„Es ist noch Luft nach oben“

Fairtrade in Sundern hat Entwicklungsmöglichkeiten

Ein Fairtrade-Schild macht bereits am Ortseingang von Hagen die „Einreisenden“ darauf aufmerksam, dass in Sundern Fairtrade groß geschrieben wird. Ihm sollen weitere folgen, doch scheitert es bisher an geeigneten Aufstellungsflächen.

Sundern - Fairer Handel ist bundesweit gerade vermehrt in vieler Munde. Gestern startete die Faire Woche 2019, eine vom Forum Fairer Handel organisierte Aktionswoche. Bis zum 27. September möchte man mit mehr als 2000 Veranstaltungen in Deutschland auf den fairen Handel aufmerksam machen und diesen fördern. Auch wenn in der Fairtade-Stadt Sundern keine Aktion geplant ist, ist das Thema dennoch hochaktuell.

Man befindet sich hier gerade im Rezertifizierungsprozess um den Titel „Fairtrade-Stadt“. Die Antragsformulare sollen in diesen Tagen verschickt werden. Spätestens Ende Oktober rechnet man mit einer positiven Antwort „Wir haben die Kriterien mit Sicherheit erfüllt“, zeigt sich Klaus Plümper, Sprecher der Fairtrade-Steuerungsgruppe, zuversichtlich. Vorgeschrieben sei gemessen an der Einwohnerzahl (Sundern: 28.000) eine festgelegte Anzahl an Geschäften, die den Fairtrade-Gedanken unterstützen. „Die Voraussetzungen sind nach wie vor gegeben und teilweise ausgeweitet worden“, so Plümper.

Dennoch sieht er noch Luft nach oben. „Es ist in den vergangenen zwei Jahren gut angelaufen, aber es gibt noch deutliche Entwicklungsmöglichkeiten.“ Nicht zuletzt vor dem Hintergrund, wie viele Restaurants und Cafés es in Sundern zusätzlich gibt. Auch bei privaten und kirchlichen Organisationen sei noch Spielraum vorhanden. Oft würden finanzielle Gründe für eine Absage genannt. Dabei seien inzwischen viele Discounter auf den Zug mit einem umfangreichen Fairtrade-Sortiment aufgesprungen, sodass man auch geldbeutelschonender fair gehandelte Produkte kaufen könne. Wenngleich man natürlich am liebsten Kunden im Weltladen sehen würde, so Plümper, weil die Erlöse dem guten Zweck zugute kommen. Nach den Rezertifizierung wolle man die Suche nach neuen Partnern offensiv angehen. Eine relativ große Aufgabe sei es auch, regelmäßig das Gespräch mit den bestehenden Partnern zu suchen, um immer wieder Anregungen zugeben und die Sache anzukurbeln.

Idee steckt noch in den Kinderschuhen 

Ausweiten möchte man auch den Vorstoß, an den Einfallstraßen Hinweisschilder aufzustellen, die Werbung für Sundern als „Fairtrade-Stadt“ machen, wie beispielsweise eines am Ortseingang von Hagen steht. Genügend Mittel stehen durch Sponsoren durchaus zur Verfügung. Doch es scheitert daran, geeignete Grundstücke zu finden, teils aus verkehrsbedingten, teils aus rechtlichen Gründen. „Es würde uns sehr helfen, wenn sich Leute melden, die einen Quadratmeter Platz haben an einer Einfallstraße wie von Müschede nach Hachen“, appelliert Plümper an Privatpersonen, sich gerne zu melden. Eine weitere kleine „Baustelle“ nimmt sich der Arbeitskreis Weltladen Sundern gerade zur Brust: Man streckt die Fühler aus, um den Sektor „faire Kleidung“ in Sundern zu entwickeln, der sich weltweit gerade von der Nische zum Trend mausert. Bisher spiele Kleidung im Weltladen Sundern – abgesehen von ein paar modischen Geschichten wie Loops und Schals – noch keine große Rolle, die Idee stecke noch in den Kinderschuhen.

Keine Rolle hingegen spielt in Sundern das Jahresthema der bundesweiten Aktionswoche, das die Geschlechtergerechtigkeit in den Fokus rückt. Projekte, die sich aktiv für eine Gleichberechtigung einsetzen, unterstützt man von Sundern aus nicht. „Wir stecken unsere ganze Kraft in die Unterstützung der Aids-Waisenkinder“, benennt Klaus Plümper den Schwerpunkt. Außerdem habe man die Ärzte ohne Grenzen im Jemen-Konflikt unterstützt. Und auch im Arbeitskreis und der Steuerungsgruppe habe man „Geschlechtergerechtigkeit“ bisher nicht thematisiert – in beiden Gruppen seien die Geschlechter pari-pari vertreten.

„FairHandeln für ein gutes Leben“ heißt es indes aber in der Kreis- und Hochschulstadt. In Meschede finden die meisten Aktionen im Umkreis im Rahmen der Fairen Woche statt. Bis Samstag, 28. September, kann man sich bei neun Aktionen mit dem Thema fairer Handel auseinandersetzen. Auch die Verbraucherzentrale in Arnsberg widmet sich anlässlich der Aktionswoche dem Thema.

Welche Siegel beim nachhaltigen Einkauf helfen und was sie genau bedeuten, erklärt Petra Golly, Leiterin der Verbraucherzentrale in Arnsberg, bei ihrer Aktion zur Fairen Woche vom 16. bis 27. September. Ihr liegt besonders auch das Thema fairer Kaffee am Herzen. Zwar habe sich in den vergangenen fünf Jahren der Umsatz mit fair gehandelten Produkten mehr als verdoppelt. Der stärkste Umsatzbringer ist Kaffee. Dennoch sei, gemessen am gesamten Kaffeekonsum in Deutschland, der faire Anteil noch immer gering: „Erst jede zwanzigste Tasse Kaffee, die in Deutschland getrunken wird, stammt aus fairem Handel“, sagt Petra Golly.  Hier geben die Verbraucherschützer NRW viele weitere Tipps und Informationen rund um den fairen Handel. 

Weitere Infos zur Fairen Woche gibt es hier. 

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