Stiller Protest auf den Feldern

„Grüne Kreuze“ auf Feldern: Stiller Protest von Landwirten

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Die Bauern nennen die Aktion mit den grünen Kreuzen einen „stillen Protest“.

Arnsberg/Sundern – Manch einem wird es schon mal aufgefallen sein: Ein schlichtes grünes Holzkreuz mitten auf einem landwirtschaftlich genutzten Feld, zum Beispiel bei Westenfeld, oder zwischen Reigern und Müschede. Heimische Landwirte beteiligen sich damit am überregionalen „stillen Protest“ gegen die Agrarpolitik.

So wie Hendrik Schulte-Weber aus Müschede, der für sein „Grünes Kreuz“ extra seine Ackerfläche an der B229 ausgewählt hat – eine Fläche, an der täglich viele Menschen vorbeifahren. „Wir wollen, dass die Leute nachdenken und wachgerüttelt werden“, erklärt der Müscheder Landwirt. Er hofft, dass die Kreuze bundesweit nicht nur Blicke von Verbrauchern, sondern auch von Mitarbeitern der Behörden und besonders von Vertretern aus der Einzelhandelsbranche auf sich ziehen. Denn bundesweit sollen die „Grünen Kreuze“ als Mahnung an die Gesellschaft verstanden werden, sich dem Wert der heimischen Landwirtschaft bewusst zu werden, heißt es in der „Pressenotiz-grüne-Kreuze“. Wegen überbordender Vorschriften fürchten Bauern um ihre Zukunft, so die Agrarblogger. Die Kreuze zeigen: „Die Bauern sterben leise.“

Reaktionen auf sein Kreuz, das Hendrik Schulte-Weber im Oktober aufstellte, gab es schon viele. „Rund 60 Prozent der Leute haben Verständnis und finden es gut, dass die Landwirte auf die Straße gehen. Die anderen verstehen es leider nicht. Sie sind dann beispielsweise der Meinung, dass die Landwirte es mit dem Pflanzenschutz überziehen. Klar, schwarze Schafe gibt es überall, aber es sind doch nicht 100 Prozent der Landwirte in Deutschland schwarze Schafe. Wir machen schon so viel und die Auflagen sind schon so hoch“, hält er dem entgegen.

Kampagne ist eine Privatinitiative

Normalerweise sind die „Grünen Kreuze“ mit einem Infozettel bestückt. Darauf hat der Müscheder Landwirt verzichtet: „An der Fläche fahren die Leute mit 70 vorbei.“ Aber für Erklärungen und Gespräche ist der Müscheder jederzeit offen. 

Wie Barbara Kruse, Öffentlichkeitsarbeit beim Westfälisch-Lippischen Landwirtschaftsverband Kreisverband Hochsauerland (WLV), erklärt, basiert die Kampagne auf einer Privatinitiative, die im Herbst 2019 über Facebook an Fahrt aufnahm. Die Landesbauernverbände sprachen sich bei einer DBV-Besprechung gegen eine aktive Unterstützung der Aktion aus, mit Ausnahme des Bayerischen Bauernverbandes. Ihre Zurückhaltung begründeten sie mit zwei Argumenten: „Ein christliches Symbol sollte nicht für berufsständische Kampagnen benutzt werden. Grüne Kreuze sind nicht selbsterklärend. ihre Positionierung auf Feldern könnte leicht missverstanden werden“, formulierten die Verbände in einem internen Rundschreiben. 

Bauernprotest ist vielschichtig

„Wir rufen nicht offiziell dazu auf Kreuze aufzustellen. Aber wir sehen in der Aktion den Ausdruck der Verzweiflung in der Landwirtschaft“, sagt Kruse. Unabhängig, was man von ihr halte, würde die Aktion Aufmerksamkeit erregen. Sie sei jedoch nur eine Form des vielschichtigen Bauernprotestes, betont Kruse. Offiziell haben auch die NRW-Bauernverbände ihrem Ärger über das Agrarpaket Luft gemacht – bei einer Demo in Bonn. Eine weitere, organisatorisch unabhängige, Bewegung „Land schafft Verbindung“ entwickelte sich über Social Media – Das Markenzeichen der Landwirte und Akteure der grünen Branche: Traktoren sind bei den Aktionen immer dabei. Und Bauern hätten schließlich ihren Protest im November in einer großen gemeinsamen Treckerdemo in Berlin gipfeln lassen, berichtet Kruse. Mit ersten Erfolgen, wie der Landwirtschaftsgipfel von Angela Merkel und Julia Klöckner gezeigt habe.

„Das Signal ist da. Politik hat angefangen zuzuhören“, freut sich Kruse. Gleiches beobachtet sie im heimischen Raum: „Die Abgeordneten laden in ihren Wahlkreisen vermehrt Landwirte ein, um zu hören, was eigentlich los ist.“ Und weiter: „Das war nötig, dass man von der Basis aufsteht. Sonst hätten wir kein Gespräch bei der Kanzlerin bekommen“, sagt Barbara Kruse zu den Bauernprotesten, bei denen die Landwirte ihre Zukunftsängste vor Augen führen. „Die Bauern müssen investieren, um die neuen Auflagen zu erfüllen, ohne dabei einen Mehrgewinn zu erwirtschaften“, sagt sie über die Angst der Bauern, ihre Grundlagen zu verlieren. „Die Bereitschaft zur Veränderung ist sehr sehr groß. Aber die Bauern mahnen an, dass sie Zeit brauchen und Unterstützung, um das zu bezahlen.“

Öffentlichkeitsarbeit für Landwirte wichtig

Da die Aktion „Grüne Kreuze“ auf Privatinitiativen der Landwirte beruht, liegen dem WLV-Stadtverband Sundern keine Zahlen vor, wie viele Landwirte sich im Stadtgebiet an der Aktion beteiligen, erklärt Robert Gördes, der dort für die Öffentlichkeitsarbeit verantwortlich ist. Als Privatmann steht er der Aktion grundsätzlich positiv gegenüber. „Das weckt Interesse und regt Diskussionen an und das ist das, was wir ja wollen. Wir wollen diskutieren und nicht immer nur den gehobenen Zeigefinger sehen.“

Öffentlichkeitsarbeit sei für die Landwirte enorm wichtig, betont Gördes. So lade man beispielsweise auch Lehrkräfte der Schulen in die Betriebe ein, um zu zeigen, wie man wirtschafte. „Wir müssen erklären, was wir tun“, sagt das Sunderner Verbandsmitglied über die Strategie der Landwirte.

Darüber hinaus nutze er als Privatmann jede Chance, mit der Politik ins Gespräch zu kommen. Jüngst am vergangenen Mittwoch in Brilon bei der Diskussionsrunde der CDU/CSU-Bundestagsfraktion unter dem Motto „Treffpunkt Fraktion – Mehr Wertschätzung für unsere Landwirte“  „Mir persönlich ist es sehr wichtig, auf die Situation im Sauerland aufmerksam zu machen“, betont Gördes, der bereits erste Erfolge erkennt. „Dass man sich in offenen Diskussionen befindet, da haben wir schon viel gewonnen. Wichtig ist, dass wir weiter einen offenen Austausch auf Augenhöhe pflegen, um gerecht und fair behandelt und nicht mit Bürokratie über Gebühr belastet zu werden.“

Ausblick

 Der WLV-Stadtverband Sundern lädt seine Mitglieder für den 30. März zu einer Diskussionsrunde mit Albert Stegemann, MdB und agrarpolitischer Sprecher der CDU/CSU-Fraktion im Bundestag, ein. Hier wollen die Landwirte auf ihre Sorgen aufmerksam machen.

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