Viele Entscheidungen stehen an

Brodel sagt "spannendes Jahr" für Sundern voraus

+
Im Rathaus stehen 2017 viele Entscheidungen an

Sundern. Bei seiner monatlichen Pressekonferenz stimmte Bürgermeister Ralph Brodel auf ein ereignisreiches Jahr ein, in dem „viele Entscheidungen gefällt werden müssen.“ Maßgebliche Themen seien der Ferienpark, die Röhrtalbahn und die Innenstadtentwicklung. Aber auch die Themen Jugend und Soziales würden die Verwaltung und die Bürger beschäftigen.

So sollen im Ausschuss „Arbeit und Leben“ Ende März erste Ergebnisse eines aktuell in Arbeit befindlichen „Sozialatlas Sundern“ präsentiert werden. In dieser Ausarbeitung werden „Sozialräume“ – das heißt einzelne Regionen – im Stadtgebiet in verschiedenen sozialen Bereichen auf Herz und Nieren untersucht. Wo gibt es Schulen, KiTas, Ärzte?, Wie steht es um die Mobilität?, Wo leben viele, wo wenige ALG-Bezieher? Fragen wie diese werden zurzeit fachbereichsübergreifend im Rathaus gesammelt und im neuen „Sozialatlas“ gesammelt. Die Auswertung und Analyse der anonymen Daten erfolgt dann im Zusammenarbeit mit der Caritas, die viel Erfahrung in den verschiedensten sozialen Bereichen mitbringt. Es sei nämlich sehr schwer, die Daten zu bewerten und daraus Handlungsbedarfe zu entwickeln. Dieses Konzept sei allerdings bereits gut in anderen Städten gelaufen, sagte Martin Hustadt. Auf dieser Grundlage will die Verwaltung künftige Entscheidungen stützen und auch einen Sozialplan für Sundern erstellen. Neues gab es auch vom Jugendbüro in Sundern. Lena Willeke (24) stellte bei der Monatspressekonferenz neue Ideen und Projekte vor, die sie nach ihrem Amtsantritt im Dezember (KURIER berichtete bereits) forcieren will. Die Nachfolgerin von Anna Baumeister lobte zunächst deren Arbeit, die sie in den Bereichen Selbstbehauptungs- und Babysitterkurse, „X-tra“, „Soundcheck“ und Spieleverleih auch unbedingt fortführen wolle. Eine Baustelle sieht Willeke im Gammon, für das sie gerade eine neue Konzeption schreibt. Dabei geht es aber nicht darum, das langjährige Jugendcafé wiederzubeleben, sondern es noch weiter nach vorn zu bringen. Denn die momentane Situation sei schon sehr gut. Die rund 30 Kinder und Jugendlichen, die regelmäßig kommen, wünschen sich – wie Lena Willeke – eine Ausweitung der Öffnungszeiten (aktuell von 16 bis 19 Uhr). Das ist ein Ergebnis einer Umfrage, die zuletzt im Gammon gelaufen ist. Außerdem wünschen sich die Kinder neben dem offenen Treff auch Ausflüge oder bestimmte Workshops im Gammon wie zum Beispiel Kochen oder eine noch bessere Nutzung der Außenanlagen. Ein Mädchentag ist eine weitere Idee oder auch ein Treff für ältere Jugendliche. „Das Gammon ist akzeptiert, die Besucherzahlen steigen und das Team ist hochmotiviert“, freute sich Fachbereichsleiter Martin Hustadt. Das Ausbleiben von Einbrüchen, Schlägereien oder Polizeieinsätzen, zu denen es vor Jahren schonmal gekommen war, unterstreiche die tolle Entwicklung, die das Gammon nehme. Diese Situation müsse man nun nützen, um das Jugendcafé noch weiter nach vorne zu bringen. Die Lage der Jugend in der Stadt nach vorne bringen soll auch ein geplantes Jugendforum, das Bürgermeister Brodel künftig zweimal im Jahr anbieten möchte. Hier sollen Kinder und Jugendliche die Chance bekommen, ihre Wünsche und Anliegen direkt der Verwaltungsspitze mitzuteilen. 

Neben den geplanten Entwicklungen bei den Themen „Jugend“ und „Soziales“ (siehe Seite 2) standen bei der Monatspressekonferenz des Bürgermeisters weitere Punkte auf der Tagesordnung. 

