Andacht mit Überraschungen

„Ökumenische Marktpause“ hat sich in Sundern etabliert

+
Hatten vor einem Jahr einen weiteren Schritt Richtung Ökumene gewagt und die „Ökumenische Marktpause“ ins Leben gerufen: Gemeindereferentin Nicole Laufmöller, Pastor Otto Dalkmann, Vikar Pater Antony Nelson, Gemeindereferentin Barbara Fisch, Pfarrer Stefan Siebert, Pfarrerin Gabriela Hirsch, Pfarrer Martin Vogt und Gemeindereferentin Monika Hake (von links).

Sundern – Ökumenische Gemeinschaft erleben, Kraft tanken in einer „spirituellen Tankstelle“ und sich dabei auf Überraschungen einlassen – das kommt in Sundern an. Die „Ökumenische Marktpause“, die erstmals an Nikolaus vor einem Jahr Katholiken und Protestanten zur Marktzeit um 10.30 Uhr in die St.-Johanneskirche lud, hat sich etabliert und wird weiter laufen. In den ökumenischen Dienstgesprächen hat man die nächsten Monate schon geplant.

„Es wird vom Besuch her so angenommen, dass sich das lohnt“, freut sich Pfarrer Stefan Siebert über viele Stammbesucher. „Und es ist nicht bloß die Kirchengemeinde, die wir sonst auch erreichen“, ergänzt sein evangelischer Amtskollege Martin Vogt. Auch die beiden Seelsorger gehen regelmäßig zusammen als Besucher in die „Marktpause“, um die ökumenische Gemeinschaft auch selber wahrzunehmen.

Dabei wurden sie zuweilen auch schon selber überrascht von den Impulsen, die ihre Teamkollegen den Besuchern in den rund 15- bis 20-minütigen Andachten mit auf den Weg geben: etwa von den Atemübungen, die Pfarrerin Gabriela Hirsch spirituell verknüpfte. „Atemübungen waren für mich nicht etwas völlig Fremdes. Aber ich war überrascht, dass sie dies in dem Zusammenhang macht. Ich fand das gut“, bekannte Martin Vogt. „Körper, Geist und Seele sind ein Dreiklang, der in der christlichen Tradition zusammengehört“, ergänzt Stefan Siebert. „Das kommt in den Sonntagsgottesdiensten zu kurz. Aber im kleinen Rahmen der Marktpause ist es möglich, so etwas auszuprobieren“, so der katholische Seelsorger weiter. „Die Marktpause ist auch ein Experimentierfeld.“ Das sieht auch Martin Vogt so: „Und die Leute lassen sich auf den Überraschungseffekt ein.“

Auch anderes "Setting" möglich

Und denkbar sei auch ein anderes „Setting“, wie Pfarrer Siebert ankündigt: Unter der Kreuzigungsgruppe sei eine große Fläche frei geworden, auf der man beispielsweise in einem Stuhlkreis zusammenkommen könne. Hocker sind bereits angeschafft. „Hier kann man freier agieren“ als bei der traditionellen Sitzordnung in den Kirchenbänken.

Die „ökumenische Marktpause“ steht aber auch für ihre thematische Vielfältigkeit – sie biete ein riesen Spektrum an Möglichkeiten. So lasse Pater Antoney Nelson indische Lieder mit einfließen, Stefan Siebert setzte etwa einen CD-Impuls durch Bernd Stelter „Ich will ein optimistischer Mensch werden“. Auch aktuelle Themen werden gerne aufgegriffen. So thematisierte Gemeinderreferentin Nicole Laufmöller beispielsweise das kfd-Thema der geschlechtergerechten Kirche. Auch weltliche Themen wie die EU oder der Mauerfall finden Eingang in die „Marktpause“ – „Wir fragen uns dann, wie stehen wir als Christen dazu“, erklärt Pfarrer Martin Vogt.

Den Organisatoren aus der Evangelischen Kirchengemeinde Sundern und dem Pastoralen Raum Sundern ist es wichtig, dass die Menschen aus der Andacht „gefüllt“ nach Hause gehen. Anders als in anderen Auszeit-Formaten zur Marktzeit in Großstädten geht es nicht nur darum, den Menschen eine Möglichkeit zu bieten, zur Ruhe zu kommen. „Uns ist es ein Anliegen, dass auch eine Botschaft verkündet wird“, betont Pfarrer Siebert.

Dass die Menschen Redebedarf haben, zeige sich oft auch nach den Andachten. „Es kommt fast immer vor, dass uns die Menschen ansprechen“, sagt Martin Vogt. Das könne sich auf die Marktpause beziehen oder auch auf den persönlichen seelsorgerischen Bereich.

Und den Kreis der Stammbesucher möchten die Organisatoren noch ausweiten – mit einer noch offensiveren Werbung für die „ökumenische Marktpause“.

Ökumenischer Gottesdienst an Weihnachten

Der Wunsch aus beiden Gemeinden ist es, Begegnungen der Menschen beider Konfessionen zu entwickeln. Das hat nicht zuletzt Auftrieb bekommen durch die Bautätigkeit der Evangelischen Kirchengemeinde, die ihre Gottesdienste in der Bauphase in den Gotteshäusern des Pastoralen Raums feiern kann.

Am deutlichsten wird dies an Weihnachten: Am zweiten Weihnachtstag wird es um 10.30 Uhr in Stockum einen ökumenischen Gottesdienst mit Pfarrerin Gabriela Hirsch und Diakon Josef Levermann geben – eine Gelegenheit, die sich durch die Bauarbeiten an der Lukaskirche ergeben hat. „Als das Angebot von der katholischen Seite kam, hat man sich im Presbyterium sehr gefreut“, berichtet Pfarrer Vogt, der genauso gespannt ist wie sein katholischer Amtskollege, ob sich aus dem neuen, unverhofften Projekt künftig etwas etablieren lassen kann.

Die Bewährungsprobe bestanden hat bereits der ökumenische Gottesdienst an Pfingstmontag, der bei seiner Premiere im Vorjahr alle Erwartungen übertraf. Der Nächste ist in Vorbereitung. Wieder an der Seebühne in Langscheid und nicht – wie einmal geplant – an wechselnden Orten. „Weil die Logistik da ist. Und wegen der Menge der Leute“, so Vogt.

Die „Marktpause“ findet immer an den Markttagen in Sundern um 10.30 Uhr in der St.-Johanneskirche statt.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare