Viele Probleme thematisiert

Siegener Forscher nehmen Bedenken der Ärzte zu „Medikus“ mit

Der Geschäftsführer des FoKoS, Dr. Olaf Gaus, führte aus, was sich hinter dem Förderprojekt „MeDiKuS“ verbirgt. Auch Wirtschaftsförderin Julia Wagener, Bürgermeister Ralph Brodel, Marius Müller (Wirtschaftinformatiker des FoKoS) und Vanessa Simon (Assistentin der FoKoS-Geschäftsführung) hatten die Infoveranstaltung begleitet. Foto: Ute Bosen

Sundern. Bürgermeister Ralph Brodel und Vertreter des Forschungskollegs Siegen („FoKoS“) hatten Ärzte und Apotheker zum Informationsabend in den Ratssaal geladen. Grund war die geplante Zusammenarbeit Sunderns mit einem Forschungsteam der Siegener Universität zur digitalisierten Patientenversorgung im Rahmen des Förderprojekts „Medikus“.

„Noch haben wir in Sundern eine Abdeckung der medizinischen Versorgung von 93 bis 94 Prozent. Doch in etwa zehn bis 15 Jahren werden wir die Hälfte der praktizierenden Ärzte bei uns verloren haben“, erklärte Brodel zu Beginn der Veranstaltung. Diesem schon seit Längerem bekannten Problem der nahen Zukunft will sich die Stadt mit Hilfe des Projekts „Medikus – Medizin, Digitalisierung, Kompetenz und Sicherheit in Sundern“ stellen (Sa).

Sprechstunden am Bildschirm

„Die gesundheitliche Versorgung wird uns in den nächsten Jahren intensiv beschäftigen“, so der Geschäftsführer des Forschungskollegs Siegen, Dr. Olaf Gaus. Aufgrund der demografischen Entwicklung und des noch nicht aufzuhaltenden Trends der jungen Mediziner in globalen Zentren tätig zu werden, wolle sich FoKoS der wissenschaftlichen Frage stellen, wie die medizinische Versorgung in Südwestfalen gewährleistet werden könne. Dr. Olaf Gaus und der Wirtschaftsinformatiker und FoKoS-Mitarbeiter Marius Müller stellten am Mittwochabend das Forschungsprojekt vor. Ziel sei es, dass in der Zukunft persönliche Arztbesuche teilweise durch eine digitale Sprechstunde am Bildschirm ersetzt werden. Für die Patienten entfielen so weite Anfahrten. Für die Ärzte könnte das bedeuten: weniger volle Sprechzimmer und effizienteres Arbeiten. Werte von Blutdruckmessungen, Diabeteswerte und Bilder von entzündeten Wunden lassen sich beispielsweise bei der Sprechstunde am Bildschirm übermitteln. Regelmäßig benötigte Rezepte brauchen nur noch angefordert und per Post zugeschickt werden. Wo der einzelne Patient überfordert wäre, könnte eventuell Hilfe Dritter bei der medizinischen Versorgung auf digitalem Weg in Anspruch genommen werden.

Technisch, so versicherten die beiden Experten, sei dies bereits alles möglich, rechtlich stünden dem viele Gesetze und Verordnungen im Weg. Was machbar ist und was nicht, dass solle über „MeDiKuS“ ausgelotet werden. Bürgermeister Ralph Brodel und Dr. Olaf Gaus warben bei den Ärzten für ihr Projekt. „Solange wir nicht damit anfangen, verlieren wir wichtige Zeit“, so Dr. Gaus. „Wenn wir uns als Modellstadt anbieten, bringt uns das auch für die Zukunft weitere Möglichkeiten, bei Neuerungen vorne dabei zu sein“, so der Bürgermeister.

Skepsis bei den Ärzten

Skeptisch zeigten sich zunächst viele der anwesenden Ärzte. „Im Grunde ist die Technik für alles schon da, funktioniert aber nicht“, klagte der Vorsitzende der Ärztekammer HSK, Dr. Gisbert Breukmann. Außerdem würden die ohnehin überlasteten Ärzte mit immer mehr Bagatellarbeit überhäuft. Auch wenn es nicht das eigentliche Thema des Abends war, aus den Reihen der Ärzteschaft war deutlich der Frust an der Gesundheitspolitik zu spüren. Probleme bereite ihnen auch die Datenschutzverordnung, die schon jetzt, ohne digitalisierte medizinische Behandlung, eine große Hürde darstelle. „Die Rahmenbedingung spielen uns nicht in die Karten. 

Ich weigere mich aber deshalb aufzugeben“, zeigte der Bürgermeister Verständnis für die Bedenken. „Wir wollen mit „Medikus“ ein Experiment starten, eine Miniatur von dem, wie es sein könnte“, erklärte Olaf Gaus zum Ende des Abends und zeigte sich gleichzeitig froh über die vielen Probleme, die schon an diesem Abend angesprochen wurden. Denn genau die würde das Forschungsteam brauchen, um aktiv zu werden. 

Schon bald würden die praktizierenden Ärzte in Sundern Post vom Forschungsteam erhalten, erklärte Dr. Olaf Gaus das weitere Vorgehen. Diejenigen, die sich bereiterklären an dem Projekt mitzuarbeiten, sollen dann im weiteren Verfahren mögliche Patienten auswählen.

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