Weichen jetzt stellen

Waldbesitzer informieren sich vor Ort. Welche Bäume für welche Flächen, welche Verfahren können für die Aufforstung der Kyrillflächen angewendet werden? Die Waldbauern und Forstbetriebe sind auf professionelle Hilfe angewiesen. Foto: Kerstin Thielemeier

Die Aufforstung brennt den Waldbesitzern unter den Nägeln. "Was passiert mit den Kyrillflächen? Wie und wann geht es weiter? Wer soll das bezahlen? Wir müssen erst noch Lehrgeld zahlen", die Stimmung unter den Waldbauern ist gereizt.

Ohnmächtig stehen sie vor ihren nicht mehr vorhandenen Wäldern und spüren: Hier ist nicht nur guter Rat teuer. Aufklärungsarbeitet leistet hier beispielsweise die Firma Strunz Waldpflege GmbH aus Passau. Im Bereich des Flugplatzgeländes Rennefeld hatte die Firma Strunz eine Kyrillfläche bereits im Frühjahr bearbeitet und bepflanzt. Am Beispiel dieser Fläche stellte Inhaber Rainer Strunz den Waldbauern direkt vor Ort das im Ausland erfolgreich eingesetzte Bräcke-Mounder-Verfahren vor. Hierbei handelt es sich um die Bodenbearbeitung zur Pfanzplatzbearbeitung. Diese Arbeit leistet der Hochleger Bräcke Mounder. Er kann auf nicht bereinigten Kyrillflächen dreireihige Variations-Furchen ziehen, welche mit selbst arbeitenden Hydraulikmotoren in den Fahrspuren punktuelle Pflanzplätze schafft. Ziel ist es, den Pflanzen einen optimalen Start zu ermöglichen. Diese Voraussetzung ist für das Sauerland besonders wichtig, da hier der Boden sehr sauer und entsprechend nährstoffarm ist. Sauer waren letztendlich auch einige Waldbauern. Hatten sie doch gehofft, den hochgelobten Bräcke-Mounder in Aktion zu erleben. Stattdessen wurde viel erzählt. Rainer Strunz hatte seine kritischen Zuhörer im Griff.

Verfahren kaum bekannt

Seine langjährige Erfahrung und die erfolgreichen Waldpflegeeinsätze in Österreich und Schweden spiegelten sich in seinem fast zweistündigen Vortrag wider. Von den beim Moundering entstehenden Hügeln, bis hin zur anschließenden manuellen Bepflanzung mit entsprechenden Pflanztrupps. Thema war natürlich auch der Fege- und Verbissschutz. Franz-Josef Stein, Leiter vom Nachbarrevier Forstamt MK-Sauerland, spricht aus, was viele denken: "Die Katastrophen-Fläche muss in dem Sinne nicht mehr geräumt werden, das spart Zeit und Geld. Beim Mulchen sieht die Fläche toll aus, aber es steht noch kein Baum. Ein interessantes Verfahren, mit diesem Bräcke-Mounder. Doch leider ist dies in Deutschland kaum bekannt, ebenso die Kosten." Kosten sparen hin oder her, dass das Katastrophen-Aufforsten viel Geld kostet, war allen Anwesenden schon längst klar. "Außerdem kommt erschwerend hinzu, dass der Rüsselkäfer heute schon nagt. Das heißt, der Borkenkäfer wird kommen", beweist Rainer Strunz an einem angenagten Jungbaum.

Die Weichen müssen jetzt gestellt werden. Darüber sind sich die Waldbesitzer und Forstbetriebe einig. Mehr noch: Es müssen effiziente und kostengünstige Verfahren zum Einsatz kommen, um die Kyrill-Schadflächen in kürzester Zeit erfolgreich wieder Wald werden zu lassen. Wald soll Wald bleiben. Wie und wofür sich die Waldbesitzer letztendlich entscheiden, bleibt abzuwarten.

"Wenn ich wüsste, dass morgen die Welt untergeht, dann würde ich heute noch einen Baum pflanzen", war ein abschließendes, zukunftsweisendes Zitat eines Waldbauern. Ob es daran liegt, dass es ein Zitat von Martin Luther ist, kann nur gemutmaßt werden.

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