Zuhause für "Wasserpolizisten"

Flusskrebse leben jetzt in "Junkern Wiese" in Altenhellefeld

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So sehen die neuen „Wasserpolizisten“ der Teichanlage in Altenhellefeld aus.

Altenhellefeld. Seit nunmehr 40 Jahren bietet die naturnahe und idyllisch gelegene Freizeitanlage „Junkern Wiese“ in Altenhellefeld den Einwohnern und Gästen eine attraktive Naherholung. Als bedeutsame Artenschutzmaßnahme wird nun die großzügige Teichanlage durch die Landesfischereianstalt Kirchhundem-Albaum in enger Zusammenarbeit mit dem Baubetriebshof der Stadt Sundern schrittweise mit verschiedenen, heimischen Krebs- und Fischarten besetzt. Als erste Maßnahme fanden in dieser Woche mehrere Dutzend Edelkrebse als „Wasserpolizisten“ in Altenhellefeld ein neues Zuhause.

„Astacus astacus“ heißen die neuen Bewohner der Teichanlage, die für das biologische Gleichgewicht und zur Stabilisierung der Gewässergüte eingesetzt wurden. Dieser Europäische Flusskrebs, auch Edelkrebs genannt, ist der größte unter den in Europa heimischen Krebsen. Er wird 15 bis 20 Jahre alt, bis zu 20 Zentimeter groß (von Kopf- bis Schwanzspitze) und gehört zu den bedrohten Krebsarten. 

„Das ist der erste notwendige Schritt, um nun nach und nach mit der Besetzung von leider ebenfalls selten gewordenen Fischarten wie Moderlieschen, Karauschen und Rotfedern beginnen zu können. Diese drei bis fünf Jahre alten und geschlechtsreifen Krebse aus unseren Zuchtteichen fungieren ab nun als Aufräumdienst und halten übermäßigen Algenwuchs in Schach“, erklärte Gerhard Feldhaus, Biologisch-Technischer Angestellter beim Landesamt für Natur, Umwelt und Verbraucherschutz (LANUV) in der Fischökologie in Kirchhundem-Albaum. Jetzt im Herbst würden sie sich paaren und etwa im Juni nächsten Jahres schlüpfe dann der Nachwuchs. 

In Zukunft sollen sich die verschiedensten Arten von Flora und Fauna miteinander ergänzen. „Doch das muss alles langsam wachsen. Im nächsten Jahr werden wir die Entwicklung beobachten und dann voraussichtlich ein bis zwei neue Fischarten aussetzen“, erläuterte Feldhaus, bevor er die neuen „Bewohner“ Altenhellefelds behutsam aus zwei Plastikeimern ins kühle Nass beförderte. 

Die Idee für diese Artenschutzmaßnahme sei schon vor rund fünf Jahren entstanden, als der Teich notwendigerweise ausgebaggert wurde, sagte Willi Vogt, ehemaliger Ortsvorsteher von Altenhellefeld: „Der Arbeitskreis Dorfgemeinschaft unseres 430-Einwohner-Ortes gab den Anreiz, die ‘Junkern Wiese’ natürlicher und naturbelassener zu gestalten und die ökologische Funktion der Anlage mit Teich in den Vordergrund zu rücken. Seitdem stehen wir in enger Verbindung und Absprache mit dem Baubetriebshof der Stadt.“ 

"Teich und Zufluss sauber halten" 

Ziel sei es, auf Dauer ein artenreiches Biotop zu erschaffen und zugleich die Möglichkeit zur naturnahen und idyllischen Erholung vor Ort zu bewahren. Damit dieses gelinge, gebe es aber einige Voraussetzungen zu erfüllen, betonte der Biologe und Fischexperte Feldhaus: „Wichtig ist, dass Teich sowie Wasserzufluss sauber gehalten werden und nur einheimische Pflanzen und Tiere zum Einsatz kommen. Die Ufer sollten nicht zu sehr überwuchern, Raubfische wie Forellen, Aale und Barsche sind zu vermeiden. Schön wäre es, wenn die Teichanlage noch mit schönen Wasserpflanzen, wie etwa der gelb blühenden Teichrose sowie diversen Leichkräutern ergänzt würde.“ 

Auch das Anbringen einer Infotafel mit Hinweisen zur Bedeutung des Artenschutzes und zu den Funktionen der Teichbewohner hält Feldhaus für sinnvoll. Besonders wichtig sei auch, dass eine Fütterung der Fische und Enten unterlassen wird. „Das ist nicht gut für das biologische Gleichgewicht. Darüber sollten die Erholungssuchenden und Dorfbewohner informiert werden. Da heißt es jetzt, immer mal ein Auge darauf zu werfen“, meinte Feldhaus. 

Altenhellefelds Ortsvorsteher Udo Hoffmann ging indes auch auf das Bauvorhaben der neuen Brücke ein, die in naher Zukunft die mittlerweile entfernte, marode gewordene alte Holzbrücke über den Teich ersetzen soll: „Die Statik der sechs Meter langen Stahlbrücke, die wir noch frei mit Holzelementen gestalten können, ist da. Die Errichtung und Finanzierung erfolgt ausschließlich in Eigenleistung.“

Willi Vogt, Michael Riediger und Udo Hoffmann beobachten, wie Gerhard Feldhaus (v. r.) die Europäischen Flusskrebse im Teich freilässt.

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