"Eine kleine Welle lostreten"

"Geschlechtergerechte Kirche": kfd will Veränderungen

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Zahlreich kamen die Frauen zur „Ökumenischen Marktpause“, um unter anderem ihre Unterschrift für die Verbandsoffensive der kfd zu leisten.

Arnsberg/Sundern. „Wir freuen uns ungemein, dass so viele gekommen sind,“ begrüßte Silvia Kordes vom kfd-Bezirksteam Sundern rund 50 Frauen – und zwei Männer – zur „Ökumenischen Marktpause“ in der St.-Johanneskirche. Diese stand anlässlich der bundesweiten kfd-Aktionswoche unter dem Thema „Geschlechtergerechte Kirche“.

Frauen aus dem Bezirk hatten gemeinsam Fürbitten, Fragen und Denkanstöße vorbereitet: Auch Jesu habe in seiner Zeit Dinge getan, die damals ein No-Go waren – er habe Aussätzige angefasst, mit Prostituierten geredet. „Er hat einfach Neues gemacht, weil es notwendig war“, gab Kordes unter anderem als Impuls. Heute wollen auch die Frauen im Pastoralen Raum Sundern etwas voranbringen: den Zugang von Frauen zu allen Diensten und Ämtern in der Kirche. „Wir wollen nicht spalten, sondern gleichberechtigt die Möglichkeit haben, in der Kirche mit den Männer zusammenzuarbeiten.“

„Ich bin so dankbar für die Aktion“, hörte man schon beim Betreten der Kirche von älteren Besucherinnen, die sich vor der Unterschriftenliste einreihten. In ihrem Alter sei der Zugang zu den Ämtern nicht mehr relevant, aber für die Jüngeren müsse man etwas verändern – nicht mit Hass, sondern mit Liebe.

Dies war auch den Initiatorinnen ein Anliegen: „Wir kommen von innen. Frauen aus der Kirche wollen eine Veränderung“, betonte Kordes in ihrer Ansprache. „Lasst uns für die Mächtigen in der Kirche, die Bischöfe, Kardinäle und den Papst beten, dass sie Einsicht und Mut für Veränderungen aufbringen“, hieß es in einer der Fürbitten.

In Sundern sei man schon auf einem guten Weg, erklärten Silvia Kordes und Relindis Hoffmann nach der Marktpause. Es gebe drei Gemeindereferentinnen, die auch beerdigen dürfen. Sie und auch die Wortgottesfeierleiterinnen würden sehr gut ankommen. Auch vom Team der Seelsorger erfahre die kfd viel Unterstützung für ihre Verbandsoffensive. So hatte Pater Nelson auch die Begleitung für die „Ökumenische Marktpause“ übernommen.

Nicht nur Zuspruch, auch Kritik 

In den Kirchenbänken hingegen erblickte man mit zwei Ausnahmen keine Männer. Josef Schäfer jedoch hatte schon bei der Aktion „Licht an“ in Amecke als einziger Mann die Offensive der kfd unterstützt. Die Machtstrukturen in der Kirche sieht der Langscheider kritisch, dadurch seien Missstände entstanden. Wenn Frauen verstärkt Ämter bekleiden würden, würde sich strukturell etwas verändern. Damit würde auch wieder ein größeres Vertrauen entstehen, dass solche Missstände nicht mehr passieren, begründete er sein Interesse. „Ich wünschte mir aber mehr Männerengagement.“ Gleichzeitig hofft der Langscheider, dass die Bischofskonferenz Mut genug habe, eine zukunftsweisende Entscheidung herbeizuführen.“

