„Wir wollen sensibilisieren“

Verantwortliche des Projektes „Barrierefrei im Sauerland“ ziehen Bilanz

Schüler, Lehrer und die Verantwortlichen des Projektes „Barrierefrei im Sauerland“ freuen sich auf die Mapping-Aktion am 7. Mai.
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Schüler, Lehrer und die Verantwortlichen des Projektes „Barrierefrei im Sauerland“ freuen sich auf die Mapping-Aktion am 7. Mai.

Schmallenberg - „Das Thema Barrierefreiheit ist ein weites Feld“, weiß Bernhard Pilgram. Er ist Leiter des durch die Aktion Mensch geförderten Projektes „Barrierefrei im Sauerland“ der Sozialwerk St. Georg LenneWerk GmbH. Das Projekt ist auf drei Jahre angelegt und wurde im Juli 2018 gestartet. In einem „Halbzeitgespräch“ erklärten die Verantwortlichen jetzt, was es bisher für Aktivitäten gab und was noch geplant ist.

„Barrierefreiheit ist nicht nur ein Thema für Menschen mit Assistenzbedarf, sondern auch für ältere Menschen oder Eltern mit Kinderwagen“, weiß Bernhard Pilgram und verrät ein Ziel des Projektes: „Mit unserer Arbeit möchten wir dazu beitragen, dass jeder selbstbestimmt und unabhängig von einer Beeinträchtigung am öffentlichen Leben teilhaben kann“ – egal ob seh-/hörgeschädigt oder mobil eingeschränkt. Häufig seien gerade für diese Menschen Treppen, zu enge Aufzüge oder Pflastersteine Hindernisse, die eine Teilhabe am öffentlichen Leben erschweren. Genau hier setzt das Vorhaben an: „Wir wirken mit dem Projekt ‘Barrierefrei im Sauerland’ direkt in die Gesellschaft hinein“, erklärt Pilgram. Sichtbar werde dies durch einen Erklärfilm, der auf www.barrierefrei-im-sauerland.de und Youtube veröffentlicht sei. Dieser solle verdeutlichen, wo Menschen im Alltag auf Hindernisse stoßen.

„Schwerpunktmäßig widmen wir uns in dem Projekt den beiden Themen ‘Leichte Sprache“ und Barrierefreie Veranstaltungen’“, so Pilgram. In den ersten anderthalb Jahren habe ein etwa 20-köpfiges Team aus Beschäftigten der LenneWerkstatt zahlreiche Aktivitäten durchgeführt, unter anderem eine Schulungsreihe für „Leichte Sprache“ mit externem Know-How. Inhalte seien zum Beispiel das Erlernen der Regeln für „Leichte Sprache“ gewesen. Wie prüft man Texte oder gestaltet Artikel in „Leichter Sprache“?

Konzeptioniert und durchgeführt wurde auch eine interne Schulungsreihe über „Barrierefreie Veranstaltungen“. „Ein Ergebnis war unsere Prüfliste ‘Barrierefreie Veranstaltungen’ mit 60 Prüfkriterien“, so Pilgram. Diese Liste sei bereits bei einer Bestandsaufnahme in der Stadthalle Schmallenberg zum Einsatz gekommen. Weitere Punkte waren unter anderem: 

- Eine FM-Tonübertragungsanlage für schwerhörige Menschen wurde angeschafft und kann über Event-Active in Schmallenberg ausgeliehen werden. 

-Info-Flyer/Download über „Leichte Sprache“ und „Barrierefreie Veranstaltungen“ 

- Ansprechpartner rund um das Thema „Barrierefreiheit“ zu Bürosprechzeiten (Mo. bis Fr. 8 bis 12 Uhr) 

- Kooperationen, zum Beispiel mit der Lebenshilfe Olpe oder Schulen. 

- Vernetzung mit regionalen und überregionalen Behinderten-Interessen-Vertretungen (BIV). 

