1. SauerlandKurier
  2. HSK

Ungewollte Werbeanrufe: So wehren sich Verbraucher gegen aggressive Verkaufsmaschen 

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Werbeanrufe Verbraucher Verkaufsmaschen
Werbeanrufe ohne ausdrückliche Einwilligung sind gesetzlich verboten. Trotzdem blüht das Geschäft mit aggressiven Verkaufsmaschen am Telefon. © Verbraucherzentrale NRW/adpic

Werbeanrufe ohne ausdrückliche Einwilligung sind gesetzlich verboten. Trotzdem blüht das Geschäft mit aggressiven Verkaufsmaschen am Telefon. Laut Zahlen der Bundesnetzagentur haben Beschwerden über Werbeanrufe im Jahr 2021 einen neuen Höchststand erreicht. Auch die Verbraucherzentrale NRW erhält hierzu zahlreiche Beschwerden. Werbeanrufe sind nicht nur nervig, sie haben auch Folgen. Das können Verbraucher machen.

Arnsberg/Hochsauerland – Zur Zeit erfolgen auch in Arnsberg und der Umgebung wieder Anrufe in den privaten Haushalten, bei denen die Werber sich als Mitarbeiter der lokalen Energieversorger ausgeben und versuchen, Verträge an den Mann oder die Frau zu bringen.

Dabei lassen sie sich einen Vertrag noch während des Telefonats auch zusätzlich per SMS bestätigen. Erst in einer später eingehenden schriftlichen Vertragsbestätigung stellt sich dann heraus, dass es sich beim Vertragspartner nicht um den örtlichen Versorger handelt, sondern ein Vertrag mit einem ganz anderen Unternehmen geschlossen wurde.

Verbraucherzentrale rät zu äußerster Vorsicht

Die Arnsberger Verbraucherzentrale rät zu äußerster Vorsicht, da die Rückabwicklung eines solchen Vertrages durchaus schwierig sein kann. Sie rät, bei derartigen Anrufen besser direkt aufzulegen.

Mit diesen Tipps können sich Verbraucher gegen unerwünschte Telefonwerbung und untergeschobene Verträge wehren.

Angabe der Nummer

Unerwünschte Werbeanrufe kann man nicht mit absoluter Sicherheit verhindern. Schon wer in einem öffentlichem Register wie einem Telefonbuch verzeichnet ist, muss mit Telefonmarketing rechnen. Die persönliche Telefonnummer sollte Unternehmen generell nur dann genannt werden, wenn es für die Vertragsabwicklung zwingend nötig ist.

Besonders Gewinnspiele dienen in erster Linie der Datensammlung. Hier sollte auf die Angabe der Telefonnummer möglichst verzichtet werden. Wenn es sich um eine Pflichtangabe handelt, sollte zumindest der Nutzung sämtlicher Daten zu Werbezwecken widersprochen werden.

Anrufe unterbinden

Bei der weitaus größten Zahl der Anrufe behauptet das werbende Unternehmen, es habe eine Einwilligung der Kunden erhalten. Oft verstecken sich diese Einwilligungserklärungen im Kleingedruckten der Allgemeinen Geschäftsbedingungen. Beim Vertragsabschluss sollte daher auf Klauseln, die die Speicherung und Nutzung der Daten zu Werbezwecken erlauben, geachtet werden. Solche Klauseln sind meistens mit „Datenschutz“ oder „Datenverarbeitung“ überschrieben und müssen klar vom anderen Text zu unterscheiden sein. Verbraucher sollten die entsprechende Passage streichen.

Widerrufsrecht

Auch wenn ein Werbeanruf illegal war, ist der geschlossene Vertrag in der Regel gültig. Ausnahmen sind zum Beispiel Verträge überGewinnspieldienste. Seit Juli 2021 können auch Energielieferungsverträge mit Haushaltskunden – außerhalb derGrundversorgung – nicht mehr mündlich abgeschlossen werden. Diese bedürfen der Textform und somit zum Beispiel einem Vertragsabschluss per Brief, Fax, E-Mail oder SMS.

Wer einen Vertrag am Telefon geschlossen hat und dies nachträglich bereut, kann den Vertrag aber binnen 14 Tagen widerrufen. Die Verbraucherzentrale NRW stellt dafür einen Musterbrief zur Verfügung. Die Widerrufsfrist beginnt bei Kaufverträgen nach Erhalt der Ware und bei Verträgen über Dienstleistungen bereits mit Vertragsabschluss. Die Frist beginnt jedoch erst, wenn das Unternehmen über das Widerrufsrecht informiert hat.

Verträge

Ein Telekommunikationsvertrag muss seit dem 1. Dezember 2021 in Textform genehmigt werden. Solange ist der Vertrag schwebend unwirksam. Das heißt: Bleibt die Genehmigung aus, dürfen Verbraucher nicht zur Kasse gebeten werden, auch wenn die Leistung, zum Beispiel eine höhere Internetgeschwindigkeit, schon erbracht wurde. Eine Frist muss dabei nicht beachtet werden. Das allgemeine 14-tägige Widerrufsrecht gilt ebenfalls.

Anrufe melden

Werbeanrufe ohne vorherige, ausdrückliche Einwilligung sind verboten. Verstöße dagegen können Betroffene der Verbraucherzentrale oder der Bundesnetzagentur melden. Dafür ist es sinnvoll, die Telefonnummer und weitere Informationen zum Anrufer, wie zum Beispiel den Anrufzeitpunkt, den Firmennamen und die Rufnummer, mit der sie angerufen wurden, aufzuschreiben.

Weitere Infos

Einen Musterbrief zur Abwehr einer unberechtigten Forderungen sowie einen Musterbrief zum Widerspruch gegen die Datenverarbeitung zu Werbezwecken finden Interessierte auf der Internetseite der Verbraucherzentrale NRW unter https://www.verbraucherzentrale.nrw/

Auch interessant

Kommentare