Das sehen aber nicht alle Gläubigen im Pastoralen Raum so. Wenngleich man viel Zuspruch erfahre, gebe es auch Kritik. Eine Frau habe damit gedroht, aus der kfd auszutreten. Als Frevel sei die Offensive auch in einer emotionalen spontane Reaktion verurteilt worden. „Das muss man auch akzeptieren“, sagt Hoffmann. Bei manchen sei stark im Hinterkopf verankert, dass man solche Gedanken nicht äußern dürfe. „Eine religiöse Erziehung prägt eben sehr.“ Dass diskutiert werde, sei auch richtig. Eine Diskussionsrunde ist bereits in Planung. Zudem wird es jetzt Gottesdienste zu dem Thema – in jeder Gemeinde des Pastoralen Raums einen – geben. „Wir hoffen, dass wir vielleicht eine kleine Welle lostreten und weitere Menschen überzeugen“, gab Kordes den Marktpausenbesuchern mit auf den Weg. „Uns ist bewusst, dass wir einen langen Atem brauchen.“ Mut habe aber die Resonanz auf die Marktpause gemacht. „Die Leute sind wirklich gekommen, weil es ihnen ein Anliegen ist.“

Zeichen der Solidarität

„Frauen, worauf wartet Ihr? – gleich und berechtigt – Frauen in alle Weiheämter“ – an dieser bundesweiten Aktionswoche der kfd beteiligt sich auch die kfd Oeventrop. „Die kfd ist der festen Überzeugung, dass eine wirkliche Erneuerung der Kirche nur gelingt, wenn Frauen alle Dienste und Ämter in der Kirche offen stehen“, so die Organisatoren. In der Pfarrkirche Oeventrop liegen ab dem 2. Oktober Karten zur Unterschriftenaktion aus sowie Kreuze, die mitgenommen und getragen werden sollen als Zeichen der Solidarität und Unterstützung. Die gesammelten Karten werden zum Bundesverband geschickt. Dieser wiederum leitet sie an die Deutsche Bischofskonferenz weiter.

Auch im kfd-Bezirk Neheim-Hüsten werden Unterschriften gesammelt. Über die Verbandsinitiative der kfd hatte man zudem bereits am 14. September in einer Talkrunde diskutiert, die von den Initiatorinnen – Petra Gruß, Andrea Schnock und Gaby Kaufhold – als „sehr gut“ wahrgenommen wurde: sowohl von der Resonanz als auch von der Stimmung. Zwei Frauen haben sich nach dem Abend zu einer kfd-Mitgliedschaft entschieden. Auch weitere Aktionen sind geplant: „Einmal im Monat wird in Neheim für Frauen gebetet – angeregt von Maria 2.0.“, wie Petra Gruß berichtet. „Ich hoffe, dass wie durch die Aktionen der kfd, die Kirche zum Umdenken angeregt wird, so dass die Diakonin bald möglich wäre.“

Die kfd-Verbandsoffensive

Die bundesweite kfd-Aktionswoche (23. bis 29. September) „Macht Euch stark für eine geschlechtergerechte Kirche!“ findet im Rahmen der neuen Verbandsoffensive „kfd – die macht. für dich. für alle.“ statt, mit der sich Deutschlands größter katholischer Frauenverband für den Zugang von Frauen zu allen Diensten und Ämtern in der Kirche einsetzt. Die Online-Petition zur Sammlung von Unterschriften für eine geschlechtergerechte Kirche läuft bis Jahresende. Solange ist auch ein Selfie-Generator verfügbar, der einlädt, das eigene Bild mit Purpurkreuz und Forderung „JA zu einer geschlechtergerechten Kirche!“ zu versehen und in den Social Media zu verbreiten. Auch an der Aktion #MachtLichtAn hatten sich Frauen aus Arnsberg und Sundern beteiligt (Kurier berichtete). Für die gleichen Ziele setzt sich die Aktion „Maria 2.0.“ ein, die in der Gemeinde Heilig Kreuz in Münster aus einem Lesekreis heraus entstand und vom kfd-Bundesverband unterstützt wird. Im Mai hatten Frauen im Rahmen von Maria 2.0. gestreikt und ihre ehrenamtlichen Tätigkeiten niedergelegt.

Weitere Informationen zur Aktionswoche gibt es hier, zur Verbandsoffensive hier  und zur Aktion Maria 2.0. hier

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