Zu viel Staub aufgewirbelt?

Schmallenberger Lungenspezialist sieht Fahrverbote skeptisch 

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Autos blasen ihre Abgase in die Luft und sorgen für eine erhöhte Belastung durch Feinstaub. Für Lungenspezialist Dieter Köhler aus Schmallenberg wird das Thema zu sehr aufgebauscht. 

Schmallenberg. Nachdem das Thema Diesel und Feinstaub in den letzten Monaten zum Dauerthema in der Politik, Wirtschaft sowie den Medien avancierte, meldete sich der ehemalige Präsident der Deutschen Gesellschaft für Pneumologie (Lungenheilkunde) jetzt zu Wort. „Es gibt keine Gefahr. Das Thema Feinstaubbelastung wird aufgebauscht. Das Problem existiert nicht“, lautet die Aussage von Lungenspezialist Prof. Dr. med. Dieter Köhler aus Schmallenberg.

Auf einem zweitätigen Symposium zum Thema Autoabgase, Katalysatoren und Elektroautos erklärte Köhler, der an den Universitäten in Freiburg und Marburg lehrte und fast 28 Jahre der ärztliche Direktor des Fachkrankenhauses Kloster Grafschaft in Schmallenberg war, dass es bei dem Thema nur um Arbeitsplätze und Forschungsgelder, um Opportunismus und um Ideologie gehe.

Obwohl die Belastung der Luft mit Stickstoffdioxid laut Umweltbundesamt 2017 im Vergleich zum Vorjahr zurückgegangen sei und die Zahl der Kommunen mit Grenzüberschreitungen nach ersten Schätzungen von 90 auf 70 abnahm, so hat das Bundesverwaltungsgericht entschieden, dass die Städte Fahrverbote für Diesel-Pkw anordnen können. Wie der Spiegel berichtet, könne auch die Einführung der blauen Plakette, neben der bereits 2008 eingeführten grünen Umweltplakette, wieder ein Thema der neuen Bundesregierung werden.

Den Sinn dieser Plakette und den damit verbundenen Fahrverboten sieht Köhler hingegen skeptisch.

Jederzeit freie Fahrt in die City, egal ob nach Stuttgart, München, Hamburg oder Düsseldorf. Das könnte für viele Autofahrer durch Fahrverbote bald Geschichte sein. Für Dieter Köhler, Lungenfacharzt und Inhaber von neunzehn Patenten im Bereich der Medizin, sei dies eine völlig falsche Entscheidung. Im Gespräch mit dem SauerlandKurier erklärt er den Hintergrund seiner Ansicht.

Thema wird dramatisiert

„Das Thema Feinstaub wird um ein Vielfaches dramatisiert“, erklärt Köhler. „Die durchgeführten Gesundheitsverfahren durch Feinstaub und Stickoxide geben keine relevanten Ergebnisse ab und werden enorm hochgespielt. Bei den Studien musste insbesondere in der letzten Zeit nur eins herauskommen, nämlich, dass Feinstaub schädlich ist. Die Studien sind sehr einseitig interpretiert“, so der Professor und Diplom-Ingenieur, der vor seinem Medizinstudium in Freiburg Nachrichtentechnik in Gießen studierte. Es sei auch nicht nachgewiesen, dass Feinstaub im höheren Dosen um 50 Mikrogramm/Kubikmeter mehr anrichtet als in geringen, so der Professor.

Dieter Köhler war fast 28 Jahre der ärztliche Direktor des Fachkrankenhauses Kloster Grafschaft.

„Laut Studien leben zum Beispiel die Leute an vielbefahrenen Straßen in Sevilla länger als in denen mit weniger Verkehr. Daraus jetzt den Schluss zu ziehen, Feinstaub verlängert unser aller Leben ist genauso unsinnig wie zu behaupten, Feinstaub verkürzt unser Leben“, erklärt Köhler. „Zigarettenkonsum ist etwa 1000fach schlimmer. Der Zigarettenrauch hat beispielsweise eine Dichte von 0,5 bis 1 Kilogramm pro Kubikmeter, jeder Raucher inhaliert somit große Mengen an Feinstaub. Demnach müssten dann alle Raucher nach ein bis zwei Monaten tot umfallen, was aber nicht passiert. Damit sind die meisten Studien nicht aussagekräftig.“

Köhler weist zudem darauf hin, dass in den Studien Alkoholkonsum, Sport oder auch unterschiedliche Ernährungsweisen sowie die Zuverlässigkeit von Medikamenteneinnahme nicht berücksichtigt wurden.

Der Schmallenberger Lungenspezialist vertritt die Meinung: „Die Studien hätten anders interpretiert werden müssen. Bisherige Studien zeigen allenfalls eine minimale Erhöhung des Gesundheitsrisikos, das aber eben viele Ursachen haben kann. Es ist verwerflich, dass soviel Geld dafür zum Fenster herausgeschmissen wurde und das Geld im sozialen Bereich an allen Ecken und Kanten fehlt. Bei der Feinstaub-Debatte geht es nicht um die Gesundheit der Bevölkerung, sondern auch um Geld und Eitelkeit.“

Weitere Artikel zum Thema gibt es auf www.sauerlandkurier.de unter dem Suchbegriff „Feinstaub“.

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