Melodische Klänge überzeugen auch in industrieller Atmosphäre

Sinfonieorchester HSK gab Konzert an ungewöhnlichem Ort: Werkshallen von Tillmann Profil

Sundern. (oli)

Ein Konzert der besonderen Art erlebten die rund 150 Besucher des Sinfoniekonzertes im Rahmen des Musikfestivals in den Werkshallen der Firma Tillmann Profil. Besonders war es aber nicht nur für die Zuhörer, sondern auch für die meisten der 75 Musiker des Sinfonieorchesters der Musikschule des Hochsauerlandkreises, die bis auf die etwa einstündige Probe vor dem Konzert, noch nie in einer solchen Atmosphäre gespielt hatten.Mit William Waltons Konzert für Viola und Orchester hatte der Musikalische Leiter Georg Scheuerlein für den ersten Teil des Konzerts ein zeitgenössisches, modernes Werk ausgewählt. Der Avantgardist Walton hat dieses Stück bereits im Jahr 1928 während der Weltwirtschaftskrise geschrieben. Dem Sunderner Publikum wurde an diesem Abend die überarbeitete Fassung aus dem Jahr 1961 zu Gehör gebracht. Mit kurzen Einspielern, in denen Scheuerlein anfangs die Zusammensetzung der für manche Ohren sicherlich gewöhnungsbedürftigen Komposition erklärte, konnte das Publikum sich aber schnell in das Werk hineinhören, und es danach genießen.

An der Viola überzeugte Heike Schwentker. Die Musikschullehrerin studierte Viola an der Musikhochschule Hannover bei Professor Hatto Beyerle, war Mitglied der Jungen Deutschen Philharmonie und des Europäischen Jugendorchesters und des NDR-Sinfonieorchesters in Hamburg. Auch sie hatte in ihrer Laufbahn noch nie selbst in einer solchen Konzertumgebung gespielt. "Die Akustik ist schon gewöhnungsbedürftig", so Schwentker. "Die Tatsache, dass der Klang eigentlich mehr nach oben anstatt wie in normalen Konzertsälen von vorne gesammelt nach hinten weg geht, erfordert, dass man schon sehr genau aufeinander hören muss." Trotzdem begeisterte das Orchester mit seinem guten Zusammenspiel und einer sicheren Intonation von der sich auch Gastgeber Ferdi Tillmann beeindruckt zeigte: "Es ist doch erstaunlich, welche hervorragenden Leistungen auch Musiker bringen können, die das Musizieren nicht hauptberuflich betreiben." In den vergangenen Wochen hatte Tillmann zwischen den Stapeln von Metallprofilen bereits dafür gesorgt, dass die große Konzertbühne an diesem Abend ihren Platz im Lager- und Versandbereich des Betriebes finden konnte. Im Unternehmen des kulturell sehr engagierten Sunderaners gastierten schon mehrfach renommierte Brass-Ensembles beim Blechbläserfestival "Sauerlandherbst". Zudem setzt er sich als Ortsvorsteher Stockums auch in diesem Jahr wieder für sein Musical-Dorf ein.

Im zweiten Teil des Abends stand mit Beethovens Sinfonie Nr. 7 dann eher klassisch-melodische Musik auf dem Programm, welches mehr auf diejenigen zugeschnitten war, denen die Klänge Waltons zuvor doch nicht so zugesagt hatten.

Nach dem lang anhaltenden Applaus wiederholte das Orchester als Zugabe schließlich den zweiten Satz aus der zuvor gespielten Sinfonie Beethovens, bediente sich dabei aber einer überarbeiteten Fassung des Engländers Karl Jenkins. Im Tango-Takt und mit schmachtenden Geigen ließ Scheuerlein das Allegretto so noch ein zweites Mal erklingen, und erheiterte so nochmals alle Zuhörer, bevor sie nach diesem kulturellen "Leckerbissen" nach Hause gingen.

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