Bürgerinitiative bittet um Unterschriften

„Nellius war Mitläufer“

Im Ortsteil Hachen sorgt der Streit um die Umbennennung der Nelliusstraße weiter für Wirbel. Zur Erinnerung: Dem in Rumbeck geborenen Komponisten und Namensgeber der Straße werden Sympathien für das NS-Regime nachgesagt.

Daher soll die Straße auf Anregung des Heimatbundes umbenannt werden. Die politischen Gremien haben sich bereits dafür ausgesprochen. Die Anwohner sind allerdings dagegen und haben eine Bürgerinitiative ins Leben gerufen, die sich aktuell um Unterschriften für ein Bürgerbegehren kümmert.

Hachen.

Zur Einordnung der Person Nellius hat Heimatforscher und Studiendirektor i.R. Klaus Baulmann für die Initiative folgende Nachforschungen angestellt: Georg Nellius (1891-1952) war einer der größten Förderer von Christine Koch und damit der plattdeutschen Sprache des Sauerlandes. Er meint: „Der Stadtrat von 1975 war bestimmt nicht weniger klug als der von 2013, der wohl auf die einseitigen Informationen des bekennenden Linkskatholiken Peter Bürger und seine agitatorischen Absichten hereingefallen ist. Neu sind die Erkenntnisse von Herrn Bürger überhaupt nicht, neu ist nur, dass er aus entlegenen Archiven die schlimmsten Texte, die zum Teil gar nicht von Nellius sind, in einem Internet-Auftritt gesammelt und ins Netz gestellt hat.“

„Unter Druck in NSDAP eingetreten“

Baulmann führt weiter aus: „Als bedeutender Musiker, der auf Öffentlichkeit angewiesen ist, musste Nellius 1937 unter Druck in die NSDAP eintreten, sonst hätte er beispielsweise nicht mit den Sauerländer Sängern in einem Sonderzug nach Breslau zum Deutschen Sängerbundesfest fahren können. Nellius hat jedenfalls niemandem bewusst geschadet, keinen Menschen denunziert und sich nicht bereichert, er wollte nur komponieren und singen. Mitgliedschaft in der NSDAP allein ist noch kein strafwürdiges Verbrechen.“

Besatzer stuften ihn als Mitläufer ein

Knapp sieben Millionen NSDAP-Mitglieder wurden nach 1945 von den Besatzungsmächten entnazifiziert. Georg Nellius wurde mit 95 Prozent der Betroffenen unter die Entlasteten und Mitläufer (Gruppe 5 und 4) eingestuft. Er gehörte also nicht zu den Hauptschuldigen (Gr. 1), zu den belasteten Aktivisten (Gr. 2) und den Minderbelasteten (Gr. 3), so schreibt Baulmann in der Pressemitteilung.

Die betroffenen Anwohner rufen deshalb auf: „Als Anlieger der Nelliusstraße weisen wir irgendeine Nähe zu rechtsradikalen Tendenzen entschieden zurück. Wir bitten alle Einwohner der Stadt Sundern mit ihren Ortsteilen, unser Bürgerbegehren zum Erhalt der Bezeichnung Nelliusstraße bis zum 5. Januar 2014 durch ihre Unterschrift zu unterstützen.“

Ansprechpartner sind Ulrich Lübke, Haus Nr. 5, Horst Kohlmann, Nr.17 und Monika Müller, Nr. 18. Sie stehen jederzeit für Informationen zur Verfügung.

Die betroffene Straße hieß bis 1975 Christine-Koch-Straße und wurde während der kommunalen Neugliederung in Nelliusstraße umbenannt.

Bürgerbegehren

In einem Bürgerbegehren können Bürger beantragen, an Stelle des Rates selbst über eine Angelegenheit der Gemeinde zu entscheiden (Gemeindeordnung des Landes NRW, § 26, Absatz 1).

In Städten bis 30.000 Einwohner legt die NRW-Gemeindeordnung für ein Bürgerbegehren eine Quote von acht Prozent fest, also müssten rund 1900 wahlberechtigte Sunderner unterzeichnen.

Teilnahmeberechtigt sind alle wahlberechtigten Bürger ab 16 Jahren, die mindestens seit drei Monaten bei der Stadt Sundern gemeldet sind, auch EU-Bürger.

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