Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe informiert über Möglichkeiten

Podiumsdiskussion: So könnte die Röhrtalbahn zwischen Sundern und Hüsten reaktiviert werden

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Geht es nach der SPD, könnte hier bald wieder ein Personenzug fahren.

Sundern. Um Möglichkeiten, Chancen und Risiken einer Reaktivierung der Röhrtalbahn ging es am Montagabend in Sundern im Hofcafé auf Einladung der JuSo AG und der AG 60 Plus. Die beiden Arbeitsgemeinschaften der Sunderner SPD hatten zur Podiumsdiskussion geladen und die bis auf den letzten Stuhl besetzte Veranstaltung machte das große Interesse an dem schon lange diskutierten Thema deutlich.

Den Fragen, die Juso-Vorsitzender Niklas Latusek stellte, antworteten Bundestagsmitglied Dirk Wiese, Kreistagsmitglied Peter Newiger, der Geschäftsbereichsleiter der IHK Arnsberg, Thomas Frye und Michael Hergarten vom Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe. Der Abend machte deutlich: Eine Reaktivierung der Röhrtalbahn, zunächst mit einem Triebwagen für den Personennahverkehr, ist realisierbar. 

Rund 13 Millionen Euro koste das Instandsetzen der Strecke von Sundern bis zum Hüstener Bahnhof, lautete Michael Hergartens Antwort auf die gleich zu Beginn gestellte Frage nach den Kosten - eine Summe, die aus einem Gutachten, das der NWL vor etwa sechs Jahren in Auftrag gegeben hatte, herrührt. Laut dieser Potenzialanalyse sei der Kosten-Nutzen-Quotient deutlich über 1,0 - ein Wert, der erreicht werden müsse, um volkswirtschaftlich von Nutzen zu sein. 

Pendelzug-Variante favorisiert

Die Stadt Sundern habe keinerlei Reaktivierungskosten zu tragen. Das Land übernehme die volle Summe, finanziert aus Regionalisierungsmitteln, die der Bund verteile. Lediglich bei Bahnübergängen seien anfallende Kosten für Sundern möglich. Wohl aber nur dann, wenn die Stadt Träger der Straße sei. 70 Prozent eines Bahnübergangs seien hier dann wiederum förderungsfähig, erklärte Hergarten weiter. Selbst wenn die Baukosten steigen würden, sei der so wichtige Quotient immer noch bei 1,0. 

Lärm und Emission der Röhrtalbahn würden so gering wie möglich ausfallen. Modernste Personenwagen seien deutlich geräuschärmer als alte Dieseltriebwagen. Zudem werde der NWL neue Strecken nur noch mit elektrisch betriebenen Wagen ausstatten, versicherte der Experte. Die Rede war von der favorisierten Pendelzug-Variante, bei der der Personennahverkehrszug von Sundern über Stemel, Hachen und Müschede zum Neheim-Hüstener Bahnhof - vermutlich im Halbstundentakt - pendelt. In Hüsten sollen dann Anschlusszüge an das Ruhrgebiet genutzt werden können. 

SPD-Kreistagsmitglied Peter Newiger und MdB Mitglied Dirk Wiese unterstützten mit ihren Äußerungen, die von der Sunderner SPD seit Langem forcierte Reaktivierung der Röhrtalbahn. Dirk Wiese berichtete aus seinem Heimatort Brilon, in dem eine Reaktivierung der Nahverkehrsbahn rege genutzt werde. 

Eher Personen- als Warenverkehr 

Auch IHK-Geschäftsführer Thomas Frye zeigte sich dem Thema gegenüber positiv, favorisierte aber zunächst einmal nur den Personennahverkehr, der für die Attraktivität der Region als Wohnstandort von Nutzen sei. Für Sunderns Warenverkehr sei die Schiene wohl eher zu teuer. Ein Umladebahnhof wie in Bochum/Langendreher oder direkt der Hafen in Rotterdam seien aus heutiger Sicht einfacher per Lkw zu erreichen. 

Dem Thema Röhrtalbahn positiv gegenüber stehen MdB Dirk Wiese, Kreistagsmitglied Peter Newiger, Thomas Frye (IHK). Michael Hergarten vom Zweckverband Nahverkehr Westfalen-Lippe und Juso-Vorsitzender Niklas Latusek, der den Abend moderierte (v.li.).

Einzig aus den Reihen der Gäste kam eine negative Rückmeldung. Andre Rüßmann, Unternehmer aus Sundern/Hachen und Ratsmitglied der CDU sprach sich an diesem Abend gegen die Reaktivierung der Röhrtalbahn aus. Aus den Reihen der Unternehmerinitiative „einsU“ werde der Schienenverkehr von Sundern nach Hüsten abgelehnt, erklärte er. Ein Grund sei die Sorge vor noch größerem Stauaufkommen aufgrund mehrerer Bahnübergänge und damit längeren Fahrzeiten für Lkw. Ein Problem, das der Vertreter der NWL schon im Vorfeld als gering eingestuft hatte, da sich Schrankenzeiten durch optimierte Einschaltkontakte auf 35 bis 55 Sekunden belaufen würden. „Sie kriegen alles bezahlt und haben noch einen Mehrwert davon“, schlussfolgerte Dirk Wiese und bat „einsU“, noch einmal darüber nachzudenken. 

Ein wenig enttäuscht wurden die meisten Gäste allerdings beim Zeitfenster. Bei einem positiven Votum im Jahr 2020 oder 2021, einer folgenden Planfeststellung über mindestens ein Jahr und der Berücksichtigung von Anwohner-Interessen würde die Röhrtalbahn wohl erst ab dem Jahr 2025 oder sogar noch um einiges später wieder fahren, rechnete Michael Hergarten vor.

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