Befürchtung: Gesundheitliche Folgen für Mensch und Natur

„Wollen uns nicht vergiften lassen“: Anwohner wollen neue Weihnachstbaumkultur verhindern

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„Keine Weihnachtsbäume in unserem Wohngebiet“, das ist das Anliegen von Peter Walach.

„Wir wollen uns nicht vergiften lassen.“ Peter Walach ist besorgt um die Gesundheit der Anwohner der Gartenstraße in Schmallenberg. Nur wenige Meter entfernt von seinem Architekturbüro und den benachbarten Häusern soll wieder eine Weihnachtsbaumkultur angepflanzt werden.

Schmallenberg – Der Schmallenberger hat Angst, dass die Tannen mit Pflanzenschutzmitteln gespritzt werden und befürchtet dadurch gesundheitliche Folgen für Mensch und Natur. Gemeinsam mit einigen Anwohnern will er das Vorhaben verhindern.

„Landschaftsschutzgebiet Typ B – Ortsrandlage und Offenlandbereiche um Schmallenberg“

„Es handelt sich hier um eine Fläche, die im Landschaftsplan für die Stadt Schmallenberg als ‚Landschaftsschutzgebiet Typ B – Ortsrandlage und Offenlandbereiche um Schmallenberg – ausgewiesen ist, wonach die Anlage von Weihnachtsbaumkulturen ausdrücklich verboten ist“, so Walach. Demnach habe er zwei Schreiben an den Kreis geschickt und von der zuständigen Unteren Naturschutzbehörde des HSK gefordert, dass „der am 20. Mai 2008 vom Kreistag beschlossene, rechtsverbindliche Landschaftsplan befolgt“ werde.

Die Behörde indes kommt nach Prüfung zu dem Ergebnis, dass für die Kulturnutzung der betreffenden Fläche Bestandsschutz bestehe. So könne die Weihnachtsbaumkultur nach der Ernte wieder gepflanzt werden.

„Fläche wurde jetzt abgemulcht und vorbereitet“

Genau das hat der Pächter, Johannes Börger, auch vor. „Die Fläche wurde jetzt abgemulcht und vorbereitet“, so Börger. Walach und seine Mitstreiter erwarten dagegen, dass die Behörde die Erlaubnis zur neuerlichen Einpflanzung von Weihnachtsbäumen nach Landschaftsplan unverzüglich zurücknimmt und stattdessen eine entsprechende Bepflanzung sofort untersagt.

Laut Walach komme der Bestandsschutz allenfalls auf einer kleinen Teilfläche zum Tragen, auf der schon vorher Weihnachtsbäume gestanden hätten. Die nun vom Pächter abgemulchte und für die Anpflanzung der Tannenbäume vorbereitete Fläche sei jedoch weitaus größer. Für die gesamte Fläche gebe es wohl ohnehin keine Genehmigung zur Wiederbepflanzung, vermutet Walach.

Seit 40 Jahren werden dort mit einer kleinen Unterbrechung Weihnachtsbäume angepflanzt.

Johannes Börger

Dagegen setzt sich der Pächter zur Wehr. „Seit 40 Jahren werden dort mit einer kleinen Unterbrechung Weihnachtsbäume angepflanzt.“ Somit gelte das Bestandsrecht auch für das gesamte Areal, das der Besitzer ihm als Weihnachtsbaumkultur-Fläche vor 20 Jahren verpachtet hätte.

Theodor Kevekordes, Besitzer des Grundstückes, bestätigt, dass auf der gesamten Fläche seit 1970 stets Weihnachtsbäume gestanden hätten – mit einer kleinen Unterbrechung bei Bauarbeiten an der Fleckenberger Straße. Damals sei dort Erde abgekippt worden.

Nur Fungizide zum Spritzen - keine Herbizide

Außerdem habe sich der Pächter verpflichtet, keine Herbizide, sondern nur Fungizide zum Spritzen zu verwenden. „Das ist eine völlig ungefährliche Geschichte“, so Kevekordes. Darüber hinaus würden andere Kulturen weitaus häufiger gespritzt als Weihnachtsbäume. In den 40 Jahren habe sich überdies auch noch niemand beschwert.

Dass die gesamte Fläche seit mehr als 40 Jahren als Wald und Weihnachtsbaumkultur genutzt wird, bezweifelt Walach indes und führt ein Foto einer westlichen Stadtansicht aus dem Jahr 2004 (zur Zeit des Kirchturmbaus) an, auf dem, abgesehen von einer kleinen Fläche, keine Weihnachtsbäume zu sehen seien. Auf dem Bild sei zu erkennen, dass der überwiegende Teil als Weidefläche genutzt worden sei.

Einhaltung entsprechender pflanzenschutzrechtlicher Bestimmungen

In Bezug auf die gesundheitliche Sorgen Walachs verweist die Untere Naturschutzbehörde darauf, dass der Bewirtschafter wegen der unmittelbar angrenzenden Wohngrundstücke auf die Einhaltung entsprechender pflanzenschutzrechtlicher Bestimmungen hingewiesen worden sei. Bei Zweifeln an der Einhaltung dieser Bestimmungen solle sich Walach an das zuständige Pflanzenschutzamt der Landwirtschaftskammer wenden.

Gefährdung von Tieren und Eingriff in die Optik des historischen Stadtkerns

Und Zweifel an der Entscheidung haben Walach und die Anwohner der Gartenstraße nach wie vor. Neben dem gesundheitlichen Aspekt sehen sie mit der Anlage einer Weihnachtsbaumkultur auch die Gefährdung von Tieren und einen Eingriff in die Optik des historischen Stadtkerns. Aufgrund der Vorbereitung der Fläche für den Anbau drängt Walach überdies auf eine schnelle Entscheidung.

„Auf mein zweites Schreiben an die Untere Naturschutzbehörde habe ich bisher keine Antwort bekommen“, so Walach, der deshalb Schmallenbergs Bürgermeister Burkhard König in einem Brief um Rat gebeten hat. Aufgrund der immer noch bestehenden Differenzen zur Frage der Legalität der Bepflanzung hat König die ihm überlassenen Unterlagen und die Unterschriftenliste an den HSK mit der Bitte um erneute Prüfung zukommen lassen. Dies werde jetzt geschehen, bestätigte der Kreis. Ende offen...

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