Ruhrverband nimmt Proben für Sedimentberäumung

Wasser im Sorpesee-Vorbecken wird abgelassen - das ist der Grund

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Sinkender Wasserstand im Vorbecken Amecke: Der Ruhrverband lässt Wasser ab, um Sedimentproben zu nehmen. In absehbarer Zeit soll das Vorbecken dann ausgebaggert und von Sedimentschichten befreit werden.

Amecke. Wattenmeer im Sauerland? Das Vorbecken des Sorpesees in Amecke hat sich buchstäblich in eine Wattlandschaft verwandelt. Der Ruhrverband hat das Vorbecken Amecke der Sorpetalsperre auf etwa zwei Meter unter Normalstau abgesenkt. Dadurch sind an den Ufern, die der 3,5 Kilometer lange „AiRlebnisweg“ als beliebtes Ausflugsziel säumt, Wasserspielgeräte und Bootanlegestellen aktuell noch außer Betrieb.

„Grund für die Absenkung sind umfangreiche Sedimentprobenahmen. Die Probenahmen dienen der Vorbereitung einer Sedimentberäumung des Vorbeckens Amecke“, erklärt der Ruhrverband auf seiner Homepage. „Sedimentberäumung bedeutet schlicht und ergreifend ausbaggern“, erklärt Britta Balt, stellvertretende Pressesprecherin des Ruhrverbandes, auf Nachfrage des SauerlandKurier.

 Ausgebaggert werden soll das Vorbecken in Amecke im kommenden Jahr. Die Proben dienen der Voruntersuchung. „Damit wir wissen, was uns eigentlich erwartet“, so Britta Balt. Wie dicht ist die Schicht der Ablagerungen (Sedimente) und an welchen Stellen befinden sie sich? Hochrechnen könne man mittels der Proben, über wie viel abzutragendes Sediment man in Amecke rede. 

Zuletzt nahm der Ruhrverband eine Sedimentberäumung im Vorbecken Mielinghausen an der Hennetalsperre vor. Es war das erste Mal, dass dieses Vorbecken ausgebaggert wurde, zu dem Zeitpunkt war die Talsperre seit mehr als 60 Jahren in Betrieb. 150.000 Kubikmeter Sediment hatten sich hier in diesem Zeitraum abgelagert. Doch nur ein Drittel des Sedimentes musste ausgebaggert werden. Denn die Proben hatten ergeben, dass nur 50.000 Kubikmeter Sediment den Zulauf aus dem Vorbecken in die Talsperre verlandet hatten. „Wir baggern nur das, was notwendig ist“, betont Britta Balt mit Blick auf wirtschaftliche und ökologische Gründe.

Maßnahme für 2020 anvisiert 

Am Sorpesee-Vorbecken Amecke rollten die Bagger schon seit mehreren Jahrzehnten nicht mehr, so die Ruhrverbandssprecherin. Dennoch ist eine Sedimentberäumung für ein Vorbecken eine „alltägliche Geschichte“, erklärte Britta Balt. Denn Vobecken sind eigens dafür geschaffen, die Sedimente aus den Flüssen aufzuhalten, damit sie nicht in die Talsperrenkörper gelangen. Sie verhindern, dass die Talsperren verlanden. 

Wann in Amecke die Maßnahme beginnen soll, steht noch nicht fest. Geplant ist sie in absehbarer Zeit, anvisiert ist 2020, so Britta Balt. Wichtig ist dann, dass das Vorbecken zu dem Zeitpunkt eisfrei ist. Am Vorbecken Mielinghausen hatten sich im Jahr 2017 die Maßnahmen von Frühling (Absenkung Ende März) bis Herbst (Abschluss im Oktober) erstreckt. 

Wiedereinstau erfolgt umgehend 

Spaziergänger, Ausflügler und Kurzurlauber müssen in Amecke aber in der jetzigen Freiluftsaison nicht lange auf den beliebten Blick auf ein wasserreiches Vorbecken verzichten. Das Vorbecken wird erst einmal wieder gefüllt. „Die aktuelle Absenkung des Vorbeckens um rund zwei Meter wird voraussichtlich bis Mitte April 2019 dauern. Der Wiedereinstau erfolgt umgehend nach Abschluss der Sedimentprobenahmen“, schreibt der Ruhrverband auf seiner Homepage weiter. Er weist zudem vorsorglich darauf hin, dass etwaige trockenfallende Uferflächen des Vorbeckens nicht betreten werden dürfen, da der Untergrund nicht tragfähig ist. „Es besteht Lebensgefahr“, warnt der Verband.“ 

Derweil mahnt der BUND schon jetzt, im Zuge des kommenden „Ausbaggerns“ mit Fingerspitzengefühl zum Schutz der Fauna vorzugehen. „Dabei muss sehr behutsam vorgegangen werden, denn es handelt sich hierbei um Lebensräume mit vielen seltenen Tierarten“, schreibt Klaus Korn in einer Pressemitteilung. 

„Die Mündungsbereiche von Sorpe und Hespe mit ihren Schlammbänken und naturnahen Altholzbeständen sind unverzichtbar für die heimische Tierwelt. Die Erdkröte, der Grasfrosch und der Bergmolch sind im Flachwasserbereich der Hespebucht zu finden. Der Eisvogel nutzt den Bereich als Nahrungsrevier. Von Höckerschwan, Haubentaucher, Zwergtaucher, Blässhuhn und Wasseramsel werden die Bereiche als Brut- und Jagdrevier genutzt. Die Fledermäuse nutzen die Altholzbestände als Lebensraum. Sogar der Fischotter wurde hier vor einigen Jahren gesichtet“, heißt es weiter. 

Bevor der Prozess der Ausbaggerung beginnt, müsse die streng geschützte Gemeine Teichmuschel in den Hauptsee umgesiedelt werden, fordert Korn. „Für den Erhalt der Brutreviere müssen außerdem ausgewiesene Schlammbänke erhalten bleiben.“

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