CDU will Planungen beenden - SPD kritisiert das

Streit um Röhrtalbahn: Debatte vor Kreistagssitzung wieder entfacht

+
Ob hier bald wieder ein Personenzug fahren soll, daran scheiden sich die Geister.

Sundern/Hochsauerland - Für die kommende Sitzung des Kreistages im Juli beantragt die CDU die Beendigung aller Planungsaktivitäten zur Reaktivierung der Röhrtalbahn. Stattdessen solle ein leistungsfähiger Radweg auf der Trasse ab Hüsten angelegt werden. Die SPD-Fraktion kritisiert den Vorstoß massiv. Auch die Arnsberger Grünen melden sich zu Wort. 

In einer Pressemitteilung erklärt die CDU ihr Vorhaben ausführlich: „Auf der Bahntrasse der Röhrtalbahn läuft seit 1966 kein fahrplanmäßiger Schienenverkehr mehr. Auch der Schülerverkehr wurde 1977 eingestellt. Die Industrie nutzt die Trasse nur bis zum Coil Lager in Arnsberg Hüsten. Die CDU begrüßt grundsätzlich die Vorgehensweise, alle stillgelegten Bahnstrecken auf Möglichkeiten zur Reaktivierung im Personen- und Güterverkehr zu untersuchen. Allerdings betonen die Christdemokraten, dass dabei ökologische und ökonomische Aspekte unbedingt gegeneinander abgewogen werden müssen. Jedenfalls darf eine Reaktivierung der Strecke nicht zur einer Verschlechterung der Anbindung der Menschen vor Ort an den öffentlichen Personennahverkehr führen. Dies aber wäre zur Überzeugung der CDU-Kreistagsfraktion der Fall.

Zur Personenbeförderung betreibt die RLG die Buslinien S 20 und R 25. Diese Busse fahren halbstündlich, die Bahn würde demgegenüber nur stündlich fahren. In Sundern können die Fahrgäste derzeit an 15 Bushaltestellen in den Bus steigen, für die Röhrtalbahn gäbe es dort nur einen Bahnhof. Um aus einem der Randbezirke Sunderns nach Arnsberg Neheim zu kommen, wäre mehrfaches Umsteigen vom Bus in die Bahn und wieder von der Bahn in den Bus notwendig. Mit dem gegenwärtigen Busverkehr funktioniert dies hingegen unproblematisch ohne umzusteigen. Für die Nutzer des ÖPNV gestaltet sich der Busverkehr aufgrund der Taktung und der zahlreichen Haltestellen daher momentan deutlich besser.

"Mit exorbitant hohen Kosten verbunden"

Überdies wäre die Reaktivierung der Bahnlinie mit exorbitant hohen Kosten verbunden. Bahnhöfe oder Bahnsteige sind im Laufe der Jahre entweder ganz entfallen oder zurückgebaut worden. Bahnübergänge müssten reaktiviert werden. Insgesamt sind damit hohe Kosten verbunden, die wahrscheinlich nicht unter 15 Millionen bei der günstigsten der vorgestellten Varianten betragen werden.

Darüber hinaus würde der Vorteil einer Anbindung an das Schienennetz der DB durch nicht hinnehmbare Nachteile für den Straßenverkehr mehr als aufgehoben. Die Bahntrasse kreuzt auf der Strecke von Müschede bis nach Sundern an gesicherten Bahnübergängen viermal die B 229 bzw. die L 519. Das würde zu erheblichen Beeinträchtigungen des Verkehrsflusses dieser ohnehin stark belasteten Straßen führen. In Sundern und Hachen kreuzt die Bahntrasse mehrfach Wohnsammelstraßen, die in die Hauptstraßen münden, was ebenfalls zu erheblichen Beeinträchtigungen beim Einfahren in den Hauptverkehrsstrom führen würde. Die Anfahrzeiten der Einsatzkräfte der Rettungswachen Sundern und der Feuerwehr Hachen würden durch die Bahnübergänge ebenfalls negativ beeinträchtigt.

Demgegenüber könnte mit einem Bruchteil der Reaktivierungskosten ein leistungsfähiger Radweg auf der Trasse ab Hüsten gebaut werden. Damit wären sowohl Sundern als auch die Sorpetalsperre komfortabel an den gut genutzten Ruhrtalradweg angebunden. Für den Tourismus im Bereich Sorpesee wäre das von großem Vorteil. Alternative Trassen für diesen Radweg stehen zwischen Hüsten und Hachen nicht zur Verfügung.

