Qualität in Kindertageseinrichtungen soll verbessert werden

Was bringt das neue „Gute-Kita-Gesetz“ für die Träger in Arnsberg und Sundern?

Die Arbeit in den Kindertageseinrichtungen ist längst nicht nur auf Betreuung ausgerichtet, sondern leistet immer mehr Bildungsarbeit. Foto: poplasen/fotolia.de
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Die Arbeit in den Kindertageseinrichtungen ist längst nicht nur auf Betreuung ausgerichtet, sondern leistet immer mehr Bildungsarbeit.

Arnsberg/Sundern. Mit vielen Wünschen, aber auch einer Portion Unsicherheit blicken die heimischen Kindergartenträger dem „Gute-Kita-Gesetz“ entgegen, dessen Entwurf jüngst vom Bundeskabinett beschlossen wurde. Das Ziel: mehr Qualität und weniger Gebühren. Bis 2022 will der Bund insgesamt 5,5 Milliarden Euro bereitstellen. Die jeweiligen Länder sollen selbst entscheiden, wo der Bedarf am größten ist und wo sie investieren möchten. Die 16 Länder schließen mit dem Bund dazu individuelle Verträge. Der Kurier hat nachgefragt, wo in der Region der Schuh am meisten drückt.

Martin Hustadt, Fachbereichsleiter aus Sundern, schätzt das Potential des neues Gesetzes als sehr gut ein, um die Qualität in den Kindertageseinrichtungen zu verbessern. „Wenn der Bund einen verbindlichen Rahmen für den Landesgesetzgeber schafft, damit vor allem Gelder in die Qualifizierung von Mitarbeitern und einen erhöhten Personalschlüssel fließen, dann halte ich das für gut“, so der Fachbereichsleiter. Denn längst bedeute die Arbeit in den Kindergärten nicht mehr die reine Betreuung von Kindern, sondern der Schwerpunkt verschiebe sich immer mehr Richtung Bildungsauftrag. Die aktuelle Finanzierung sei jedoch auf Dauer nicht auskömmlich.

„Wir hoffen auch, dass noch einmal ein Rettungspaket aufgelegt wird, damit die Trägervielfalt erhalten bleibt“, verspricht sich Hustadt nicht nur Hilfe vom Gute-Kita-Gesetz, sondern auch von einer Neuauflage des Kinderbildungsgesetzes (Kibiz), mit dessen Gesetzesentwurf 2019 gerechnet werde. Die Träger – Kommunen, Kirchen, freie Träger – würden unterschiedlich hohe Eigenanteile erbringen. Das sei nicht mehr zeitgemäß. „Es gibt immer mehr finanzielle Schwierigkeiten, die Kitas zu betreiben“, so Hustadt. Die Stadt Sundern leiste bereits einen freiwilligen Betriebskostenzuschuss von zwei Prozent an die kirchlichen Träger, und das sei im Landesdurchschnitt noch niedrig.

Verbindlich geregelt sei in NRW auch nicht die Freistellung von Kitaleitungen aus der Arbeit in den Gruppen. In Sundern habe man bis zum Sommer die Kitaleitungen nicht freigestellt, weil man es sich finanziell nicht erlauben konnte. Zum 1. August wurden 1,5 Stellen geschaffen, die auf die städtischen Kitas verteilt werden. Verbindliche Vorgaben wünscht sich Sunderns Fachbereichsleiter etwa auch in puncto Qualitätsmanagementsystem.

Aber nicht nur in eine verbesserte Betreuung soll das Geld aus den Bundesmitteln fließen. Familien mit kleinem Einkommen sollen mit dem „Gute-Kita-Gesetz“ zudem von der Beitragspflicht befreit werden. „Es sind relativ viele Familien, die keine Beiträge zahlen,“ sagt Martin Hustadt mit Blick auf die aktuelle Situation in Sundern.

Bundesweite Vorgaben und Standards stehen mit auf der Wunschliste der heimischen Träger. Die Stadt Sundern hatte im Sommer 2017 die Elternbeiträge in einer Satzung neu strukturiert. Was allerdings auch für Unmut gesorgt hatte – besonders bei Familien mit einem Jahreseinkommen ab 90.000 Euro, die jetzt höhere Beiträge zahlen. „Wir haben mehr als 20 Klageverfahren“, so Hustadt.

Spannweite reicht von null bis 800 Euro

Sein Kritikpunkt: „Es ist nicht gut, wenn die Elternbeiträge quer durch Deutschland unterschiedlich sind. Und in NRW ist das besonders ausgeprägt. Die Spannbreite reicht von null bis mehr als 800 Euro“, moniert Hustadt. Der Landesgesetzgeber werde zwar keinen einheitlichen Betrag festlegen, aber verbindliche Eckdaten wünscht sich der Fachbereichsleiter von künftigen Gesetzen dennoch unbedingt. „Ich bin gespannt, wie es weitergeht“, sagt Hustadt mit Blick auf die Umsetzung des Gute-Kita-Gesetzes in den jeweiligen Ländern und auf die Kibiz-Neuauflage. Der Sunderner Fachbereichsleiter ist jedoch guter Hoffnung, weil alle Landespolitiker signalisiert hätten, dass sie eine Verbesserung wollen.

