„Flugsprit“ für Bienen

Diese Tipps gibt ein Imker für insektenfreundliche Bepflanzung

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Eine insektenfreundliche Landschaftsgestaltung: Nektar, den„Flugsprit der Insektenwelt“, bieten besonders auch artenreiche Wiesen.

Altenhellefeld. „Die Zahl der Insekten befinden sich in einem dramatischen Sinkflug“, warnen Naturschutzverbände. Das „Insektensterben“ – das sowohl Artenzahlen als auch Insektenpopulationen betrifft – sorgt seit 2017 vermehrt für Schlagzeilen, als ehrenamtliche Insektenkundler Ergebnisse einer 28-jährigen Analyse veröffentlichten.

Ein Problem, das auch Erhard Hassler zu spüren bekommt. Der Altenhellefelder ist seit 50 Jahren Imker. Seine 20 Bienenvölker sind auf Nektar und Pollen angewiesen. Eine insektenfreundliche Landschaftsgestaltung ist ihm daher ein Herzensanliegen. Daher lässt er sich gerade über den Landesverband Westfälischer und Lippischer Imker zum Bienenweidefachberater ausbilden. Der 70-Jährige hat dadurch einige Tipps für (Hobby-)Gärtner, was sie für den Nektar-Nachschub, den „Flugsprit der Insektenwelt“, tun können.

Mehrere Entwicklungen leisten dem „Insektensterben“ Vorschub, erklärt der Altenhellefelder. Zum einen gebe es ein Wiesensterben. Damit sich Blumenwiesen von selbst entwickeln können, dürfe die Fläche nur zwei Mal im Jahr – im Juni und im Herbst – gemäht werden. Heutzutage würden die Wiesen jedoch vier- bis fünf Mal jährlich gemäht und damit werde jede Chance für die Existenz einer Wiese zunichte gemacht. „Das sind grüne Wüsten, auf denen es nur noch eine Pflanze, Gras, gibt,“ sagt Hassler. Auch der Trend der „aufgeräumten Gärten“ nehme Insekten die Nahrung.

"Die Biene stirbt mit, wenn gespritzt wird"

Zum anderen habe Pflanzenschutz Hochkonjunktur. Die Regale in den Gartenhäusern stünden voll mit Mitteln gegen Pilze, Schädlinge und Unkraut. „Die Biene stirbt mit, wenn gespritzt wird“, warnt Erhard Hassler. Gerade das vermeintliche Unkraut wie Klee, Löwenzahn & Co. sei für Bienen und Schmetterlinge total wichtig. „Hier in der Region bedrückt uns auch die Weihnachtsbaumkultur“, zählt der Imker aus dem Kreisimkerverband Meschede weiter auf. „Hier wird zwischendurch mehrfach gespritzt und vom Wind weiter geweht.“ Davon sei dann auch sein Schwarzdorn betroffen, der seine Bienen eigentlich mit Nektar versorgen soll.

Der angehende Bienenweidefachberater hofft, dass er Gärtner dafür sensibilisieren kann, kleine Schritte im Kampf gegen das Insektensterben mitzugehen. Denn gerade jetzt – bis Mitte April – sei der richtige Zeitpunkt fürs Pflanzen und damit wichtige Grundlagen für den Futterstrom für Bienen, Schmetterlinge & Co. zu legen. Dabei sei es ratsam, sein Augenmerk beim Kauf neuer Pflanzen auf Nektarpflanzen zu legen.

Farbenprächtige Irrtümer

Denn eine Problematik liegt dem Altemhellefelder besonders am Herzen: Pflanzen, die der unwissende Gärtner pflanzt, sind oft Forsythien. „Die bringt den Insekten absolut null: weder Nektar noch Pollen.“ Alternativ empfiehlt der Imker die Kornelkirsche. Sie blühe zur gleichen Zeit, sehe der Forsythie sehr ähnlich, biete jedoch Pollen und Nektar und später auch Früchte, die sich für Marmelade und Gelee eignen. „Wenn man etwas für die Natur tun möchte, wäre es ein kleiner Schritt, einen Strauch im Garten auszutauschen“, sagt der 70-Jährige. Denn Farbenpracht bedeute nicht automatisch, dass die Blüten auch Blütenstaub und Nektar produzieren. Es gebe eine Reihe von geeigneten Pflanzen, die er als Wurzelgehölze zuhause hat und gegen eine kleine Schutzgebühr Interessierten – solange der Vorrat reicht – überlassen würde: die samthaarige Duftesche (Bienenbaum), den gewöhnlichen Schneeball, die Kartoffelrose (Sylter Rose) oder die Robinie. Wer Interesse hat, meldet sich unter ☎  01 71/6 29 10 59.

Wer ganzjährig ein Insektenparadies schaffen möchte, der bekomme in der „Bunten Liste der Bienenpflanzen“ Anregungen, die der Gartenbautechniker, Gärtner- und Imkermeister Bernhard Jaesch aus Niedersachsen unter dem Motto „Was die Biene nicht mag, kommt nicht in den Park“ zusammengestellt hat. Er empfiehlt knapp über 100 Pflanzen, nach Blühmonaten gelistet, mit der man sich im Garten ein „Blühfließband“ (Trachtfließband) schaffen kann. Pflanzen, die für Bienen wertlos sind, stellt er hingehen in der „Schwarzen Liste der Nicht-Bienenpflanzen“ zusammen.

Spezielle Mischungen im Handel erhältlich

Wer für eine größere Pollenmenge und Pollenvielfalt auf seiner Wiese sorgen möchte, der könne auch Mischungen „Insektenfreudige Blumenwiese“ (verschiedene Anbieter) aussähen, die dann zum Beispiel Kornblumen, Mohn, Boretsch und diverse Kräuter sprießen lassen.

Einen Wunsch richtet der Altenhellefelder auch an die Kommunen: „Lasst die Weiden stehen“: Kürzen sei nicht das Problem, aber wenn jährlich radikal abgeschnitten werde, hätten die Blüten keine Chance. Dabei sei die Weide – 40 Sorten gebe es – das wichtigste frühblühende Gewächs. „Auch die Kornelkirsche bitte stehen lassen.“ Für den Imker und angehenden Bienenweidefachberater wiegt es besonders schwer, wenn seinen Schützlingen durch Radikalschnitt Futterquellen genommen werden.

Weitere Informationen gibt es auch beim Landesverband Westfälischer und Lippischer Imker, der die Initiative „Blühendes Band durch unser Land“ ins Leben gerufen hat.

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