Frauchen muss draußen bleiben

Kleintierpraxis in Sundern setzt auf neue Maßnahmen in der Coronakrise

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Behandlung mal anders: Frauchen Elisabeth Püttner muss sich draußen am geöffneten Fenster anschauen, wie Tierärztin Dr. Christiane Klemt Hündin Emmas Pfote behandelt.

Sundern – Hündin Emma steht in der Kleintierpraxis in Sundern auf dem Behandlungstisch. Sie lässt die Behandlung durch Dr. Christiane Klemt geduldig über sich ergehen. Die rechte Vorderpfote der Terrier-Dame war über Wochen entzündet, heute sieht die Pfote endlich wieder gut aus und Emma darf die Praxis ohne Verband verlassen. Es ist einer von vielen Besuchen, die Emmas Besitzerin Elisabeth Pütter aus Balve mit ihrer Hündin in der Tierarztpraxis in den letzten Wochen bestreiten musste. Doch etwas ist diesmal anders: Elisabeth Pütter steht nicht am Behandlungstisch, neben ihrer Hündin. Sie steht draußen vor dem ebenerdigen Fenster der Tierarztpraxis und Tierärztin Dr. Christiane Klemt bespricht alles Notwendige durch das offenstehende Fenster, in sicherem Abstand. Die Gefahr um das Corona-Virus hat auch Konsequenzen im Alltag einer Kleintierpraxis.

Der Betrieb in der Gemeinschaftspraxis von Dr. Dorothe Nadol-Liedhegener und Dr. Christiane Klemt läuft auch jetzt, während der Corona-Krise weiter. Nur eben etwas anders als üblich. „Wir behandeln die Tiere im Moment nur noch nach Termin. Die offene Sprechstunde, bei der mehrere Personen mit ihrem Tier im Wartezimmer sitzen, kann nicht stattfinden“, erklärt Dr. Christiane Klemt.

Damit nicht zu viel Nähe von Mensch zu Mensch während der Behandlung von Hund, Katze oder Kaninchen stattfindet, bleiben Herrchen und Frauchen momentan draußen. Die Tiere werden direkt am Auto oder vor der Tür der Praxis von der Tierärztin in Empfang genommen, am offenen Fenster wird dann zwischen Halter und Tierärztin das nötige besprochen. 

„Zu Beginn haben wir die Tierhalter noch mit in den Behandlungsraum gelassen und um den nötigen Abstand gebeten. Wir mussten aber feststellen, dass bei einem Mauzen der Katze oder Fiepen des Hundes der Reflex des Halters seinem Tier beizustehen zu groß war und der Mindestabstand nicht eingehalten wurde“, erklärt Dr. Klemt. Daher habe man nun die Maßnahme ergriffen, am offenen Fenster zu kommunizieren und somit den nötigen Abstand zu gewährleisten. „Das funktioniert sehr gut, jeder zeigt sich da rücksichtsvoll und wir möchten den Besitzern unserer Patienten einmal Danke sagen.“, erklärt die Veterinärin im Namen des gesamten Praxisteams.

Zweischichtbetrieb eingeführt

Um das Risiko einer Verbreitung des Coronavirus vorzubeugen und eine krankheitsbedingte vorübergehenden Schließung so gering wie möglich zu halten, wird in der Gemeinschaftspraxis zurzeit im Zweischichtbetrieb gearbeitet. Jede der beiden Tierärztinnen arbeitet immer mit dem gleichen Tiermedizinischen Fachangestellten zusammen.

An der Anmeldung ist die Mitarbeiterin durch eine Plexiglasscheibe geschützt. „Nach jedem Besucher werden Türklinken und Arbeitsflächen desinfiziert und sogar das Tastenfeld des Zahlgeräts für EC-Karten wird ständig neu mit Frischhaltefolie abgedeckt, versichert Dr. Christiane Klemt.

„Noch sind wir Tierärzte vom Bundeskabinett nicht in den Bereich der systemrelevanten Berufe eingestuft worden“, weiß die Tierärztin, die neben ihrer Arbeit in der eigenen Praxis auch Vorsitzende der Kreisstelle HSK der Tierärztekammer Westfalen-Lippe ist. Die Tierärztekammer habe aber darauf hingewiesen, dass die Ausübung ihrer Arbeit aus Tierschutzsicht zwingend erforderlich sei. Bisher würden, nach ihrer Kenntnis, alle Tierarztpraxen im Kammerbezirk arbeiten. Die Tierärztekammer habe einen Newsletter herausgebracht mit entsprechenden Schutzmaßnahmen gegen die Verbreitung des Corona-Virus, an denen sie und alle anderen Tierarztpraxen sich orientieren könnten.

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