• Arbeitsmarkt: Die Stadt verzeichnet aktuell einen leichten, winterbedingten Anstieg der Arbeitslosigkeit (+0,2 auf insgesamt 4,1 Prozent). Seit 1991 (ca. 7 Prozent) „fällt“ die Trendlinie der durchschnittlichen Arbeitslosigkeit aber stetig ab. Negative „Ausreißer“ in dieser Zeit waren die Krisen bei Froh und Schmacke (1996, Quote damals: 8,4 Prozent) sowie die Einführung des ALG II (2005, 10,6 Prozent) sowie die Wirtschaftskrise und die Krise bei der Firma Pingel (2009 6,2). Als „sehr schwer“ und große Herausforderung kristallisiere sich jetzt immer mehr die Eingliederung von anerkannten Flüchtlingen in den Arbeitsmarkt heraus. Die Sprachbarrieren würden teilweise sogar Praktika verhindern. Auch kulturelle Unterschiede würden die Vermittlung in Praktika erschweren. Martin Hustadt berichtete, dass in Schulen zum Teil viel Überzeugungsarbeit geleistet werden müsse. Grund: In manchen arabischen Ländern gilt das Handwerk als gesellschaftlicher Abstieg und die Jugendlichen würden Arbeit in diesen Gewerken scheuen. Insgesamt würden die Flüchtlinge aber merken, dass sie geduldig sein müssten und der Besuch von Sprach- und Integrationskursen eine nachhaltige Eingliederung garantiere. 

• Wirtschaft: Die Wirtschaftsförderin besuche aktuell weiter viele Firmen im Stadtgebiet und baue sich ihr Netzwerk auf. Eine grundsätzliche Frage komme auf die Stadt aber in puncto Gewerbeflächen zu: Flächenpotential (rund 14 Hektar) bestehe, allerdings auf aktuell noch landwirtschaftlichen Flächen. Es sei für Landwirte aber wenig attraktiv, diese Flächen zu verkaufen. Bleibe der Tausch dieser Flächen gegen Stadtwald. „Da müssen wir uns fragen, ob wir das wollen“, so Brodel. Schließlich verdiene die Stadt aktuell auch noch am Wald. 

• Windkraft: „Keine wesentlichen Veränderungen“ verkündete Ralph Brodel zum Thema Windkraft. Aktuell warte man auf die Position der Bezirksregierung. Vom Hörensagen könne man davon ausgehen, dass die Regierungspräsidentin nicht der Auffassung des Landrats folge und die Sunderner Windkraftflächen-Planungen bestätige. 

• Personalentwicklung im Rathaus: Der kommissarische Fachbereichsleiter Stefan Laufmöller erarbeitet aktuell ein Personalentwicklungskonzept inklusive Bedarfe, Arbeitsfelder, etc.. Um zu sparen, sollen auch Möglichkeiten der interkommunalen Zusammenarbeit geprüft werden. 

• Arbeitskreise: Erst am Montag hatte der Bürgermeister im Ältestenrat die CDU nochmals gebeten, ihre Kraft in die fünf geplanten Arbeitskreise einzubringen. „Man wolle das nochmal mitnehmen“ sei die Antwort gewesen. Brodel stellte nochmals klar, dass es in den Ausschüssen lediglich um Diskussion und Inhalt gehe, nicht aber um Beschlüsse. Alles werde stichwortartig protokolliert und an die Ausschüsse und den Rat weitergeleitet. Wie oft man sich treffe und welche Themen erörtert werden, solle der jeweilige Arbeitskreis selbst festlegen. Am 27. Januar sei die konstituierende Sitzung. „Es geht darum, einige Themen das ganze Jahr über zu beackern“, so Brodel nochmal zu der Idee. Es sei nicht sinnvoll, wenn sich der Rat einmal im Jahr kurz Weihnachten mit dem Haushalt beschäftige, da müsse kontinuierlich über das ganze Jahr gearbeitet werden. 

• Röhrtalbahn: Die Röhrtalbahn sei per Beschlüssen in Arnsberg und Sundern nach wie vor politisch gewollt. Dennoch sei es für Brodel „sehr schwer“ eine Position zu finden. Viele Argumente für, aber auch einige Argumente gegen die Bahn stünden im Raum. Die Zukunft der Mobilität an sich spiele da eine große Rolle. Immer mehr Verkehr, E-Mobilität, der mögliche Wegfall von Individualverkehr – alles spiele in die Entscheidung mit hinein, die aber wiederum sehr weitreichend sei, denn einmal verweigert, werde es wohl keine Röhrtalbahn mehr geben. „Sundern wird sich auf jeden Fall nicht einem landesweiten Verkehrskonzept verweigern. Da müssen wir abwarten, was kommt“, so Brodel.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare