„Hayir“ zum Referendum

Aleviten machen gegen geplante Verfassungsreform in der Türkei mobil

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Mahir Sahin (l.), Vorsitzender der Alevitischen Gemeinde, begrüßte den türkischen Journalisten Murtaza Demir zur Podiumsdiskussion.

Sundern. „Hayir“ steht groß auf rotem Hintergrund auf einem Plakat, das bei einer Podiumsdiskussion der Alevitischen Gemeinde im Sunderner Johanneshaus an der Wand hängt. „Hayir“ ist das türkische Wort für „Nein“ und steht für die Haltung der Gemeinde in Bezug auf das Verfassungsreferendum, das dem türkischen Präsidenten noch mehr Macht geben soll.

Am 16. April haben die Türken die Wahl: Per Referendum können sie abstimmen, ob ihr Präsident Recep Tayyip Erdogan seine Macht ausweiten kann oder nicht. Stimmt die Mehrheit der Türken mit einem „Ja“, träte eine Verfassungsänderung in Kraft, die den Präsidenten zugleich zum Staats- und Regierungschef machen würde. Alle, die im Besitz eines türkischen Passes sind, dürfen sich am Referendum beteiligen. 

Die Aleviten sind eine, vorwiegend aus der Türkei stammende, islamische Glaubensgemeinschaft. Der Sitz der Alevitischen Gemeinde im HSK ist Sundern. Sie wollen sich klar positionieren: „Wir wollen unsere Mitglieder zur Teilnahme an der Wahl mobilisieren. Für uns sind Gleichberechtigung, Menschenrechte und Religionsfreiheit wichtig“, erklärte der erste Vorsitzende Mahir Sahin. 

Gast des Abends war der in Ankara lebende Journalist Murtaza Demir. Drei Verfahren wegen Beleidigung des Präsidenten Erdogan laufen gegen den Menschenrechtsaktivisten. Demir schreibt für die Internetplattform „Odatev“ und hatte dort regierungskritische Texte veröffentlicht. Durch die Anzeigen versuche man ihn mundtot zu machen, berichtete Demir im Gespräch mit dem Kurier. 

"Angst vor der Zukunft" 

Der Journalist ist gerade für zwei Wochen auf Deutschlandreise, um mit Vorträgen die Kampagnen für ein „Nein“ beim Referendum zu unterstützen. Einen Tag vor seiner Abreise sei er in Ankara noch zur Polizeiwache zitiert worden, erzählte er. Seine Angst vor einer Verhaftung sei groß. „Wie weit kann ich noch gehen?“, fragt er sich. Er übe weiter Kritik aus, erklärte Murtaza Demir, passe aber sehr genau auf, wie er sie ausdrückt. Zu kritischen Themen werde er weiterhin auf die Straße gehen. 

In türkischen Großstädten würden sehr viele Menschen an Kampagnen gegen die geplante Verfassungsreform arbeiten. Gerade in der Mittelschicht wachse die Angst vor der Zukunft. Erdogan habe viel in die Waagschale gelegt. Ein „Nein“ könne ihm zeigen, dass viele mit seiner Politik nicht zufrieden seien und die Menschen in der Türkei sich eine moderne Ausrichtung wünschten, die nicht in Richtung Osten ginge, sondern wie früher bereits geschehen in Richtung Westen.

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