Umdenken im Andenken

Festakt erinnert an beeindruckendes Leben Lübkes

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Gedachten dem berühmtesten Sohn der Stadt: Festredner Dr. Thomas Sternberg, Enkhausens Ortsvorsteher Gerhard Hafner, der frühere NRW-Umweltminister Eckhard Uhlenberg, der stellvertretende Landrat Dr. Michael Schult, der Erste Vorsitzende des Vereins zum Gedenken an Heinrich Lübke Stefan Lange, sein Stellvertreter Sebastian Booke, Bürgermeister Ralph Brodel und Tim Hoffmann, Geschäftsführer des Vereins.

Enkhausen. Ein Festakt zu Ehren Heinrich Lübkes anlässlich seines 125. Geburtstages führte am vergangenen Samstag viele Gäste nach Enkhausen. In dem Geburtsort des zweiten Bundespräsidenten von Deutschland ehrte der im Mai neu gegründete „Verein zum Gedenken an Heinrich Lübke“ den wohl berühmtesten Sohn der Stadt.

Vor dem Gottesdienst, zelebriert durch Pastor Stefan Siebert und dem Leiter des katholischen Büros in Düsseldorf, Dr. Antonius Hamers, und dem anschließenden Festakt in der Schützenhalle wurden vier Kränze am Grab des ehemaligen Bundespräsidenten auf Enkhausens Friedhof niedergelegt. Das Abgeordnetenhaus Berlins hatte einen großen Kranz entsandt ebenso wie der Ministerpräsident des Landes NRW. „In ehrendem Gedenken, die Bürgerinnen und Bürger der Stadt Sundern“ war auf der Schleife des Kranzes seiner Heimatstadt zu lesen.

„Wir wollen das Gedenken an Heinrich Lübke, den zweiten Bundespräsidenten aufrechterhalten, ohne einen politischen Bezug“, sagte Stefan Lange, Erster Vorsitzender des neuen Vereins, zu Beginn des Festaktes. Lange betonte: „Lübke war durch und durch Politiker, aber immer auch Mensch“. Sunderns Bürgermeister Ralph Brodel, der stellvertretende Landrat Dr. Michael Schult sowie der frühere NRW-Umweltminister und heutige  Präsident der NRW-Stiftung, Eckhard Uhlenberg, schlossen sich dieser Aussage in ihren Reden an. Seine Verbundenheit zu seinem Geburtsort und seiner Familie, sein Einsatz für die landwirtschaftlichen Belange ebenso wie seine Hilfe für die dritten Weltländer hätten ihn ausgezeichnet, betonten alle drei.

Enkhausens Ortsvorsteher Gerhard Hafner erinnerte an den Tag, als Heinrich Lübke in das erste Amt der BRD gewählt worden war. „Ohne Handy und Internetplattformen verbreitete sich die Nachricht wie ein Lauffeuer in unserem kleinen Ort“, so Hafner. „Schaumakers (Schumachers) Heini ist Bundespräsident“, hätten die Enkhauser stolz verkündet und die Glocken der Kirche dazu geläutet. Anschließend las Hafner das Grußwort des heutigen Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier vor.

Schaffung des Vereins ist ein erster Schritt 

Festredner Prof. Dr. Thomas Sternberg, Präsident des Zentralkomitees der deutschen Katholiken, fasste Lübkes Leben detailliert zusammen. Beginnend mit seiner Geburt am 14. Oktober 1894, als er als siebtes von acht Kindern des Schusters und Landwirts Friedrich-Wilhelm Lübke und seiner Frau Karoline das Licht der Welt erblickte, zog Sternberg einen weiten Bogen hin zu seinem Tod im April 1972. Es war ein Einblick in ein beeindruckendes Leben, dessen Weg aus der kleinen Ein-Klassen-Schule in Enkhausen über das Abitur in Werl bis zu seinem Amt des Bundespräsidenten führte. Ebenso die Studienjahre in Bonn, den Kriegsdienst im Ersten Weltkrieg und eine 20 Monate lange Verhaftung während der nationalsozialistischen Zeit in den Jahren 1934 bis 1935 und die lange politische Karriere Lübkes ließ Sternberg Revue passieren.

Scharf kritisierte Sternberg den damaligen Umgang mit der ausbrechenden Krankheit Lübkes. Eine beginnende Demenz habe, bei dem ohnehin nicht redegewandten Lübke, häufig zu Versprechern geführt. Der Umgang der Öffentlichkeit mit diesem Problem sei heute undenkbar. Seinem vermeintlichen Ruf als einfachem Mann widerspreche seine am Lebensende 5.000 Bücher umfassende Bibliothek. Das Andenken Lübkes werde sich im Lauf der Zeit von Diffamierungen und Bösartigkeiten lösen und ihn als einen der bedeutendsten Bundespräsidenten erkennen lassen, so Sternberg. Die Schaffung des Vereins zum Gedenken an Heinrich Lübke sei ein erster Schritt dorthin.

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