1. SauerlandKurier
  2. HSK
  3. Sundern

„Wir haben schon viel erreicht“: Bürgerinitiative Doll stellt erste Erfolge vor

Erstellt:

Von: Andre Geißler

Kommentare

Weiterhin keine verträgliche Lösung in Sicht: Die Ruine und „Schandfleck“ ehemaliger „Seehof“.
Weiterhin keine verträgliche Lösung in Sicht: Die Ruine und „Schandfleck“ ehemaliger „Seehof“. © André Geißler

Die im März 2020 gegründete Langscheider Bürgerinitiative Doll (Dorfleben Langscheid) stellte jetzt in einer Bürgerversammlung ihre ersten Erfolge vor. Zunächst überwiegend aus Unmut gegenüber einiger umstrittener Bauvorhaben ins Leben gerufen, macht sich die Initiative inzwischen auch dafür stark, ein Ausrufezeichen zu setzen, dass der Sunderner Ortsteil mit seinen rund 3000 Einwohnern viel mehr ist als nur der touristisch attraktive Ort am Sorpesee.

Langscheid –  „Wir haben schon viel erreicht. Da wir aber noch viel mehr bewegen möchten, benötigen wir noch mehr Manpower“, richtete Angelika Feldmann aus dem zehnköpfigen Doll-Team bei der Präsentation der erfolgreichen Arbeit der ersten 18 Monate sowie dem Ausblick auf weitere Vorhaben gleichzeitig auch einen Appell an die rund vierzig teilnehmenden Bürger sowie Vertretern der heimischen Politik.

Man habe sich erfolgreich gegen vermeintlich überdimensionierte und nicht Dorf verträgliche Bauvorhaben einzelner Investoren wehren können. Wie etwa mit dem Erreichen der in Bezug auf Größe und Höhe deutlichen Reduzierung der Baupläne für Wohnhäuser im Bereich Hakenbrink/Bildungszentrum.

Weitere Baupläne im Dorfkern

Ebenso sei es im Bezug auf die Fläche rund um die ehemalige evangelischen Kirche gelungen, zu einer positiven Entwicklung beizutragen: „Es erfreut uns, dass dort erst einmal nicht wie geplant gebaut wird. Toll ist es, dass die ehemalige Kirche nun sinnvoll von der Caritas genutzt wird“, äußerte sich Stefan Feldmann zu weiteren Bauplänen im Dorfkern.

Das Doll-Mitglied lobte dabei auch die Tatsache, dass die Sunderner Stadtverwaltung die Einwände aus der Langscheider Bevölkerung wohlwollend angenommen hätte.

Hauptkriterium zur Gründung einer Initiative

Ein Hauptkriterium zur Gründung einer Initiative und somit größter Stein des Anstoßes waren die Pläne eines Investors, das Areal des ehemaligen Hotels und Gastronomiebetriebes „Seehof“ im Flächen- und Bebauungsplan der Stadt von einer Fläche für touristische Zwecke in ein Wohngebiet umändern lassen zu wollen, um so einige groß dimensionierte Wohnungsgebäude als „Dorfbild zerstörende Spekulationsobjekte“ zu realisieren.

Obwohl der Investor „Sorpesee living“ inzwischen neue Pläne eingereicht hätte, bliebe man bei der festen Überzeugung, dass eine Änderung des Flächennutzungsplans nicht in Frage kommt: „Hier gehört ganz klar Tourismus hin! Ein Witz für uns war die Behauptung des Investors, die Fläche sei für den touristischen Bereich finanziell nicht mehr zukunftsfähig. Dieser hat seinen Antrag mittlerweile wieder zurückgezogen. Das ist ein schöner Erfolg“, so Feldmann. Was allerdings auch bedeute, dass die Seehof-Ruine in direktem Sichtbereich der attraktiven Seepromenade wohl noch eine weitere lange Zeit als optischer Schandfleck vor sich hin verfallen werde, bis eine verträgliche Lösung umgesetzt sei. Trotz zeitweiser, drastischer Kommunikations-Schwierigkeiten durch die Pandemie sei man in den letzten Monaten weit vorangekommen und sich dabei einig geworden, dass man mit Doll noch viel mehr erreichen könne.

Langscheid ist mehr als „nur“ ein Tourismusort

So wolle man in Zukunft den Fokus verstärkt darauf richten und an die Öffentlichkeit tragen, dass Langscheid mit seinen zahlreichen und vielseitigen Vereinen, Institutionen, Geschäften und Sehenswertem viel mehr darstelle, als „nur“ ein beliebter Tourismusort.

Wie sieht Langscheid in zehn, zwanzig Jahren aus?: „Erstaunlich war die Äußerung aus dem Rathaus, es gebe seitens der Stadtverwaltung kein Konzept, keine Vision, kein Weg, wohin sich unser Dorf in Zukunft ausrichten soll“, so Silke Bucholski aus dem Doll-Team: „Das gibt uns die spannende Möglichkeit, das Heft selbst in die Hand und einen starken Einfluss auf die Entwicklung zu nehmen.“

Kräfte und das Engagement aller besser bündeln

Daraus sei die Idee gewachsen, mit einer neu gebildeten Plattform die Kräfte und das Engagement aller besser zu bündeln, die Ideen, Wünsche, Bedürfnisse und Sorgen der Bevölkerung zu ermitteln und mit diesen Erkenntnissen mehr Bewegung in ein „derzeit leicht schwächelndes“ Dorfleben „oben im Ort“ zu bringen.

Dabei soll vor allem die jüngere Generation mit einbezogen werden. Als wichtigstes Medium sieht die Initiative dabei die neu erstelle Website, die dieses ab sofort nach außen besser repräsentieren und zur erfolgreichen Entwicklung beitragen soll: „Wir haben auch abseits des Sorpesees viel zu bieten und brauchen uns als intaktes Dorf nicht verstecken. Es geht um unsere Zukunft. Daher soll die Homepage im besonderen Maße auch junge Menschen ansprechen“, erklärte Bucholski.

Fördersumme von 6.000 Euro

Auch zur Unterhaltung und Pflege des Internetauftritts könne man erfreulicherweise auf eine Fördersumme von 6.000 Euro zurückgreifen. Im Dorf verteilte „Wunschzettel“, Online-Fragebogen, Bildung von Arbeitsgruppen ab Dezember diesen Jahres: Kurzfristiges Ziel sei eine große Meinungsumfrage, dessen Auswertung in eine extern von Fachleuten moderierte Dorfkonferenz am 12. Februar 2022 einfließen und somit zum Zusammenbringen des Dorfes in all seinen Facetten beitragen sowie die Perspektiven für jung und alt aufzeigen soll. Sunderns neue Beigeordnete, Jacqueline Bila, lobte zum Abschluss der Veranstaltung die Arbeit von Doll: „Ihr leistet ein tolles Engagement im Interesse der Bevölkerung.“

Weitere Informationen

Die neue Homepage mit zahlreichen Infos zum Dorfgeschehen und Veranstaltungen ist unter der Domain www.langscheid.info seit dem 1. Oktober an den Start gegangen und soll nach und nach verfeinert und erweitert werden. Über „Kontakt“ kann sich der Nutzer dann vor allem auch mit Ideen, Wünschen und Meinungen einbringen. Darüber hinaus freut sich Doll auf weitere Helfer und Unterstützer, die ihre Hilfe auch über das Kontaktformular anbieten können. 

Auch interessant

Kommentare