Gutes Zeugnis für die Region

Podiumsdiskussion beschäftigt sich mit Fachkräftepotenzial von Frauen

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Die Auftraggeber der Studie und die Teilnehmer freuten über eine ergebnisreiche Podiumsdiskussion in der „Orange World“ von SKS in Sundern.

Sundern/Hochsauerland. Das Fazit war einhellig: Südwestfalen hat ein großes Potenzial an gut ausgebildeten Frauen für den Arbeitsmarkt. Wichtig ist, die Wünsche der Frauen wie flexible Arbeitszeiten oder Aufstiegsmöglichkeiten zu berücksichtigen und die „stille Reserve“ der nicht arbeitenden Frauen von 30 Prozent zu nutzen. „Die Unternehmen sind auf die Frauen angewiesen. Für die Frauen sollte es eine Selbstverständlichkeit sein, sich zu bewerben“, sagte Prof. Dr. Anne Jacobi von der FH Meschede am Mittwoch in Sundern.

„Die Frauen sollten aber mit größerem Selbstvertrauen auftreten und beim Arbeitgeber mehr Flexibilität mitbringen. Insgesamt sind wir in der Region auf einem guten Weg.“ Jacobi war Teilnehmerin einer Podiumsdiskussion zum Thema „Frauen in Südwestfalen – Fachkräftepotenzial für die Region“ in der „Orange World“ der Firma SKS. Zuvor hatte sie die Ergebnisse einer entsprechenden Marktforschungsstudie präsentiert, die der Region insgesamt ein „gutes Zeugnis“ ausstellt, aber auch Defizite und Handlungsempfehlungen nicht nur für Arbeitgeber aufzeigt. Laut den Ergebnissen der Studie wünschten sich 93 Prozent der ingesamt befragten 3836 Frauen, „qualifizierte Arbeitsplätze einfach zu finden“, aber nur 64 Prozent zeigten sich mit der Kommunikation der Arbeitgeber zufrieden. „Hier sind die Unternehmen gefordert, sich mehr zu öffnen, sich besser zu präsentieren und auch bei den Stellenausschreibungen flexibler zu sein. Manche Anzeigen erwecken bei Frauen einen abschreckenden Eindruck“, meinte Jacobi. 

Insgesamt wurde in der Diskussion aber deutlich, dass angesichts der demografischen Entwicklung und globalen Herausforderung die Betriebe die Zeichen der Zeit und die Herausforderungen der Zukunft erkannt haben. Es werde auf die „Lebensbalance“ der Frauen vermehrt Rücksicht genommen, was Flexibilität bei Arbeitszeiten oder den Wiedereinstieg betrifft.  

Renate Leifert ist Leiterin einer Kita, Mutter von drei Kindern, voll berufstätig und mit ihrem Arbeitgeber (Katholische Kitas Hellweg-Hochsauerland) sehr zufrieden. „Es wird versucht, alles unter einen Hut zu bringen. Der Arbeitgeber kommt mir sehr entgegen.“ Auch die Kitas selbst, so Leifert, hätten sich auf die veränderten Umstände eingerichtet: „Von den 90 Kinderfamilien in unserer Kita arbeiten nur zehn Mütter nicht. Daher brauchen wir flexible Öffnungszeiten.“ Ähnlich äußert sich auch Gundula Wagner (Zonta Club Arnsberg). Sie hat eine führende Position bei Pfleiderer. „Mein Arbeitgeber ist mit dem Alter meiner beiden Kinder mitgegangen“, sagte sie. 

"Riesiges Potenzial im technischen Bereich"

Josef Levermann, Prokurist von SKS Scheffer-Klute metaplast, meinte: „Wir unterscheiden nicht nach Frauen und Männern. Es geht um die Qualifikation. Die meisten Bewerberinnen wollen bei uns einen Job im kaufmännischen Bereich. Nur fünf Prozent steuern technische Berufe an. Diese müssen wir den Frauen schmackhaft machen.“ Levermann sprach sich beim Thema Flexibilität „für ein Geben und Nehmen“ aus und nannte als Beispiel die Besetzung der Telefonzentrale bei SKS. „Diese ist länger als jedes Büro besetzt, vier Mütter teilen sich die Stelle an fünf Tagen. Die Absprachen erfolgen untereinander, wer wann arbeitet. Es läuft wunderbar.“ 

Harald Dehn, Personalleiter von Egger in Brilon, plädierte für „Offenheit“. Egger versuche als familienfreundliches Unternehmen, den Wünschen gerecht zu werden. „Wir gehen jeden Weg mit, aber am Ende muss ein Ergebnis stehen.“ Auch für Dehn bietet der „technische Bereich riesiges Potenzial“ für Frauen. Gleichzeitig plädierte er dafür, sich in anderen Ländern umzuschauen, für Neuerungen und größere Flexibilität offen zu sein. 

Einig waren sich die Podiumsteilnehmer, dass die Initiative „Familienfreundliches Unternehmen“ eine wichtige Maßnahme sei. Gundula Wagner wünschte sich zudem, dass „Frauen im beruflichen Leben selbst mit gutem Beispiel vorangehen und für andere Vorbilder“ seien. Josef Levermann sprach in der Schlussrunde einen Punkt an, der in der Öffentlichkeit wenig Beachtung finde. „Wir reden immer von der Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Das ist wichtig, aber es gibt auch Frauen, die sich für Vollzeit für Kinder und Familie entscheiden. Die fallen meistens hinten runter. Sie leisten aber Großes für die Gesellschaft. Auch ihnen muss man ein großes Lob aussprechen.“

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