Ganz viel Unsicherheit sieht derweil noch Silke Rother, Geschäftsleiterin des Kindergartenverbundes im evangelischen Kirchenkreis Arnsberg. „Wie kommt es in den Kitas an?“, fragt sie sich. Nicht immer wisse man auf politischer Ebene, wie das Leben in den Kitas wirklich sei. Beispielsweise seien Räumlichkeiten, in denen Kinder essen können, baulich nicht förderfähig. „Bei uns bleiben rund 80 Prozent der Kinder über Mittag. Wo sollen die Kinder denn essen? Mit dem Teller auf dem Schoß? Manchmal würde ich gerne mal die Hände über dem Kopf zusammenschlagen,“ gesteht Silke Rother.

„Wo sollen die Leute herkommen?“

Eines ihrer Herzensanliegen ist jedoch, dass der Beruf des Erziehers in der Gesellschaft eine klare Aufwertung erfährt, denn auch hier habe man massiv mit dem Fachkräftemangel zu kämpfen. Wenn man sich in der gesetzlichen Neuerung richtigerweise für einen höheren Personalschlüssel stark mache, müsse man sich parallel dieser Baustelle auch gesellschaftspolitisch stellen. Denn wo sollen die Leute herkommen?

„Gut gemeint, aber vielleicht zu kurz gegriffen“, sagt Michael Stratmann, Geschäftsführer der Katholischen Kindertageseinrichtungen Hochsauerland-Waldeck gem. GmbH, zu dem Entwurf des Gute-Kita-Gesetzes. „Es ist positiv, dass Geld ins System kommt. Aber 5,5 Milliarden Euro hören sich erst einmal wahnsinnig viel an, aber die Förderung ist auf viereinhalb Jahre begrenzt“, gibt der Geschäftsführer zu bedenken. 

Zusätzlich relativiere sich das Bild in der Praxis noch einmal, wenn man das pro Jahr pro Kita – davon gibt es bundesweit mehr als 55.000 – herunterbreche. „Was kommt dann noch in der einzelnen Kita an“, fragt sich Stratmann nicht zuletzt auch, weil auf der Habenseite im Gegenteil zudem die Beiträge der Familien mit kleinem Einkommen wegfallen, die von der Beitragspflicht befreit werden sollen. Das müsse auf Landesebene kompensiert werden, was unterm Strich von der Summe wieder abgezogen werden muss, die in die Verbesserung der Qualität in die Kitas fließen kann. „Die Beitragsfreiheit ist definitiv ein richtiges Ziel“, betont Stratmann, der sogar eine Kostenfreiheit für alle fordert. „Aber es ist der falsche Zeitpunkt für eine Beitragsfreiheit.“ Zuerst müsse die Qualität in den Kitas gesichert sein.

Personelle und finanzielle Probleme

Aber auch in diesem Punkt ist Stratmann verhalten optimistisch. „Die Vermutung liegt nahe, dass eher in den Ausbau von Kitaplätzen, also in die räumliche Qualität, investiert wird, weil dies keine langfristige Investition ist“, sagt Stratmann mit Blick auf die Begrenzung der Förderung bis zum Jahr 2022. Zwar seinen Kitaplätze dringend nötig, jedoch hake der Hebel in NRW vorrangig in der personellen und finanziellen Ausstattung der Betriebe.

„Wir hätten uns mehr davon erwartet, weil es anders angekündigt war,“ sagt Michael Stratmann zum Gute-Kita-Gesetz. „Erstmal abwarten“ lautet jetzt jedoch die Devise, weil noch niemand wisse, wie der Vertrag zwischen Bund und Land NRW schließlich im Detail aussehe.

Auch der Fachdienst „Förderung von Tagesbetreuung für Kinder“ in der Stadt Arnsberg sagt, zum jetzigen Zeitpunkt sei unklar, wie sich das Bundesgesetz tatsächlich auf die Qualität der Arnsberger Betreuungslandschaft auswirken könnte. Grundsätzlich sei allerdings festzustellen, dass die aktuelle Arnsberger Handlungsweise im Bereich der Kindertagesbetreuung richtig sei. 

So werde auch durch den Gesetzesentwurf noch einmal deutlich, dass zunächst das quantitative Betreuungsplatzangebot (Stichworte: Teilhabe und Chancengleichheit) und die Qualität der Betreuung vorrangig zu behandeln sind. „Die Gebührenentlastung der Eltern wird im Gesetzesentwurf nachrangig gegenüber Maßnahmen der Qualitätssteigerung des Betreuungsangebotes gesehen. Die weitergehende finanzielle Entlastung von einkommensschwachen Eltern durch den Gesetzesentwurf wurde bisher nicht ausreichend konkret definiert“, sagt die Stadt.

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