Eröffnung für Anfang September geplant

160 stille Teilhaber: So retteten die Hagener ihren Dorfladen

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Arbeiten mit vielen anderen Hagenern unter Hochdruck daran, dass der Dorfladen bald wieder seine Türen öffnet (von links) Silvia Biggemann, Ursula Willeke und Klaus-Rainer Willeke.

Hagen - Ein wichtiger Dreh- und Angelpunkt in Hagens Dorfmitte war weggebrochen, als Ende vergangenen Jahres der Dorfladen seine Pforten schloss. „Der Dorfmittelpunkt hat an Wert verloren“, bedauerte Klaus-Rainer Willeke. Und bereits im Januar machte er sich mit weiteren Mitstreitern auf, diese Lücke wieder zu schließen. Jetzt geht es auf die Zielgerade.

Man holte sich Rat bei Dorfladenberater Wolfgang Gröll, der für den Erfolg des Projektes im Kern auf Folgendes hinwies: Man müsse im Preis vergleichbar sein mit der Konkurrenz, man brauche ein tolles Team und es funktioniere nur, wenn die Kunden selber mitmachen.

160 stille Gesellschafter stehen hinter der Unternehmergesellschaft mit beschränkter Haftung, die von drei Gesellschaftern geleitet wird – darunter Ortsvorsteher Klaus-Rainer Willeke, der sich über die „tollen Zeichen der Solidarität“ der Hagener mit dem Dorfladen freut. „Die 40.000-Euro-Grenze ist überschritten“, sagt Willeke. Für die Finanzierung schöpft man aus drei Quellen: Fördergelder durch das Landesprogramm „Dorferneuerung“, Kredite und die stillen Teilhaber, die unterschiedliche Summen einbringen können.

Auch von außerhalb gibt es stille Gesellschafter – zum Teil, weil sie die Initiative gut finden, berichtet Ursula Willeke, die mit Silvia Biggemann und Damiana Koprek das Kernteam im Dorfladen bildet. „Ein Junge aus Hagen hat sogar mit seinem Kommuniongeld seinen Anteil gezeichnet“, freut sich Willeke. Auch manche Eltern zeichneten Anteile für ihre Kinder. „Das sind auch Kunden von morgen“, hofft Willeke auf eine lange Lebenszeit des bald reaktivierten Ladens – Anfang September ist das erhoffte Ziel für die Eröffnung.

„Unverpackt“-Philosophie im Blick

Mit einem Team von zwölf bis 14 Leuten befindet man sich in der organisatorischen und baupraktischen heißen Phase. Und gut Ding will Weile haben, das haben die Hagener gelernt. Alleine unzählige Entscheidungen – etwa wie beleuchtet man Obst und Gemüse richtig – müssen getroffen werden. Und auch eine „Expedition“ durch andere Läden steht hinter ihnen. Hierbei hatte man auch nach Vorbildern gesucht, wie man die „Unverpackt“-Philosophie in Hagen umsetzen kann: Preisgünstig, vielfältig, gesund, regional und nachhaltig heißen die Säulen, auf denen der Dorfladen fußen soll, berichtet Silvia Biggemann. Jetzt wird die Bioecke ausgebaut und unverpackt kann man bald Getreide, Müsli, Reis, Trockenfrüchte und einige Nudelsorten kaufen. Wie zuvor bekommt man Wurst und Käse auf Wunsch in eigene Dosen.

„Es ist ein Spagat, den wir schaffen müssen, damit der Dorfladen für jeden in Hagen der Laden ist“, sagt Ursula Willeke. Wie eine Umfrage in den Haushalten gezeigt hat, reicht den Hagenern eine Café-Stehtischecke, die – wie die Dorfbäckerei – in den Dorfladen integriert wird, wo es auch einen Paketshop geben soll. Getüffelt wird noch an einer technischen Lösung für eine Luke, damit man nach Ladenschluss noch bestellte Ware abholen kann. Auch Senioren werden wie gewohnt auf Wunsch beliefert. Vor allem für diesen Service kann man sich auch ehrenamtlich einbringen oder etwa bei Warenlieferungen mitanpacken. Auch beim Umbau und bei der Einrichtung sind helfende Hände gefragt.

Gewürdigt wird das Engagement der Hagener auch mit einem hohen Besuch bei der offiziellen Eröffnungsfeier am 21. September, für die NRW-Heimatministerin Ina Scharrenbach zugesagt hat. 

Weitere Informationen gibt es hier. Hier kann man auch Kontakt aufnehmen, wenn man noch stiller Gesellschafter werden möchte.

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