Brodel will schnelle Entscheidung

Amecker äußern bei Bürgerversammlung Unmut über geplanten Ferienpark

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Etwa 120 Amecker Bürger waren in den Speiseraum der Schützenhalle gekommen, um unter anderem über den geplanten Ferienpark zu diskutieren.

Amecke. Zu massiv, zu hoch und völlig überdimensioniert – ein ganzes Dorf wehrt sich seit vielen Jahren vehement gegen die Pläne zur Errichtung eines „Mega“-Ferienparks in Amecke. Mit nahezu 100 Prozent Ablehnung zu dem Großprojekt am Sorpesee bekundeten etwa 120 Amecker Bürger am Dienstag bei einer Bürgerversammlung ihren Zorn und Unmut gegenüber der Sunderner Verwaltung.

„Ich bin nach dem ganzen Hin und Her der vergangenen Jahre der Meinung, dass die Amecker Bevölkerung nun genug gelitten hat. Daher will ich dieses Thema noch in diesem Jahr beendet wissen“, sprach Bürgermeister Ralph Brodel von Beginn an Klartext. Der Verwaltungschef bekam im rappelvollen Speisesaal der Schützenhalle die aufgestaute Wut der Bewohner, die den geplanten Ferienpark mit rund 220 teils drei- und vierstöckigen Häusern für völlig überdimensioniert halten und auch von den immer wieder auftauchenden Gerüchten und Halbwahrheiten über den belgischen Besitzer der Fläche sowie mögliche Investoren die Nase voll haben, zu spüren. 

Wie viel Tourismus vertragen Amecke und die Sorpesee-Region? Wovon könnte die Stadt profitieren? Auch für Brodel, der mittlerweile selbst in Amecke wohnt und nach eigenen Angaben „kein Freund des Mega-Parks“ ist, Grund genug, endlich klare Verhältnisse zu schaffen und sich voller Verständnis für die Bedenken und Ängste der Bürger zu zeigen. „Seit 2004 werden die Amecker ständig mit neuem ‘Kokolores’ konfrontiert. Jetzt heißt es, juristisch prüfen zu lassen, wie wir einen Schlussstrich ziehen können und welche Konsequenzen und Kosten eine Aufhebung des Bebauungsplans aufgrund von möglichen Schadensersatzansprüchen für die Stadt Sundern bedeuten würde.“

"Gestaltungssatzung kann dieses Monstrum nicht zerstören" 

Der Bürgermeister wies jedoch auch darauf hin, dass das Projekt „Ferienpark“ – neben der Innenstadtentwicklung mit Röhr-Renaturierung und der Reaktivierung der Röhrtalbahn – nur eines der drei brennenden Sunderner Themen sei, bei denen man die Meinung und Interessen von „Gesamt-Sundern“ berücksichtigen müsse und letztendlich der Stadtrat die Entscheidung treffen würde. 

Als massiven Gegner der Pläne haben die Bewohner des Sorpe-Dorfes mit der „WISU“ (Wir sind Sundern) einen willensstarken Unterstützer an ihrer Seite, der eine gute Chance sieht, die bereits fundamentiert geglaubten Entscheidungen der damaligen Verwaltung doch noch kippen zu können. Dafür habe die WISU mit der Kanzlei Baumeister in Münster einen starken Partner beauftragt. „2018 werden Entscheidungen getroffen, die auch unsere Kinder und Enkelkinder betreffen. Der Besitzer des Grundstücks hat sich jahrelang nicht gerührt und offenbar keine Investoren gefunden. Somit wird das Grundstück nicht genutzt und unserer Meinung nach eine Aufhebung des kompletten Bebauungsplans möglich“, erklärte Hans Klein, Vorsitzender der WISU. Des Weiteren sieht Klein die Sieben-Jahres-Frist, in der ein Bebauungsplan besonderes Vertrauen in seine Rechtskraft genießt, verstrichen, sodass endlich gehandelt werden könne: „Das muss jedoch noch juristisch genau unter die Lupe genommen werden.“ 

Breite und lautstarke Zustimmung von den rund 120 an der Diskussionsrunde teilnehmenden Bürgern erhielt der WISU-Chef vor allem auch bei seinem Standpunkt zu Alternativen der Bebauung, wie etwa mit niedrigeren Bauhöhen der Ferienhäuser: „Eine Gestaltungssatzung kann dieses Monstrum nicht zerstören. Daher fordern wir eine komplette Aufhebung und eine maximale Nutzung von einem Viertel der Fläche.“ So könne man sich durchaus eine kleine Ferienanlage vorstellen, wie etwa nach dem Vorbild des „Nordic-Ferienpark“ der Sorpesee GmbH. 

Möglicher Investor für Halbinsel? 

Dieser Meinung konnte sich Ralph Brodel nur anschließen: „Ich habe das Thema von meinen Vorgängern geerbt. Seit 2004 haben sich aber die Grundvoraussetzungen völlig verändert. Es gibt landschaftlich durchaus verträgliche Alternativen einer Ferienanlage, die auch Profit abwerfen.“ Damit ging der Verwaltungschef auch auf die heftige Kritik ein, dass die Stadt in der Vergangenheit immer wieder mit Investoren verhandelt hätte, die hoch verschuldet seien. Nun wolle die Verwaltung vom Besitzer der Flächen die nun fälligen Anschlussgebühren einfordern: „Mal schauen, was jetzt passiert“, so Brodel. 

Die Ängste, eine Bebauung der Fläche im Bereich des ehemaligen Hotels „Wildpark“ und der Tennisplätze mit fünf- bis achtgeschossigen Apartmenthäusern würde zusätzlich für massive Beeinträchtigungen sorgen, entschärfte Stadtplaner Lars Ohlig. In diesem Bereich, so der Tenor der Bürger, sei mit dem „Airlebnisweg“ etwas tolles entstanden, das geschützt und gepflegt werden müsse. Lediglich das Gastronomie-Angebot dort – mit der derzeitigen „Imbiss-Bude“ – ließe noch zu Wünschen übrig. 

Doch auch in dieses Thema kommt offensichtlich Bewegung: Hans Klein übergab dem Bürgermeister das Angebot eines Geschäftsmannes aus Sundern, der offenbar die Halbinsel erwerben und dort insgesamt 3 Millionen Euro in ein Gastronomie-Gebäude investieren will, das an einen soliden Betreiber verpachtet werden soll. Und noch etwas Erfreuliches zeigt, dass sich in Amecke etwas rührt: Am 1. März eröffnet im ehemaligen Getränkemarkt ein neuer Dorfladen, der nicht nur die Möglichkeit zum Einkaufen vor der Haustür bieten, sondern darüber hinaus auch zu einem sozialen Treffpunkt werden soll – mit einem breiten Angebot und einer Vielzahl an hochwertigen, einheimischen und ökologisch erzeugten Lebensmitteln, einer Postfiliale sowie „einer Begrüßung mit einem Lächeln“.

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