichnete. 

Wisente im Sauerland: Einstiger Fan distanziert sich vom Projekt

Dr. Philipp Freiherr Heeremann, der das „Wisent-Projekt“ anfangs als faszinierendes Projekt betitelt hatte, distanzierte sich jedoch auch deutlich von seiner anfänglichen Meinung. Auf der Informationsveranstaltung sprach er davon, das Projekt müsse nach den drei Fragen bewertet werden: Was hat das Projekt heute noch nach sieben Jahren für eine Bedeutung? Wie sieht die Zukunft des „Wisent-Projektes“ aus? Was gibt es für einen tragfähigen Kompromiss?

„Am Anfang hat mich die Idee fasziniert, die Säugetiere freizulassen. Ich war bei der Freisetzungsphase zugegen. Ein privates Auswilderungsprojekt, dass die ganze BRD nicht geschafft hat. Doch dann kamen die Probleme der Fortpflanzung, der abgeschälten Buchen, der nicht eingehaltenen Rahmenbedingungen. Alles was versprochen wurde, bröckelte immer mehr ab. So kann man keinen Umweltschutz machen. Das Projekt ist der Todesstoß für alle zukünftigen Projekte“, so Dr. Philipp Freiherr Heeremann, der für sein Statement mit viel Applaus belohnt wurde.

Ministerin Ursula Heinen-Esser signalisierte hinsichtlich der klaren Meinungen jedoch vehement, dass sie zwar Rede und Antwort stehe, es aber zu keinem Abschluss komme. In ihrer Rede sprach sie davon, dass wir die Umwelt für die Enkel hinsichtlich Klimawandel und Artenschutz erhalten müssen, es aber im Hinblick auf das „Wisent-Projekt“ derzeit zu keinem Ergebnis kommen werde.

Wisente im Sauerland: „Projekt ist zu klein für 24 Tiere“

„Das Thema ist emotional diskutiert. Wir müssen versuchen tragfähige Lösungen zu erarbeiten, wollen uns aber nicht einmischen. Es gibt zwei kritische Punkte: Das Projekt ist zu klein für 24 Wisente, und die Diskussion hätte bereits 2013 in der Region geführt werden müssen, um einen breitere Konsequenz zu bekommen“, so die Ministerin.

Zu wenig Erfahrung mit den Tieren, Waldschäden und das komplizierte Verfahren zur Genehmigung von der Bundesregierung seien Punkte, die laut Heinen-Esser dazu geführt haben, dass der Unmut gewachsen sei. Trotz der Konflikte sei es jedoch vonnöten eine Lösung zu finden, da sonst in letzter Instanz die Gerichtsbarkeit entscheiden müsse.

Ein ausgearbeiteter Kompromissvorschlag hinsichtlich der Einfriedung der 24 Wisente wurde anschließend durch Frank Rosenkranz, Leiter des Regionalforstamtes im Hochsauerlandkreis vorgestellt. In seinem Vorschlag hinsichtlich des fast eine Millionen Euro teuren Zaunes gab er zwei mögliche Vorschläge zum Besten: die Einfriedung der Wisente auf 830 Hektar Fläche (690 Hektar auf Schmallenberger Grund und Boden, 140 Hektar in der Region Sayn-Wittgenstein) oder den Bereich für die Tiere auf 505 Hektar zu verkleinern, um insbesondere Latrop zu entlasten. 

Wisente im Sauerland: „Wir haben andere Probleme“

Bei beiden Varianten wurden die Buchen- und Fichtenbestände, Eingentümerinteressen, FFH-Gebiete, Saatgutbestände, Waldentwicklungsgebiete als auch die touristische Nutzung mit Rad- und Wanderwegen berücksichtigt. In der Koordinierungsrunde, an der diesmal auch Bürgermeister Bernhard Halbe teilnehmen darf, soll laut Ministerin Ursula Heinen-Esser folgend beratschlagt werden, ob die Kompromisslösung zum Tragen kommt. „Kommt es in der Runde zu keiner Zaunlösung, geht der rechtliche Weg seinen Gang“, lautete daher auch das abschließende Statement der Ministerin aus NRW.

In der anschließenden Diskussionsrunde erntete Josef Schreiber den größten Applaus des Abends, indem er versicherte: „Was würden andere Leute sagen, wenn wir unsere Kühe im Fürstengarten unterstellen würden. Wir diskutieren hier ein Luxusproblem und geben unnötig Steurgelder dafür aus. Wir sollten unser Eigentum schützen und dieses Projekt platt machen. Wie haben andere Probleme wie Borkenkäfer, Dürre, Preise oder auch Düngeverordnungen.“

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