1. SauerlandKurier
  2. HSK
  3. Sundern

„Bienenflüsterin“ aus Leidenschaft: Altenhellefelderin ist beste Jung-Imkerin

Erstellt:

Von: Andre Geißler

Kommentare

Mia Fern Jungimkerin Altenhellefeld
Leidenschaft für Bienen und die Natur: Mia Fern ist beste Jung-Imkerin 2021. © Geißler, André

Preisgekrönter Honig aus Altenhellefeld: Die erst 14-jährige Mia Fern aus dem idyllischen Sunderner Ortsteil wurde jetzt zur besten Jungimkerin 2021 in Westfalen-Lippe ausgezeichnet.

Altenhellefeld - Ihr selbstproduzierter Honig erhielt zudem das Prädikat „Gold“. Im Gespräch mit dem SauerlandKurier äußerte sich die junge Natur- und Tierliebhaberin über die Beweggründe ihrer großen Leidenschaft und warum sie inzwischen die gesamte Nachbarschaft damit „infiziert“ hat.

Sie ist ein Naturfreund durch und durch: Mia liebt die Natur, den Wald, die Tiere. Die Leidenschaft zur Imkerei entflammte in 2019 bei einer „Bienen-AG“ – unter Leitung des Bienenexperten Jürgen Meyer vom Imkerverein „Bienenfreunde Sorpesee“ – in ihrer Gemeinschaftshauptschule in Sundern. Gleichzeitig motivierte sie ein Freund der Familie, der ihr mit seiner Erfahrung wertvolle Unterstützung bei der Anlage eines ersten Bienenstocks gab: „Leider haben Wespen das erste Volk vernichtet. In 2020 konnte ich aber bereits die ersten sechs Kilo Honig ernten. Diesen habe ich dann an Verwandte und Freunde verschenkt. In diesem Jahr waren es zu meiner großen Freunde dann bereits insgesamt 37 Kilo, die mein Volk mit etwa 30.000 Bienen produziert hat. Die Menge der Anfragen war so groß, dass der Honig innerhalb von 24 Stunden ausverkauft war. Es ist toll, wenn man die Fortschritte beobachten kann“, so die junge Imkerin.

„Ich selbst liebe das ständige Summen um mich herum“

Neben einem idealen Standort und einer produktiven Königin sei eine intensive Pflege des Stocks und seiner Bewohner sowie reichlich Wissen vonnöten: „Das ist nicht mal eben in zehn Minuten täglich gemacht. Man sollte sich stets genügend Zeit nehmen. Hektik ist da gar nicht gut. Ich selbst liebe das ständige Summen um mich herum. Das ist so schön beruhigend.“ Inzwischen mache sie das alles ganz allein. Unter Beobachtung von dem Freund der Familie sowie ihrem Vater Benjamin, den sie inzwischen ebenfalls zum echten Bienenkenner gemacht habe.

Zum Ende des Wahlpflichtunterrichts unter Leitung ihrer Lehrerin Heike von den Benken ist eine Probe ihres Honigs zur Qualitätsanalyse unter den Kriterien Aufmachung, Sauberkeit, Zustand, Geruch und Geschmack an den Landesverband Westfälischer und Lippischer Imker e.V. eingesandt worden.

Einladung zum Honigmarkt in Münster

Und etwas später sei plötzlich eine unerwartete Einladung im Briefkasten gewesen: Zum diesjährigen Honigmarkt in Münster, bei der der Verein den Honigfreunden die am besten bewerteten Imker und Honigproben präsentiert.

„Wir waren alle ganz baff. Wir wussten ja gar nicht, was uns dort erwartet“, erinnert sich auch Mutter Bianca an den 24. Oktober zurück, als Mia auf die Bühne gebeten wurde und erstmals im Rampenlicht stand. „Gold für den Honig, Erfüllung der Qualitätsrichtlinien des Deutschen Imkerbunds, Auszeichnung zur besten Jungimkerin: Ich konnte es gar nicht fassen. Aber ich war mächtig stolz“, berichtet Mia selbst mit Herzklopfen von diesem besonderen Moment. Eine Auszeichnung wohl auch dafür, dass sie inzwischen die komplette Nachbarschaft im Neubaugebiet des kleinen Dorfes begeistern konnte.

Seit Beginn von Mias Imkerei machten alle mit, ihre Gärten nach und nach mit bunt blühenden und „bienenfreundlichen“ Wiesen und Pflanzen aufzupeppen. Auch in Ferns Garten kämen seitdem immer wieder ein blühender Strauch oder Obstbaum hinzu. So trüge eine ganze Gemeinschaft dazu bei, dass im Umfeld des Stockes reichlich Pollen und Nektar für die fleißige Bienen und dessen hochwertigen und Pestizid freiem Honig vorhanden ist.

„Nur was man selbst kennt, hegt und pflegt, erlangt Bedeutung“

Auch Mias Lehrerin von den Benken äußerte sich auf Anfrage unserer Zeitung zum außergewöhnlichen Erfolg ihrer Schülerin: „Frühzeitiges Heranführen und Beobachten von Bienen und die Relevanz der Natur frühzeitig zu fördern und zu beobachten, ist meines Erachtens unbedingt nötig, um ein Bewusstsein für Nachhaltigkeit und die Abhängigkeit zwischen Tier und Natur zu begreifen. Nur was man selbst kennt, hegt und pflegt, erlangt Bedeutung und schafft ein Verantwortungsgefühl. Wir freuen uns, dass sie dies alles so toll verkörpert.“

Aufgrund der erfolgreichen Weiterentwicklung und der großen Freude, die die Imkerei der „Bienenflüsterin“ aus Altenhellefeld mache, sei die Anschaffung eines weiteren Stockes im kommenden Jahr im Visier. Die solide Basis für dieses Aufstreben bringt Mia jedenfalls offensichtlich von Kind an mit. Klima-, Natur- und Artenschutz seien bei ihr ganz wichtige Themen, bei dem die Tochter den eigenen Eltern auch mal einen „Tritt verpassen“ müsse: „Das ist alles so wichtig für unsere Zukunft. Besonders die Bienen leisten einen unverzichtbaren Beitrag. Vielleicht kann ich ja den ein oder anderen ein wenig mit meiner Einstellung und meinem Handeln überzeugen, beim Umdenken mitzumachen“, betont die Naturfreundin, die schon immer mehr in der Natur und im Wald unterwegs gewesen ist als zuhause.

Auch die Liebe zu Tieren sei in dieser Zeit gereift. Neben den Bienen und allem, was sich draußen bewegt, seien ihr ihre beiden Hunde Lucy und Ben sowie ihr Pflegepferd Tristan ganz besonders ans Herz gewachsen: „Wenn ich heute durch den abgestorbenen Wald gehe, kommen mir die Tränen. Ich selbst verstehe nicht, dass Umweltverschmutzung, Waldsterben, Artensterben und Klimakrise offenbar so vielen immer noch so völlig egal ist.“

Auch interessant

Kommentare