Wie neugeboren

Michael Kuse freut sich auf sein Leben mit Spenderherz

Michael Kuse hat die Herz-OP gut überstanden und fühlt sich, als ob er „einen Austauschmotor“ erhalten hätte.

Sundern. Passender hätte der Tag für ein neues Herz nicht sein können: Zufällig bekam Michael Kuse ausgerechnet am Tag der Organspende, am 2. Juni, das Spenderherz, auf das der Sunderner 43 Tage gewartet hatte. Ungewöhnlich schnell: „Im Durchschnitt warten die Patienten 100 Tage“, berichtet der 54-Jährige, der sich nicht nur freut, dass die OP so problemlos verlaufen ist. Kleine und große Highlights warten in der nächsten Zeit auf ihn

Ein Blick aus dem Krankenhausfenster werfen, selbstständig duschen, über den Flur schlendern – bisher war dies nicht möglich. „Die Schläuche haben mich nur bis zum Schrank laufen lassen“, berichtet Michael Kuse, bei dem gestern das „Mobilmachen“ nach der mehrwöchigen Bettlägrigkeit gestartet ist. Schon jetzt fühlt er sich wie neugeboren. „Man fühlt sich, als ob man einen Austauschmotor bekommen hätte,“ sagt der 54-Jährige, der wegen einer irreparablen Herzschwäche nach einem Herzinfarkt in das Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen kam, um auf ein Spenderherz zu warten.

Die ersten Schritte nach mehrwöchiger Bettlägrigkeit und der Herz-OP hat Michael Kuse gestern gewagt. Und sein neues Herz pumpt sogar besser als das alte. „Bei gesunden Menschen liegt die Pumpleistung des Herzens bei 55 Prozent, mein altes Herz schaffte zwischen 18 und 20 Prozent, das neue Herz hat eine überdurchschnittliche Pumpleistung von 60 Prozent“, erklärt der Sunderner.

Wem er sein neues Herz zu verdanken hat, weiß er jedoch nicht. „Das erfährt man in Deutschland nicht, das ist absolut verboten.“ Nicht ein einziges Detail – weder Alter noch Geschlecht des Spenders – wird bei einer Herz-Organspende verraten. „Im Nachhinein finde ich das doch besser“, sagt der 54-Jährige, der vermutet, dass man sich andernfalls vielleicht den Angehörigen des Verstorbenen verpflichtet fühlen könnte. „So ist es besser, um abschließen und möglichst schnell sein normales Leben wieder aufnehmen zu können. Es geht ganz schnell, dass man vergisst, dass es ein anderes Herz ist.“

Die Ideen sprudeln 

Schnellstmöglich wieder nach Hause möchte Michael Kuse nach der Reha, die er wahrscheinlich in zwei Wochen starten wird. Gespannt ist er auf Haus und Garten, wo sich mit teils neuer Einrichtung einiges getan hat, was der Sunderner bisher nur von Fotos kennt. „Und auf das Arbeiten freue ich mich“, sagt der frühere Einkaufsleiter, der sich in einer neuen, auf ihn zugeschnittenen Stelle wieder eingliedern lässt. „Ich werde alles erst einmal genießen. Ich werde aber nicht sagen, dass ich jetzt erstmals die Blumen blühen sehe. Das habe ich auch vorher schon gesehen.“

Doch in einer Hinsicht haben seine Krankheit und das Spenderherz sein Leben verändert: Michael Kuse möchte sich weiterhin für das Thema Organspende stark machen, „jetzt wo es so ins Rennen kommt“. Wie berichtet, hatte er sich der Initiative von Sven Krechting aus Wetter angeschlossen und durch Familie, Freunde und Bekannte Flyer in Sundern verteilen lassen. 

Weitere 50.000 Flyer werden gedruckt, zudem wollen Kuse und Krechting Stadtfeste besuchen und an ihren Infoständen auch T-Shirts verkaufen. Je 3,50 Euro aus dem Verkauf sollen ans Kinderherzzentrum gehen. Auch am Berufskolleg Ahlen ist Krechting eingeladen, um über das Thema Organspende aufzuklären. „Sven sprudelt vor Ideen“, sagt Michael Kuse, für den es selbstverständlich ist, nach erfolgreicher OP nicht zu sagen: „Jetzt ist man aus dem Schneider, dann können andere weiter machen“. Ziel der beiden ist es, „es ein bisschen größer werden zu lassen“.

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