Die CDU-Kreistagsfraktion fordert daher den Kreistag auf, seine Vertreter in den Gremien der RLG (als Eigentümerin der Trasse), des ZRL sowie des NWL anzuweisen, die Reaktivierung der Röhrtalbahn nicht mehr weiter zu verfolgen und die Realisierung eines Radweges auf der jetzigen Trasse voranzutreiben. Ferner sollen der Kreistag und die Öffentlichkeit regelmäßig über den Sachstand informiert werden.“

"Der Antrag ist schlichtweg rückwärtsgewandt"

Die Sauerländer SPD sowie die Kreistagsfraktion der SPD weisen diese Forderungen wiederum entschieden zurück. „Der Antrag ist schlichtweg rückwärtsgewandt und stellt sich gegen mehr Mobilität im Sauerland“, erklären der Kreisvorsitzende Dirk Wiese und der Fraktionsvorsitzende Reinhard Brüggemann gemeinsam.

Tatsächlich würden die meisten Zahlen nach Ansicht der Sozialdemokraten für eine Reaktivierung zu sprechen scheinen. Dies gehe aus einem Gutachten des zuständige Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe (ZNWL) hervor. Darin werde die Reaktivierung mit deutlich über 1,0 bewertet. Mit diesem Wert stufte das Verkehrsministerium das Vorhaben 2015 als „sinnvoll“ ein. Die Instandsetzung der Strecke zwischen Hüsten und Sundern belaufe sich auf rund 13 Millionen Euro, die komplett durch den Bund und das Land gefördert würden, so die SPD. Lediglich bei den Bahnübergängen wären Eigenmittel notwendig, allerdings seien auch diese bis zu 70 Prozent förderungsfähig. „Das Geld ist da, man muss nur zugreifen“, so Wiese. „Es ist daher unverständlich, dass diese Möglichkeit von der CDU aktiv blockiert wird.“ Wer den Sinn solcher Maßnahmen hinterfragt,  sollte den Blick in seine Heimatstadt Brilon schauen, dort werde die Reaktivierung der Bahnstrecke nach Brilon Stadt rege benutzt.

Gegenwärtig laufe eine weitere Überprüfung zur Umsetzung der Röhrtalbahn. Der Antrag komme daher zu einer „Unzeit“, ergänzte der SPD Fraktionsvorsitzende Reinhard Brüggemann. „Seinerzeit hat die CDU-Fraktion einer solchen Überprüfung zugestimmt, dass sie die Rolle rückwärts macht,  ist einfach nicht zu verstehen.“

Auch die Arnsberger Grünen nehmen zur Debatte Stellung. Das B‘90/Die Grünen im Rat der Stadt Arnsberg fordern Bürgermeister Ralf Paul Bittner auf, zusammen mit seinem Sunderner Amtskollegen Ralph Brodel die bestehenden Beschlüsse der Arnsberger und Sunderner Gremien weiterhin umzusetzen und den Landrat aufzufordern, zuwiderhandelnde Beschlüsse zu missbilligen. 

"Ein Beschluss gegen die Reaktivierung würde unserer Stadt Schaden zufügen"

"Die Reaktivierung der Röhrtalbahn wird von den Städten Arnsberg und Sundern als wichtiger Baustein der kommunalen Mobilitätsstrategie und der Nachhaltigkeitsstrategie gesehen, zudem als Frequenzbringer für die obere Ruhrtalbahn als wichtigster Verkehrsinfrastruktur der Region. Entsprechende Beschlüsse bestehen und repräsentieren ca. 40 Prozent der Einwohner des Hochsauerlandkreises. Die städtischen Ziele, klimafreundliche Mobilität auszubauen und zu verstärken, wird durch den Anschluss Sunderns an das nationale Bahnnetz durch Reaktivierung der Röhrtalbahn deutlich unterstützt. Der viel zu hohe Autoverkehr im Röhrtal belastet Umwelt und Menschen gleichermaßen. Die Bahn wird diese Belastung verringern. Laut vorliegenden Gutachten im Auftrag des HSK und dem Zweckverband SPNV Ruhr-Lippe würden ca. 1000 Personen täglich zusätzlich den dann schnelleren ÖPNV zwischen Sundern und Bahnhof Neheim-Hüsten nutzen, das bedeutet gleichzeitig auch entsprechend weniger Autoverkehr im meist stark verstopften Röhrtal. Das ist effizienter Klimaschutz, verbunden mit einem komfortablen Reiseangebot für Berufstätige, für den Tourismus und für Menschen ohne Auto oder Führerschein. Das ist nachhaltige und zukunftsweisende Mobilität!", schreiben die Grünen-Politiker. 

"Auf Grundlage der kommunalen Beschlüsse wurde 2014 das Gutachten erstellt, das die Reaktivierung der Röhrtalbahn als volkswirtschaftlich rentabel klassifizierte. Ein Beschluss gegen die Reaktivierung würde unserer Stadt Schaden zufügen. Ein Landrat hat die Pflicht, Schaden von den Kommunen abzuwenden. Wir fordern Landrat Schneider daher auf, im Sinne seiner Dienstpflicht zu handeln und einen schädlichen Beschluss (wenn er denn gefasst würde) zu missbilligen und nicht umzusetzen", heißt es abschließend von den Grünen der Stadt Arnsberg. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare