Brodel spricht von „erschreckendem Szenario“

Borkenkäfer breitet sich jetzt auch in Sunderns Hochlagen aus

Bürgermeister Ralph Brodel (li.) und Stadtförster Holger Dreeskornfeld in einem „Vorzeigegebiet“ bei Wildewiese nach dem Konzept des naturnahem Waldes.
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Bürgermeister Ralph Brodel (li.) und Stadtförster Holger Dreeskornfeld in einem „Vorzeigegebiet“ bei Wildewiese nach dem Konzept des naturnahem Waldes.

Sundern – „Retten, was zu retten ist“: Während die immensen Schäden rund um Sundern und den Sorpesee längst sichtbar sind, hat der Borkenkäfer – entgegen aller Erwartungen – in Sunderns Stadtwäldern inzwischen auch Fichtenbestände in Höhen von über 600 Metern befallen.

So mussten nun erste Flächen oberhalb vom Ortsteil Wildewiese gerodet werden. Ein Versuch, um einer weitflächigen Verbreitung des Waldschädlings in diesem auch für die Naherholung höchst attraktive und touristisch wichtige Region entgegenzuwirken. 

Bürgermeister Ralph Brodel machte sich – gemeinsam mit Stadtförster Holger Dreeskornfeld – am Montagnachmittag selbst ein Bild von den ersten Schäden durch den Borkenkäferbefall in Sunderns höchsten Lagen: „Das ist ein erschreckendes Szenario, das noch vor wenigen Monaten auch von Experten für sehr unwahrscheinlich gehalten worden ist. Doch für die Stadt Sundern hat es oberste Priorität, alles Mögliche zu tun, um die dramatischen Folgen für den Stadtwald einzudämmen.“ 

"Folgen schlimmer als nach Orkan Kyrill"

Auch Dreeskornfeld, der sich mit viel Herzblut und inzwischen 25 Jahren Erfahrung aus der Arbeit bei der Stadt Sundern für die Entwicklung und Erhaltung der kommunalen Wälder stark macht, konnte bei der Sichtung alles andere als von gesundem Optimismus sprechen: „Im Prinzip kommt der Käfer im Zusammenhang mit dieser Klimakatastrophe hundert Jahre zu früh. Die Folgen werden schlimmer sein als nach Orkan Kyrill. Auch wenn wir es eher weniger glauben können, hoffen wir, etwa die Hälfte des Fichtenbestands retten zu können.“

Deutlich sichtbar: Die Larven des Borkenkäfers unter der Rinde einer befallenen, gefällten Fichte.

Wichtig sei es, jetzt nicht aufzugeben und weiter an der Entwicklung eines mehrschichtigen, naturnahen Waldes zu arbeiten, bei dem der Stadtförster einen idealen Kompromiss aus Ökologie und Ökonomie sieht. Und sich permanent der Frage widmen, welche Baumarten in Zukunft der neuen klimatischen Bedingungen mit höheren Temperaturen und weniger Wasser gewachsen sind und somit für einen strukturierten Mischwald sinnvoll sind, zumal der Borkenkäfer sich bereits offensichtlich auch über geschwächte Douglasien und Buchen hermacht: „Wenn der Käfer die Fichte frisst, bleiben uns zumindest noch Eiche, Lärche, Douglasie und Buche, hieß es bisher. Unter anderem könnte auch die Küstentanne, weil an ihr relativ wenig Wildverbiss zu erkennen ist, die Waldlandschaft zukünftig mitprägen. Doch leider ist die klimatische Entwicklung viel rasanter, um verlässliche Prognosen stellen zu können.“ 

Wirtschaftlichkeit, Ökologie und Naherholung: Mit dem Konzept des naturnahen Waldes mit Misch- und Altbeständen, bei dem die Naturverjüngung in ausreichend Licht wachsen und die Feuchtigkeit im Boden länger erhalten bleiben kann, könne man langfristig die drei wichtigsten Säulen bestmöglich aufrecht erhalten. Jetzt müsse aber zunächst einmal das tote Fichtenholz schnellstmöglich aus den Wäldern raus, auch wenn der Großteil des Holzes zu einem Spottpreis nach China ginge. 

Wirtschaftliche Folgen für die Stadt

„Selbstverständlich hat das Ganze auch massive wirtschaftliche Folgen für die Stadt“, äußerte sich der Bürgermeister betroffen: „Kein Gewinn bedeutet im Grunde auch keine Neupflanzung. Doch der kommunale Wald muss als Gesamtes betrachtet werden, bei dem nicht nur der maximale Gewinn im Vordergrund steht.“ 

Hoffnung, eine maximale Sicherheit für die Zukunft der Sunderner Wälder zu erzielen und dabei auch die Katastrophe für den riesigen Arbeitsmarkt in der Holzwirtschaft zu mildern, macht dem Stadtförster die Tatsache, dass „dieses Thema ein äußerst hohes Gewicht in der Stadtverwaltung hat und die Zusammenarbeit erfreulich gut ist“.

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