„Hier ist alles o.k.“

Sundern wirbt mit „speziellster Gesamtschule NRWs“

Bürger Ralph Brodel, der Psychologe und Bildungsforscher Prof. Dr. Reiner Dollase, die Vertreterin des Verbandes „Eltern für eine gute Schule“ Elke Rauh-Reinschmidt, Realschulleiterin Renate Hackmann, Hauptschulleiter Klaus Nachtwey und der Leiter des Gymnasiums Martin Barthel sprachen über die „Zukunft der Bildung in Sundern“. Foto: Ute Bosen

Sundern. Eng beieinander stehen die drei weiterführenden Schulen in Sundern. Hoch oben am Rotbuschweg und der Berliner Straße thront das Schulzentrum. Zum „Bildungshügel“ vereinen sich Haupt-, Realschule und Gymnasium. „Wir haben hier die speziellste Gesamtschule ganz NRWs“, meint Bürgermeister Ralph Brodel. Eine gemeinsame Broschüre bildet die Zusammenarbeit der drei weiterführenden Schulen jetzt ab.

„bh“ ist als Logo darauf zu sehen. Es steht für Bildungshügel, wobei das „b“ zum runden Daumen und Zeigefinger stilisiert ist. Ein Zeichen für „Hier ist alles o.k.“, so Brodel. Der hatte Lehrer, Schülervertretungen und Eltern für Mittwochabend zu einer Informations- und Diskussionsveranstaltung in die Aula der Realschule eingeladen. In einer von ihm initiierten Zukunftswerkstatt hatte er zuvor zusammen mit der Schulleiterin der Realschule, Renate Hackmann, und den Schulleitern Klaus Nachtwey (Hauptschule) und Martin Barthel (Gymnasium) Ideen, Vorschläge und Maßnahmen entwickelt, um den Schulstandort zu stärken und die Alleinstellungsmerkmale des „Bildungshügels“ herauszustellen.

„Viel besser als bei uns können die Rahmenbedingungen für ein Schulzentrum nicht sein“, erklärte Bürgermeister Ralph Brodel, der im Vorfeld der Podiumsdiskussion die Arbeitsergebnisse der Zukunftswerkstatt vorstellte.

Mit dem Zusatzangebot von fünf Sporthallen und dem Schwimmbad gebe es so etwas in ganz NRW wohl kein zweites Mal. Enge Kooperation bei Schulwechsel, Austausch beim Thema Digitalisierung oder gemeinsame Aktionen zur Berufsorientierung gaben die Schulleitungen als Beispiele ihrer Zusammenarbeit an. So werde gemeinsam an einem eventuellen Schulwechsel von der Realschule zur Hauptschule oder umgekehrt gearbeitet.

„Wir wollen keine Schuldebatte“

„Beim Thema Digitalisierung tauschen wir uns pädagogisch wie technisch aus und schaffen Synergien“, so der Leiter des Sunderner Gymnasiums. Das Gymnasium teile sich mit der Hauptschule einen Server, was für die Realschule durch die etwas größere Entfernung nicht möglich sei. Doch auch hier unterstützen sich die Schulen untereinander. „Die Hauptschule hat zwei Technikräume, von denen wir einen mitnutzen, denn einen eigenen einzurichten, wäre sehr teuer“, erklärte die Schulleiterin der Realschule.

„Besonders gut sind wir bei der gemeinsamen Berufsorientierung aufgestellt,“ fand Hauptschulleiter Klaus Nachtwey. Gemeinsame Initiativen seien dazu von der Haupt- und Realschule unternommen, wie zum Beispiel der Berufparcours mit der Unternehmerinitiative „einsU“. Aber auch der Erwerb des Mofaführerscheins oder einige sportliche Aktivitäten würden schulübergreifend angeboten. Für die Zukunft könne man sich auch gemeinsame kulturelle Aktionen vorstellen, so Nachtwey. „Wir wollen uns der Aufgabe stellen und wollen keine Schuldebatte, wie es häufig in NRW geschehen ist“, erklärte Gymnasialleiter Martin Barthel.

Unterstützung für das dreigliedrige Schulsystem

„Hier ist viel Durchlässigkeit zwischen den Schulen gegeben“, versicherte Prof. Dr. Dollase, der als Psychologe und Bildungsforscher (Universität Bielefeld) an der Podiumsdiskussion teilnahm. Deshalb existiere ein ähnlicher Charakter wie an Gesamtschulen, ging der geladene Gast auf Bürgermeister Brodels anfänglichen Vergleich ein. Der Bildungsexperte kritisierte die an vielen Orten zugunsten von Sekundarschulen stattgefundene Abschaffung der dreigliedrigen Schulform. Studien renommierter Wissenschaftler wie dem neuseeländischen Pädagogen Hattie oder Baumert und Trautwein seien dabei außer Acht gelassen worden.

Elke Rauh-Reinschmidt vom Verband „Eltern für eine gute Schule“ stimmte dieser Einschätzung zu. Jahrelang habe man die Meinungen der Eltern gesammelt. Als Vertreter der Eltern unterstütze der Verband das dreigliedrige Schulsystem. Homogenität sei laut Forschung besser für Kinder.

„Wir müssen jeden Menschen, egal mit welcher Bildung oder welchem Berufsabschluss als gleichwertigen Bürger achten. Jeglichen Dünkel einfach streichen“, sagte Prof. Dr. Rainer Dollase zum augenscheinlichen besseren Ansehen der akademischen Berufsstände in der Gesellschaft. Mit viel Beifall stimmten ihm die Besucher der Podiumsdiskussion zu.

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