Politische Rahmenbedingungen sorgen für Unmut 

Ernte schwächelt erneut: So fällt die Bilanz der Sauerländer Landwirte aus

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Der Mais hat mancherorts wegen der Trockenheit keine Kolben ausgebildet.

Sundern/Hochsauerland - „Nach zwei schwierigen Jahren fällt es schwer, Danke zu sagen“, sagte Josef Schreiber, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland, bei der Erntedankpressekonferenz auf dem Hof der Familie Greitemann in Sundern-Seidfeld. Mehr noch aber sorgen die politischen Rahmenbedingungen derzeit für eine aufgeregte Stimmung in der Landwirtschaft.

Die Ernten fielen – zwar jeweils mit regionalen Unterschieden – bei vielen Sorten unterdurchschnittlich aus – eine Ausnahme ist das Getreide. Die Erträge beim Gemüse sowie beim Viehfutter blieben jedoch hinter den Hoffnungen zurück.

„Wir haben ein Futterloch, das wir so schnell nicht wegkriegen“, benannte Schreiber eines der Probleme. Während der erste und zweite Schnitt des Grases im Mai und Juni den Viehwirten allerbeste Qualität und sehr gute Mengenerträge beschert hatten, beendete der folgende Wassermangel den aufkeimenden Optimismus abrupt. Beim Heu sei dasselbe passiert. In vielen rinderhaltenden Betrieben fehlt jetzt das Grundfutter. „Aus dem Trockenjahr 2018 waren keine Vorräte übrig geblieben. Jetzt muss Grundfutter teuer zugekauft werden“, so Schreiber. 

Teils minderwertige Qualität beim Silomais

Der Silomais sollte die Rettung bringen. „Einen Schnaps besser als im letzten Jahr“ fiel die Ernte bei Josef Schreiber in Medebach aus, bei Moritz Hennecke, Vorsitzender des Landwirtschaftlichen Ortsverbandes Sundern, war das Ergebnis schwächer als im Vorjahr. Besonders beim Kolbenansatz habe das Wasser gefehlt, erklärte Johannes Greitemann die teils minderwertigere Qualität. Mehr Ausschussware als sonst wird beim Gemüse beklagt, vieles sei unterentwickelt, einige Obst- und Gemüsesorten seien regelrecht verbrannt. Hoffnungen legt man auf die Kohl- und Kürbiszeit. 

Größte Schäden sind im Wald

Mit Sorge blicken die Landwirte derweil auf die Zukunft des Rapses. Deutschlandweit gehe der Anbau – aus mehreren Gründen – zurück. „Das kann drastisch wenig werden“, warnte Barbara Kruse, WLV-Öffentlichkeitsarbeit. Auch wenn der Rapsanbau im Hochsauerland keine Hochkonjunktur hat, ist Raps in der Viehwirtschaft als Eiweißträger ein wichtiger Bestandteil. Ohne diesen Rohstoff im Viehfutter werde es schwierig, weiter gentechnikfreie Milch auf den Markt zu bringen, erklärte der Seidfelder Milchviehwirt Franz Greitemann. „Die größte Katastrophe spielt sich aber im Wald ab“, sagte Schreiber mit Blick auf das Fichtensterben. Die Löcher bescheren den „Wald-Bauern“, die ihre Einkünfte durch die Forstwirtschaft – nicht zuletzt auch für ihre Rente – aufstocken, einen Ertragsausfall für mindestens eine Generation. Mehr als 70 Prozent der NRW-Waldfläche befinden sich in Privatbesitz, machte Schreiber die Dimension deutlich. 

Durchhaltevermögen gefragt: Familie Greitemann aus Sundern-Seidfeld (links) und Vertreter des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Hochsauerland zogen Bilanz über das Erntejahr 2019.

Besser sieht der Blick in die Getreidescheunen aus. „Die Ernte hat fast auf allen Standorten gepasst“, berichtet Markus Stratmann, Sprecher des Öffentlichkeitsausschusses im Kreisverband, von zufriedenstellenden Erträgen und guter Qualität. Auch Stroh sei gut einzufahren gewesen. Das war indes nicht überall so: Landesweit habe die Ernte unterhalb des langjährigen Durchschnitts gelegen. 

"Was geschieht mit unserem Klima"

Jetzt gilt es, sich für die Zukunft besser aufzustellen. Die größte Ungewissheit für die Bauern: „Was geschieht mit unserem Klima“, schilderte Schreiber. „Wir merken, dass sich das verändert im Sauerland.“ Jetzt heißt es, Strategien zu überlegen, damit man von den Witterungsbedingungen unabhängiger wird. Beispielsweise den Humusgehalt auf den Böden erhöhen, mehr Grundfutter anbauen, mehr mit trockenresistenteren Pflanzen arbeiten, noch schlagkräftiger werden und im richtigen Moment Silo zu machen, probieren, die Vielfalt zu erhöhen, nannten Schreiber und Stratmann einige Lösungsansätze und Vorschläge. 

Mit blauem Auge davon gekommen

Trotz aller Herausforderungen sagt man beim Kreisverband aber auch: „Man muss nicht alles schwarz sehen“, so Stratmann. Insgesamt sei man noch mit einem blauen Auge davongekommen. „Wir haben es alle überstanden“, sagt Josef Schreiber über das Erntejahr 2019 und das zweite Trockenjahr in Folge. „Es sind die politischen Konstellationen, die mehr Ärger machen.“ Durch Diskussionen um beispielsweise die Düngeverordnung, Pflanzenschutzverbote und das Nitratproblem stünde die Landwirtschaft völlig zu Unrecht immer wieder als Erste am Pranger. „Wir haben im Hochsauerland kein Nitratproblem“, betonten die heimischen Bauern. Ein einziger kleiner roter Fleck befinde sich bei Marsberg. „Wir haben das Problem nicht verursacht, werden aber dafür verantwortlich gemacht“, kritisierte Josef Schreiber, der von einer „grünen Insel“ im Sauerland sprach. „Es sind immer die Bauern gewesen.“ Dabei sei das Nitratproblem bei Kläranlagen weitaus schlimmer. 

"Wir wollen Silos bauen und keine Atomanlagen"

Als abträglich empfinden die heimischen Landwirte auch die immer wieder neuen Auflagen und Verordnungen. „Man kommt bald gar nicht mehr mit. Das führt zu Panik und schlechter Laune im Moment“, weiß auch Barbara Kruse zu berichten. Beispielsweise seien die Auflagen und damit die Kosten für den Neubau eines Silos derart gestiegen, dass manche Familienbetriebe aufhören. „Wir wollen Silos bauen und keine Atomanlagen“, findet Josef Schreiber deutliche Worte für die oft als überzogen empfundenen Anforderungen. 

Mehr denn je seien in der Landwirtschaft auch künftig Flexibilität, Mut und Durchhaltevermögen gefragt, um neuerlichen Anforderungen und Wetterextremen zu trotzen, fassten die Vertreter des Kreisverbandes zusammen. „Hoffentlich kommt nicht noch ein drittes trockenes Jahr“, sagt Schreiber.

Weitere Informationen:www.landwirtschaftskammer.de/wir/zahlen/index.htm

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