Aufklärungsarbeit mit viel Herzblut

Domizil für heimatlose Meerschweinchen: Sauerländerin richtet Notstation ein 

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Simpel und kostengünstig: Mit einem Stecksystem für Schuhregale haben Marion Rocholl und ihr Mann Gehege für Meerschweinchen als Alternative zur Käfighaltung gebaut.

Langscheid - Acht Meerschweinchen in einer Tüte an einem Einkaufswagen ausgesetzt oder auch „Meerlie“, die in übermäßig verdreckten Käfigen, nicht artgerecht oder mit unpassendem Inventar gehalten werden – „Das muss nicht sein“, sagt Marion Rocholl und richtete eine Notstation und Pflegestelle für Meerschweinchen ein und leistet mit ebenso viel Herzblut Aufklärungsarbeit.

Die Langscheiderin, von Menden an den Sorpesee gezogen, hat seit dem Sommer zwölf Tiere vermittelt. Elf weiteren Vermittlungstieren bietet sie derzeit ein Domizil. „Der Bedarf ist groß, wenn die Leute wissen, dass es eine Notstation gibt“, sagt die 32-Jährige, die seit fünf Jahren selbst Meerschweinchen hält, aber nicht züchtet. In sozialen Medien und bei e-Bay-Kleinanzeigen stößt sie immer wieder auf Notfälle und Notfällchen. „Muss heute noch weg, sonst werden sie Schlangenfutter“ hat sie hier schon gelesen. „Da kriegt man Plack“: Das hat der dreifachen Mutter den Anstoß für ihr neues Hobby gegeben, mit dem sie ihren Beitrag zum Tierschutz leisten möchte. Statt zu spenden, gibt sie ihr Geld für Futter und Tierarztkosten aus.

Über ihre Homepage, Instagram, Facebook und eBay appelliert sie an die Tierhalter, ihre Meerschweinchen nicht auszusetzen, sondern bietet ihnen an, die Tiere bei sich aufzunehmen und weiter in Liebhaberhände zu vermitteln – nachdem sie die Böckchen kastriert und die Weibchen in einer Quarantäne beobachtet hat. Ihr Augenmerk richtet sie über Sundern hinaus bis nach Menden, Hemer, Iserlohn, Hamm, Arnsberg, Meschede. 

Vielfältige Gründe

Die Gründe, warum Meerschweinchen heimatlos werden, sind vielfältig: beispielsweise weil die Besitzer versterben, Allergien die Haltung unmöglich machen, das Tier ein ungeliebtes Weihnachts- oder Geburtstagsgeschenk war, die finanziellen Mittel für die Versorgung eines chronisch kranken Tieres fehlen, weil die Besitzer in den Urlaub fahren oder etwa Kinder das Interesse an dem Tier verloren haben.

„Ich verurteile keinen dafür, dass er sein Meerschweinchen abgibt. Die Gründe sind mir egal. Ich muss nur wissen, ob sie ernsthaft krank sind“, sagt die Mutter in Elternzeit. Allein für die Kastration der Böcke legt sie jeweils 50 Euro hin – wegen guter Konditionen bei einem Tierarzt in Neheim noch vergleichsweise günstig. Bei der Vermittlung der Böckchen nimmt sie daher eine Kastrationsgebühr, für die Weibchen eine Schutzgebühr. „Ich mache dabei keine Gewinne. Das ist eine Null-Nummer“, sagt die gelernte Floristin, die das Futter, Einstreu und medizinische Hilfe privat finanziert. Ein Tier, dem man eine Bügelperle ins Gebiss gesteckt hatte, hatte Marion Rocholl schon in Pflege, aber auch Probleme wie Ballenabzesse durch falsche Haltung kommen vor.

Auch eigene Meerschweinchen hält Marion Rocholl in ihrem Haus in Langscheid.

Daher liegt der Tierliebhaberin auch die Aufklärungsarbeit sehr am Herzen: Kein Meerschweinchen sollte allein sein, ist das Erste, was sie den Menschen mit auf den Weg gibt. Sie warnt aber beispielsweise auch vor willkürlicher Vermehrung, wenn man sich mit der Genetik nicht auskennt. Und Meerschweinchen brauchen genügend Platz – Männchen ein Quadratmeter, Weibchen 0,5 Quadratmeter, appelliert sie unter anderem.

Zur Aufklärungsarbeit würde sie auch in Kindergärten und Grundschulen kommen, bietet Marion Rocholl an, die bedauert, dass Meerschweinchen immer wieder auch zur Bespaßung der Kinder in Kinderzimmerhaltung leben oder durch andere schlechten Haltungsbedingungen leiden müssen. 

Meerschweinchen auch als Leihgabe

Einen weiteren, eher selteneren Service bietet die Sauerländerin an: Bei ihr kann man Leih-Meerschweinchen bekommen: Beispielsweise, wenn ein Meerschweinchen gestorben ist und man dem Hinterbliebenen einen neuen Partner ins Gehege setzen möchte, bis das auch das eigene Meerschweinchen verstirbt. „Sonst ist das ein nicht enden wollender Kreislauf“ sagt Marion Rocholl. Auch wenn sich vermittelte Tiere nicht in Gruppen integrieren lassen, nimmt die Langscheiderin die Meerschweinchen zurück und bietet an, nach einem anderen zu schauen.

Aber auch ihr Platzangebot für heimatlose Meerschweinchen ist begrenzt. Sollte sich bei ihr zeitweise kein Plätzchen finden lassen, kann sie bei der Notstation in Unna anfragen, mit dessen Tierliebhaberin die Sauerländerin in Kontakt steht. „Sie bestärkt mich immer wieder weiterzumachen.“ Um diesen Weg weiterzugehen, freut sich die Langscheiderin aber auch über Hilfe: „Über Sachspenden oder Kastrationspaten freue ich mich immer.“

Wer Meerschweinchen abgeben muss oder einem Tier aus der Notstation ein Zuhause bieten möchte, meldet sich online  bei Marion Rocholl  oder unter  ☎ 01 57/70 65 54 58 oder per WhatsApp. Sie beantwortet auch gerne Fragen rund ums Meerschweinchen.

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