- zweite Teilnahme am Aktionstag „MissionInklusion“ im Mai auf dem Schützenplatz. 

- Veranstaltung „Wir feiern Bergfest. Ohne Barrieren.“ am 6. Mai im Kurhaus Bad Fredeburg.

Mapping-Aktion am 7. Mail geplant

Ein weiteres Projekt, das in Kürze verwirklicht wird, sei eine Mapping-Aktion in Schmallenberg. In Kooperation mit der Christine-Koch-Schule Schmallenberg und dem Gymnasium Schmallenberg (rund 80 Schüler) wird die sogenannte „Wheelmap“ – eine weltweite Onlinekarte zum Suchen, Finden und Markieren rollstuhlgerechter Orte – für den Bereich Schmallenberg fortgeschrieben. Eine einfache Markierung auf der Karte zeigt, ob ein Ort für Menschen mit Rollstuhl, Rollatoren oder Kinderwagen zugänglich ist. Grün bedeute „voll“ rollstuhlgerecht, gelb „teilweise“ und rot „gar nicht“. Die kostenlose „Wheelmap“ gibt es Online und als App. Alle können mitmachen und mit ein paar Klicks Cafés, Restaurants oder Geschäfte in ihrem Ort markieren.

Genau dies werden die Schüler sowie zehn Beschäftigte der LenneWerkstatt am 7. Mai bei der Mapping-Aktion im Stadtkern Schmallenbergs tun – ausgestattet mit Stickern und Maßband, um die Höhe der Barrieren (rollstuhlgerecht maximal 7 Zentimeter) der Läden und Gastronomie-Betriebe auszumessen und die entsprechende farbliche Markierung per Laptop oder Tablet in die „Wheelmap“ einzutragen.

Zur Mapping-Aktion habe ein Infogespräch mit der Werbegemeinschaft stattgefunden. Die Schüler werden durch zwei Wheelmap-Botschafter geschult, ehe es am 7. Mai losgeht. „Wir finden die Aktion sinnvoll, da Rollstuhlfahrer die Wheelmap für ihre Tagesplanung nutzen können“, sagt Pilgram.

Insgesamt sei bei den Teilnehmern des Projektes „Barrierefrei im Sauerland“ aus der LenneWerkstatt neues Wissen über versteckte Barrieren und die verschiedenen Formen der Einschränkung entstanden. „Sie arbeiten mit an Lösungen zum Abbau von Hemmnissen in den Bereichen Hör- und Sehbeeinträchtigung sowie kognitiver und Mobilitätseinschränkung“, erklärt der Projektleiter. Geschäftsführer Marc Brüggemann ergänzt: „In der LenneWerkstatt sind wir allgemein sensibler geworden für das Thema Barrierefreiheit. Unter anderem deshalb gehen wir nun ein einheitliches Leitsystem für unsere Häuser und Außenbereiche an“. Es sei wichtig, das Thema ins öffentliche Bewusstsein zu rücken und dafür zu sensibilisieren – das haben sich die Verantwortlichen auch für den zweiten Projektabschnitt vorgenommen.

So sei ein Anliegen, eine Willensbekundung zwischen Stadtverwaltung und der Schmallenberger Behinderten-Interessen-Vertretung zu forcieren mit dem Ziel, aktiv auf Barrierefreiheit hinzuwirken.

Auch im Bereich Tourismus – barrierefreie Ausflugsziele und Unterkünfte – stellen die Projektmitglieder ihr Know-How, ebenso wie dem Einzelhandel, zur Verfügung. „Am Ende profitieren alle davon“, so Pilgram. Unternehmen, Behörden und Institutionen sollen gezielt angesprochen werden, um Beratungs- und Serviceleistungen in den Bereichen „Barrierefreie Veranstaltungen“ und „Leichte Sprache“ anzubieten. „Wir hoffen, dass wir noch ein Folgeprojekt erhalten können“, sagt Brüggemann abschließend, denn das Thema Barrierefreiheit gehe alle an.

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