Zweites geschenktes Leben

Michael Kuse wartet auf ein Spenderherz - und setzt sich für Organspende ein

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Sven Krechting (links) und Michael Kuse haben sich in der Herzklinik in Bad Oeynhausen kennengelernt. Seitdem setzen sie sich im Schulterschluss dafür ein, Menschen für einen Organspendeausweis zu gewinnen.

Sundern. Organspendeausweis? „Hatte ich nicht. Das Thema war mir zwar nicht egal, aber irgendwie wurde man nicht darauf aufmerksam“, sagt Michael Kuse. Dies änderte sich schlagartig, als der Sunderner vor einigen Wochen erfuhr, dass er ein neues Herz benötigt, und er am 20. April auf die Hochdringlichkeitsliste für ein Spenderherz kam. Seitdem wird er auf eine harte Geduldsprobe gestellt. Im Herz- und Diabeteszentrum Nordrhein-Westfalen in Bad Oeynhausen wartet der 54-Jährige auf das Spendeorgan. Er versucht aus der Wartezeit das Beste zu machen: Er macht sich für das Thema Organspende stark – vor allem in Sundern versucht er die Menschen dafür zu sensibilisieren.

Michael Kuse, der seit seinem 15. Lebensjahr in Sundern wohnt, erlitt 2017 einen Herzinfarkt, seitdem muss er mit einer Herzschwäche leben. „Das ging ein halbes Jahr gut“, sagt der 54-Jährige, den man in Sundern aus der Vereinsarbeit kennt – bei den Schützen, beim TuS-Karneval, beim Heimatverein und nicht zuletzt beim Stammtisch „Auf und Ab“. Der Einkaufsleiter aus Sundern hatte die Eingliederung nach seinem Herzinfarkt fast abgeschlossen. „Drei Tage, bevor ich wieder in Vollzeit arbeiten wollte“, gab es die neue Diagnose, dass sein Herz irreparabel geschädigt ist. Hals über Kopf musste Kuse in die Herzklinik nach Bad Oeynhausen und in der Heimat alles stehen und liegen lassen.

Jetzt heißt es warten: „Die Zeit vertrödelt man nicht“, sagt der Sunderner, der momentan fleißig Flyer fertigstellt, die seine Familie, Freunde und Bekannte in Sundern unter das Volk bringen. Die Initiative für den Flyer geht auf Sven Krechting zurück. 

Der 26-Jährige aus Wetter lebt mit seinem dritten Herzen. Bereits im Alter von zwei Jahren bekam er wegen einer schweren angeborenen Fehlbildung durch ein Spenderherz ein zweites geschenktes Leben. Nach der letzten gelungenen Herz-OP im Oktober 2017 musste er jetzt den nächsten Tiefschlag hinnehmen: Er muss bald an die Dialyse und über kurz oder lang auf eine Spenderniere hoffen. 

5000 Flyer mit Organspendeausweis bestückt

Auf Facebook startete er eine Initiative, mit der er möglichst viele Menschen auf das Thema Organspende aufmerksam machen und als Organspender gewinnen möchte. „Ich freue mich über jede Unterstützung zum Thema Organspende. Bitte macht andere Menschen darauf aufmerksam und dokumentiert eure Entscheidung mit einem Organspendeausweis“, bittet Krechting.

„Es ist dramatisch eng. Deutschland hat zusammen mit Luxemburg die rote Laterne“, sagt auch Michael Kuse, der über die Facebook-Seite des Herzzentrums auf Sven Krechting aufmerksam geworden war und ihn schließlich zufällig in der Herzklinik persönlich kennen lernte. Damit nahm die Zusammenarbeit ihren Anfang.

In einem Flyer schildert Sven Krechting seinen „Lebensweg mit Spenderherz & Niere“. Den Druck unterstützte ein Sunderner Druckhaus. Die 5.000 Exemplare bestückte Michael Kuse von seinem Krankenbett in der Herzklinik aus jeweils mit einem Organspendeausweis und einem Beiblatt mit seiner eigenen Geschichte. „In meiner Situation macht man das auch schon aus Eigennutz, weil die Tage dann rumgehen.“

"Viele Herzen gehen unverbraucht unter die Erde"

Rumgegangen sind die ersten Flyer schon in Sundern. „Die Reaktionen waren alle positiv“, freut sich Kuse. „Im Bekanntenkreis kommt das Thema jetzt nah an die Leute ran. Viele haben sofort einen Organspendeausweis ausgefüllt. Es hat mich auch überrascht, dass einige bereits seit Jahrzehnten einen Ausweis haben. Da bekommt man schon fast ein schlechtes Gewissen, dass man das nicht auch vorher gemacht hat.“

Auf „Organspenden-Ablehner“ hat der Sunderner heute durch sein Schicksal einen anderen Blickwinkel. „Ich respektiere das, wenn jemand keinen Organspendeausweis haben möchte. Das muss jeder für sich selber entscheiden“, sagt Kuse. Den 54-Jährigen schmerzt es aber dennoch, „wie viele Herzen unverbraucht in die Erde gelegt oder verbrannt werden“. 

Alleine in Bad Oeynhausen gibt es 20 bis 30 Leute auf seiner Station, die auf ein neues Herz oder eine Lunge warten. „Wenn die Rechtslage in Deutschland anders wäre, wäre das wesentlich besser.“ – wie in den Ländern, in denen jedem Hirntoten Organe entnommen werden, wenn er oder seine Angehörigen dem zuvor nicht ausdrücklich widersprochen haben.

Den Humor nicht verloren

Ausschließlich Zuspruch gab es bisher auf Facebook auf die Initiative von Sven Krechtling. „Es ist interessant, was das für Kreise zieht“, sagt Michael Kuse. Um noch einen größeren Radius zu erreichen, sind Sponsoren wichtig für Flyer, Organspendeausweise, etc.. „Wir haben schon Zusagen für 25.000 neue Flyer“, freut sich Michael Kuse. Das bedeutet neue Arbeit für seine Familie in Sundern: „Die müssen laufen. Ich kann ja nicht“, sagt der bettlägrige Sunderner, der seinen Humor nicht verloren hat. 

Grund, optimistisch zu sein, hat er: „Mein Mann, meine beiden Kinder und meine Exfrau stehen alle voll mit dahinter.“ Auch sein Arbeitgeber wartet mit einer neuen, auf ihn zugeschnitten Stelle auf den früheren Einkaufsleiter. Mit einem zweiten geschenkten Leben kann es für den 54-Jährigen hoffentlich schnellstmöglich weiter gehen.

Flyer liegen in Geschäften in Sundern sowie in Apotheken und Arztpraxen aus. Weitere Infos gibt es auf der Facebook-Seite „Sven Krechting – Mein Lebensweg mit Spenderherz & Niere“. Man kann ihn auch per Mail kontaktieren: svenkrechting@web.de. Wer das Projekt gerne unterstützen möchte, kann sich auch bei Michael Kuse unter m.kuse@t-online.de melden.

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