Rege Diskussionen in der Realschule

Bürgerversammlung in Sundern beschäftigt sich mit "heißen Eisen"

+
Rund 100 Sunderner besuchten die Bürgerversammlung in der Aula der Realschule und informierten sich über aktuelle Themen.

Sundern. Rund 100 Bürger folgten am Montag der Einladung von Bürgermeister Ralph Brodel und Ortsvorsteher Hans-Jürgen Schauerte zur Einwohnerversammlung in der Aula der Realschule. Neben den Informationen zu allgemeinen und kommunalpolitischen Themen sorgte in der anschließenden Diskussionsrunde vor allem der „Brennpunkt“ Innenstadtentwicklung für einen intensiven Meinungsaustausch, bei dem eine weiterhin große Diskrepanz deutlich wurde.

Doch bevor sich die Bürger in einer rege geführten Diskussion mit ihren Vorschlägen, Ideen, aber auch Bedenken und Ängsten einbringen konnten, ging Bürgermeister Ralph Brodel zunächst erläuternd auf die Themen ein, die besonders unter den Nägeln brennen. 

Ein Thema mit reichlich Zündstoff sei die mögliche Reaktivierung der Röhrtalbahn. Hier wies der Verwaltungschef darauf hin, dass ein klarer Beschluss für den Ausbau vorläge und eine Potenzialanalyse eindeutig eine Wirtschaftlichkeit aufzeige: „Mobilität in der Zukunft heißt die Vernetzung unterschiedlicher Verkehrswege. Ich bin mir sicher, dass wir mit der Röhrtalbahn nicht nur selbst eine bessere und wichtige Anbindung an Dortmund und das Ruhrgebiet bekommen werden, sondern darüber hinaus auch davon profitieren können, dass der Weg zu uns für Fachkräfte und Touristen einfacher wird.“ 

Neuer Baumarkt eröffnet im Februar

Anschließend ging Brodel näher auf die innerstädtischen Themen ein. Hier sehe er beispielsweise den Bedarf für eine weitere Kita, die eine zentrale Lage und im Idealfall auch ausgedehnte Öffnungszeiten haben sollte. Es werde derzeit geprüft, wer Träger und wer Investor sein könne. Positiv sei die Entwicklung der Einkaufssituation abseits der Fußgängerzone: Relativ sicher sei, dass beim derzeitigen Umbau des „Bremkes Center“ ein großer Edeka-Markt, eine Postfiliale sowie ein Bäcker entstünden. „Darüber hinaus eröffnet der neue Baumarkt in Ober-Sundern im Februar“, gab der Bürgermeister preis. „Aus meiner Sicht besonders erfreulich ist, dass der heimische Betreiber keiner Kette angehöre und mit viel Liebe und Engagement handeln wird.“ 

Dass die Entwicklung in Ober-Sundern aber nicht nur positiv sei, sondern auch eine Gefahr mitbringe, machte die anschließende Diskussionsrunde deutlich. Einige befürchten hier die Bildung eines zweiten Zentrums, das der Fußgängerzone noch mehr Kaufkraft entziehen könne. „Ich kann bestätigen, dass die Auseinandersetzung mit diesem Thema unter den Bürgern rege geführt wird“, erklärte Ortsvorsteher Schauerte und auch Brodel betonte, dass innenstadtrelevante Geschäftsbereiche nicht zu sehr nach Ober-Sundern verlagert werden sollten. 

Auch die Verkehrssituation in Sundern sehen viele Einwohner als verbesserungswürdig: Hier wird der Ruf nach Lösungen für einen besseren Verkehrsfluss immer lauter, etwa durch neue Kreisverkehre und/oder intelligentere Ampelschaltungen. Der Bürgermeister sicherte zu, dass man diese Problematik von Experten prüfen lasse, um zu klären, welche Maßnahmen Sinn machten, ohne dabei neue Probleme zu schaffen. 

"Jeder kann seine Meinung äußern"

Als „heißestes Eisen“ standen an diesem Abend aber die ersten Planungen zur Innenstadtentwicklung zur Debatte – mit dem gewünschten und erforderlichen Effekt der Attraktivitätssteigerung, inklusive der Integration von Hochwasserschutz und Errichtung eines „Röhrparks“, der einen massiven Eingriff in die Parkplatzsituation nach sich ziehen würde. Bei diesem intensiv und konträr diskutierten, sensiblen Thema ging der ein oder andere Bürger gar auf Konfrontationskurs mit dem Bürgermeister und der Verwaltung: Der Wegfall der kostenlosen Parkplätze könne den endgültigen Todesstoß für die City bedeuten. 

Zudem wurde eine Belebung der Innenstadt durch den unmittelbar angrenzenden „Röhrpark“ angezweifelt. Auch eine fehlerhafte Parkflächenplanung hätte zum Zorn in der Bevölkerung beigetragen. Stadtplaner Lars Ohlig räumte zwar fehlerhafte Eintragungen ein, betonte aber, dass diese zunächst lediglich der ersten Überlegungen dienen würden: „Die Parkplätze sind ein sensibles Thema, dass wir bei den Planungen nicht aus den Augen verlieren dürfen. Hier sind kreative Vorschläge aus der Bevölkerung erwünscht.“ Dem konnte sich Brodel nur anschließen: „Jeder kann seine Meinung äußern, jeder Einwand wird geprüft. Es ist ein offener Prozess. Ich selbst bin davon überzeugt, mit den geplanten Maßnahmen eine erhebliche Attraktivitätssteigerung für Sunderns Innenstadt erreichen und somit den Niedergang der Geschäfte stoppen zu können. Aber ich werde es nicht auf Biegen und Brechen durchsetzen.“ 

In einer Sache war man sich an diesem Abend grundsätzlich einig: Es muss ein Aha-Effekt her, mit Kleinigkeiten ist der Innenstadt nicht geholfen. Dafür müsse man auch Kompromisse eingehen.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare