„Ich kann nicht mehr als arbeiten“

Baukosten und Arztrechnungen: Tierschutzverein Sundern kämpft um jeden Cent

+
Auch die jüngsten Bewohner im Tierheim Sundern – fünf kleine Katzenkinder, die in Allendorf in einer Plastiktüte ausgesetzt worden waren – kosten Karin Bock vom Tierschutzverein Geld für Tierarztkosten.

Sundern - Die Mühlen mahlen langsam an der Hauptstraße 216. Seit der Tierschutzverein Sundern im Januar 2017 die Baugenehmigung für den Umbau der ehemaligen Lagerhalle in ein Tierheim erhielt, erkämpfen sich Karin Bock und ihre Vorstandskollegen die kleinen Baufortschritte mühevoll.

„Das Meiste haben wir hinter uns“, sagt die Erste Vorsitzende des Sunderner Tierschutzvereins Karin Bock. Dank der Crowdfunding-Aktion der Volksbank Sauerland wurden die Zimmer für die Tiere mit Plexiglas und Infrarot-Heizung bewohnbar gemacht. 

Dennoch ist das Team nicht so weit, wie es gerne wäre und mag gar nicht über einen Eröffnungstermin spekulieren. Zwei Probleme fordern den Ehrenamtlichen immer wieder weitere Geduld ab. „Wir tragen die Baukosten alle selbst. Und ich habe zusätzlich Berge an Tierarztrechnungen“, erklärt Karin Bock. Im August hatte der Verein beispielsweise zwölf verwilderte Katzen in Endorf eingefangen, um sie – außer die für eine Kastration zu jungen vier Kitten – kastriert wieder auszusetzen. Eine Kastration koste im Durchschnitt 150 Euro. „Das ist Geld, von dem ich keinen Cent mehr sehe“, führt Karin Bock als Beispiel an. Geld, das der Verein investiert, um weiteren verwilderten Katzennachwuchs zu vermeiden. Auch um Katzen vermittlungstauglich – durch Kastration und Kennzeichnung – zu machen, lege der Verein 300 Euro pro Tier auf den Tisch – die Schutzgebühr von 150 Euro deckt dies nicht – von den Futterkosten ganz zu schweigen. 

Städtische Zuschüsse gebe es indes nicht, erklärt Bock, die jüngst aber Besuch von Kommunalpolitikern hatte, denen sie die finanzielle Misere durch hohe Kosten für Tierfutter und tierärztliche Versorgung geschildert hatte. Die SPD-Fraktion beantragt nun, dass im Fachausschuss Arbeit und Leben über den Tierschutz in Sundern im Allgemeinen und über den Abschluss eines Vertrages mit dem Tierschutzverein Sundern im Besonderen diskutiert und beschlossen wird. „Ich hoffe, dass sich etwas tut“, sagt Karin Bock. 

Ausdauer muss sie aber auch auf der Baustelle beweisen – die zweite große Herausforderung. Das Meiste leistet sie mit einem „Rumpfteam“ in Eigenleistung. Auch die eine oder andere Firma hilft kostenlos aus. „Aber dann muss ich warten, bis die Unternehmen Zeit haben“, so Bock, „dann kann ich ihnen aber nicht wöchentlich in den Ohren liegen. Dafür ist es umsonst.“ „Ich hätte auch gerne schon eröffnet, aber ich kann nicht mehr als arbeiten und ich bin es leid, dass mich die Leute anmosern, dass wir nicht fertig werden“, macht die Tierschutzvereinsvorsitzende ihrem Ärger nach einer aktuellen entsprechenden Debatte auf Facebook Luft. „Wenn alle 1000 Mitglieder unseres Facebook-Profils Mitgliedsbeiträge für unseren Verein zahlen würden, wären wir schon weiter.“ So aber sei der Tierschutzverein darauf angewiesen, dass wieder Gelder durch Beiträge, Spenden und Schutzgebühr für vermittelte Tiere reinkommen, um weiter in den Umbau des Tierheims investieren zu können. 

Oberste Priorität hat die Quarantäne, die unabdingbar für die Betriebserlaubnis durch das Kreisveterinäramt ist. Die Fliesenarbeiten in Eigenarbeit laufen. Was viel mehr ins Kontor schlägt, sind die sechs geplanten Quarantäneboxen. Die schnellste Lösung wäre Edelstahlboxen zu bestellen. „Da kosten drei Stück aber schon 3.500 Euro“, sagt Karin Bock, die sich mit ihren Mitstreitern für eine kostengünstigere Alternative entschieden hat: Sie bauen die Boxen aus OSB-Platten selbst. Aber auch das zieht einen Rattenschwanz an Problemen hinterher: „Jetzt müssen wir auf die Suche nach jemanden gehen, der uns Metallrahmen und Gittertüren machen würde.“ Auch die Futterküche steht noch auf der To-do-Liste – ebenso wie Kaninchenausläufe und langfristig eine Vogelvoliere. Auch die Toilette muss noch fertig werden und zwei Türen fehlen noch. „Alleine für Material werden wir sicherlich noch zwischen 5.000 und 10.000 Euro brauchen“, sagt Karin Bock. 

Etwas Geld in die Kasse bringen soll wieder der Adventsbasar, er findet statt am Samstag und Sonntag, 23. und 24. November, jeweils von 11 bis 18 Uhr im Tierheim an der Hauptstraße. Gestärkt mit Bratwurst, Grünkohl, Pilzpfanne, Kaffee und Kuchen kann beim Spezialflohmarkt gestöbert werden. Auch Adventskränze werden wieder verkauft. Die Erlöse aus dem Verkauf und Tombola kommen dem Tierheim zugute. Beim Marktkauf wird es am 30. November zudem Waffeln geben. Auch am 7. und 24. Dezember stellt Karin Bock bei Fressnapf wieder das Waffeleisen an.

Spendenkonto Tierschutzverein Sundern, Sparkasse Arnsberg-Sundern, DE 03 4665 0005 0003 0285 03, WELADED1ARN

Der Antrag der SPD-Fraktion

Im Einzelnen geht es in dem Antrag der SPD-Fraktion darum, dass durch die Stadt die anteiligen Kosten von Tierarztbehandlungen von herrenlosen, verletzten oder kranken Tieren übernommen werden. Dieses, so die Antragsteller, dient auch der Gefahrenabwehr von Seuchen. Im Weiteren wird beantragt, dass im Rahmen einer derartigen Vereinbarung, die vollständige Kostenübernahme für die Kastration von herrenlosen Katzen, die anschließend wieder freigesetzt werden, fixiert und vereinbart wird. Da es sich nach Ansicht der Sozialdemokraten hierbei um eine Pflichtaufgabe der Stadt nach §1 Tierschutzgesetz handelt, beantragen sie, dass im Haushalt für 2020 Mittel von 6000 Euro hierfür bereitgestellt werden. Das Thema steht im Ausschuss am kommenden Donnerstag,14. November, auf der Tagesordnung.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare