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"Letzter Aufruf: Berlin-Tempelhof"

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Stefan Laufmöller landete mit seinem Ultraleichtflieger auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof.
Stefan Laufmöller landete mit seinem Ultraleichtflieger auf dem Flughafen Berlin-Tempelhof.

Der traditionsreiche — vor allem durch die Luftbrücke zu Zeiten der Blockade Berlins bekannt gewordene — Flughafen Berlin-Tempelhof ist am 30. Oktober für immer geschlossen worden. Der Stockumer Fluglehrer Stefan Laufmöller nahm dies jetzt zum Anlass, mit dem Ultraleichtflugzeug des Luftsportvereins Sundern vom Flugplatz in Küntrop aus direkt zur deutschen Hauptstadt zu fliegen. Hier sein Bericht:

"Einmal in Tempelhof — der ,Mutter aller Flughäfen' — zu landen, ist für einen Flieger etwa so, wie für einen Briefmarkensammler die Blaue Mauritius zu besitzen. Deshalb reifte bereits früh nach Bekanntwerden des Schließungstermins der Plan, direkt vom Sauerland bis nach Berlin zu fliegen. Nicht etwa mit den üblichen Fortbewegungsmitteln der Privatpiloten wie Cessna oder Piper — nein, es sollte schon das vereinseigene Ultraleichtflugzeug vom Typ ,C-42b' sein.

Am Freitag, 24. Oktober, um kurz nach 14 Uhr ging es in die Luft. Eine Stunde später, etwa auf halber Strecke, taucht der über 1100 Meter hohe Brocken im Dunst auf. Kurz danach wird die ehemalige deutsch-deutsche Grenze überflogen. Der starke Südwestwind beschleunigt die Maschine auf knapp 220 Stundenkilometer über Grund. Im Funkverkehr mit ,Bremen Fluginformation' ist bereits zu erkennen, dass viele Flugzeuge unterwegs nach Berlin sind.

Viele Flugzeuge waren untewegs

Fünf Minuten vor Erreichen des ersten Meldepunktes W1 ,Whiskey 1' kam dann der Erstanruf: ,Tempelhof Turm von Delta Mike Mike Papa Yankee, ein Ultraleicht Charlie Vier Zwo, VFR von Werdohl-Küntrop, fünf Minuten vor Whiskey 1 in 2400 Fuß, mit Information Uniform, zur Landung.' Die Towerlotsin antwortete nur kurz und knapp: ,Melden Sie Whiskey 1.' Mehr ist auch kaum möglich, da im Funkverkehr rund um Berlin die Hölle los ist und man kaum dazwischen kam.

In der Luft wimmelte es von kleineren und größeren Flugzeugen. Inzwischen war das beeindruckende Gelände des Flughafens Tempelhof mitten im Berliner Häusermeer aufgetaucht.

Das mit 1200 Metern längste zusammenhängende Gebäude Europas, von den Berlinern ,Kleiderbügel' genannt, umspannt bogenförmig das Vorfeld. Im Hintergrund war der Fernsehturm am Alexanderplatz zu sehen. Wie an einer Perlenschnur aufgezogen, waren die auf die beiden Pisten anfliegenden Flugzeuge zu erkennen. Dann kam die erwartete Freigabe: ,D-MMPY, Wind aus 240 Grad mit zehn Knoten, Piste 27 links, Landung frei, lange Landung.' Wir drehten ein, genossen den tollen Anblick der voll beleuchteten Landebahn. Nach dem Verlassen der Piste erwartete uns schon das Follow-Me-Fahrzeug, das uns durch das Labyrinth der auf dem Vorfeld abgestellten Flugzeuge — von der Cessna bis zum 4-strahligen Jet der Brussels Airlines, nur Ultraleichtflugzeuge waren nicht zu sehen — führte.

Kaum hatten wir unsere Abstellposition erreicht, rollte die Douglas DC-3, der legendäre Rosinenbomber, an uns vorbei. Bis zur Schließung von Tempelhof war er noch mit Rundflügen über Berlin ausgebucht. Der Weg führt uns durch eine Flotte von Privatjets, mit denen sich Geschäftsleute und Promis durch Europa fliegen lassen. Eine völlig andere Welt als die Linienfliegerei oder gar unser Ultraleichtflugzeug.

Genau zwei Stunden und zwölf Minuten hat der Flug von Küntrop nach Berlin gedauert — mit dem Auto oder der Bahn wohl kaum zu schaffen. Nach einer ausführlichen Besichtigung des historischen Flughafengebäudes ging es am nächsten Tag zurück ins Sauerland.

Schlechte Sicht und Flug über Wolken

Leider waren die Mindestsichtbedingungen für die Kontrollzone nicht vorhanden, so dass der für diesen Tag angekündigte ,Candy Bomber Memorial Flight', ein Gedenkflug mit über 100 Flugzeugen, nur sehr eingeschränkt stattfand. Auch wir konnten nur mit einer Sondergenehmigung, einer Special-VFR-Freigabe, starten. Später entschlossen wir uns, durch eine Lücke in der Bewölkung ,on top' zu gehen, das heißt, über die Wolken zu fliegen. Gute zweieinhalb Stunden flogen wir in gleißendem Sonnenlicht über ein weißes Wolkenmeer. Über dem Sorpesee konnten wir durch eine Wolkendecke wieder absteigen und nach einer Runde über Stockum wohlbehalten in Küntrop landen."

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