Nach brisanter Blog-Veröffentlichung

„Freibad-Affäre“ im Rat: Bürgermeister und Geschäftsführer nehmen Stellung 

Anlass zur Aufregung gab das brachliegende Freibad in Amecke in dieser Woche.

Sundern. Kurz war diesmal die Tagesordnung im Sunderner Stadtrat, ebenso kurz und schmerzlos wurde diese auch abgearbeitet. Nichtsdestotrotz waren die Zuschauerbänke gefüllt. Man erwartete mit Spannung die Stellungnahmen des Bürgermeisters und des Geschäftsführers der Sorpesee GmbH zum Thema „Freibad und Herr Greven“, wie Ralph Brodel einleitete.

Anlass waren die Vorwürfe, die der freie Journalist Ludwig Greven in seinem politischen Blog „quersatz“ veröffentlicht und Politikern aus Sundern kurz vor der Sitzung des Stadtentwicklungsausschusses am frühen Dienstagabend online hatte zukommen lassen. Der Hamburger warf der Sorpesee GmbH vor, das Freibad Amecke absichtlich zerstört, technische Ausrüstung heimlich verkauft und sensible Akten verbrannt zu haben. Seine Darstellung fußt er auf eine Aussage, die die Mutter des Prokuristen 2016 auf einem Fest getätigt haben soll. Gegenüber Zeugen soll sie von der Aktenvernichtung erzählt haben.

Brodel ergriff in einer langen scharfzüngigen und vehementen Rede das Wort: „Schlecht recherchiert und tendenziös geschrieben“ – damit sei eigentlich schon alles gesagt. „In der Giftküche dieses Menschen wird mit Zitaten hantiert, die nachweislich nie gegeben wurden. Sei es von Ratsmitgliedern, Bürgermeistern oder honorigen Bürgerinnen und Bürgern.“ Er sprach von einem Ritt auf einer Kanonenkugel eines Baron von Münchhausen, der mit abenteuerlichen Geschichten skandalisieren wolle und der „einen Generalverdacht nach dem nächsten als Brandbomben des Misstrauens in die Menge wirft“. Brodel forderte: „Wir sollten nicht zulassen, dass ein Einzelner mit Unwahrheiten, mit Lügen und mit erfundenen Geschichten unser aller Ruf in den Schmutz tritt.“ 

"Rückblickend falsche Entscheidung"

„Klare Worte, die mir aus dem Herzen kamen“, sagte Martin Levermann, Geschäftsführer der Sorpesee GmbH, der sich in seiner Stellungnahme gegen die Vorwürfe wehrte: „Sie entbehren jeder Grundlage. Wir haben weder planmäßig zerstört noch technische Ausrüstung verkauft.“ Man habe überlegt, wie man Teile des Inventars anderweitig nutzen könne. So habe man etwa die Wasserrutsche nach Grevenstein abgegeben, wo man sie aufwendig und zeitintensiv wieder instandgesetzt habe. „Sonst wäre sie dem Vandalismus zum Opfer gefallen oder hätte kostenpflichtig entsorgt werden müssen,“ führte Levermann unter anderem aus. Auch habe die Beschuldigte versichert, keine Akten der Sorpesee GmbH vernichtet zu haben, sondern private Unterlagen ihres Mannes, hieß es unter anderem in der Stellungnahme. „Ich habe mir nichts vorzuwerfen und ich kann ruhigen Gewissens erklären, dass alles mit rechten Dingen zugegangen ist. Es handelt sich um eine Rufmordkampagne“, so Levermann. 

Die Ratsmitglieder begegneten der Ausführung mit einem langen Klopfen auf den Tischen. Das Thema endete mit zwei Wortbeiträgen aus dem Gremium. Antonius Becker (Bündnis 90/Die Grünen) bat seine kommunalen Mitstreiter, man möge sich auf die originären Aufgaben konzentrieren: „Wer wachen Auges und Verstandes liest und den Hergang in der Stadt kennt, weiß dass das schlecht recherchiert und haltlos ist. Man ist verwundert, dass jemand aus dem fernen Hamburg so eine Macht besitzt und wie ein Marder in einem Hühnerstall eine riesen Aufregung produziert.“ Seine Bitte: sich nicht damit zu beschäftigen. 

Hans Klein (WISU) beendete den Tagesordnungspunkt mit dem Verweis auf eigenes Versäumnis, weil man nichts unternommen habe, um das Freibad vor Diebstahl und Vandalismus zu schützen. „Mit einem Bürgerverein hätte man etwas bewirken können.“ Rückblickend sei das damals die falsche Entscheidung gewesen. Und in einer Pressemitteilung ergänzte er als „Antwort zu jetzigen Ermittlungen“: Fragen zur Schließung des Freibades habe die WISU 2014 auch gestellt. „Wir waren, wie auch andere Ratsmitglieder, zu der Auffassung gekommen, dass man damals das Bad bewusst hat vor die Wand laufen lassen, um danach das Grundstück an die Spekulanten aus den „Flachen Ländern“ verscherbeln zu können.“ Das Freibad sei jedoch Geschichte, einen Wiederaufbau werde es nicht geben. „Das ist traurig, aber mit dieser Realität müssen wir uns abfinden. Unser Blick muss jetzt in die Zukunft gehen.“ Ideen und Mut seien gefragt, die Fläche im Sinne der Bürger zu gestalten.„Ich möchte Sie bitten, den Fakten zu vertrauen.“

Tiggesplatz-Arbeitskreis wird ausgeweitet

Um die Gestaltung des Franz-Josef-Tigges-Platzes ging es zum Abschluss der Ratssitzung. Die WISU hatte eine Sondersitzung des Rates zu dem Thema für 1. Oktober beantragt – im Rahmen des ohnehin geplanten zweiten interfraktionellen Abstimmungsgesprächs. Die Fraktion zog den Antrag zurück, nachdem man im Rat zwei Zusagen gemacht hatte: So wird die Arbeitssitzung ausgeweitet und alle Ratsmitglieder eingeladen, die ihre Ideen zum Tiggesplatz einbringen können. Des Weiteren wird, wie

Weitere Konsequenzen 

Wie Martin Levermann, Geschäftsführer der Sorpesee GmbH, in der Ratssitzung ankündigte, werde ein Rechtsanwalt strafrechtliche Schritte gegen den Journalisten ergreifen. Dieser hatte seinerseits auch die Staatsanwaltschaft eingeschaltet. Der Pressesprecher der Staatsanwaltschaft Arnsberg Thomas Poggel bestätigte auf Nachfrage des SauerlandKurier, dass eine Mitteilung des Journalisten eingegangen sei. „Wir haben von der Einleitung eines Ermittlungsverfahrens abgesehen, weil für uns kein Anfangsverdacht für eine verfolgbare Straftat besteht“, sagte Poggel am Donnerstagnachmittag. Dem TOP Freibad Amecke wird man sich in Sundern aber auch noch in der Gesellschafterversammlung widmen, eine Sondersitzung ist für den 8. Oktober anberaumt.

Auch im Stadtentwicklungsausschuss am Dienstag war das Freibad Amecke ein Thema gewesen. 

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