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Protest und Gegenprotest: „Lichterkette“ und „Spaziergang“ zeitgleich in Sundern

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Von: Andre Geißler

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Lichterkette Sundern Corona
In einem von der Polizei abgetrennten Bereich in der Fußgängerzone positionierte sich die „Lichterkette Sundern“. © Andre Geißler

Parallel zum „Spaziergang“ von Gegnern der Corona-Maßnahmen fand gestern eine Gegenaktion in der Sunderner Innenstadt statt.

Sundern – Mit einer polizeilich angemeldeten Gegenaktion in Form einer Lichterkette setzten mehr als 150 Teilnehmer am Donnerstagabend in der Sunderner Innenstadt ein Zeichen für Gesundheit und Solidarität im Gedenken an die Opfer der Pandemie sowie gegen den parallel stattfindenden Protestmarsch einer ähnlich großen Gruppierung aus Gegnern der Corona-Schutzmaßnahmen.

Letztendlich blieb es friedlich – auch, weil die Polizei den nicht angemeldeten „Spaziergang“ aufgrund der Situation kurzerhand über Lockweg und Grünewaldstraße aus der Hauptstraße heraus umgeleitet hatte. So konnte vermieden werden, dass die beiden Gruppierungen in der Fußgängerzone Sunderns direkt aufeinander treffen.

Neu gegründete Gruppe „Lichterkette Sundern“

Während sich die „Spaziergänger“ nicht zum ersten Mal vom Rathausplatz aus in Richtung Zentrum bewegten, hatte sich die am vergangenen Wochenende neu gegründete Gruppe „Lichterkette Sundern“ unter dem Motto „Ja zu Gesundheit, Solidarität und zum Gedenken an die vielen Corona-Opfer“ erstmals am Franz-Josef-Tigges-Platz zusammengefunden, um anschließend mit einer Lichterkette von dort bis zum Levi-Klein-Platz auf ihre Sichtweise aufmerksam zu machen.

Lichterkette Sundern Gegenprotest
Aus Solidarität und zum Gedenken an die Corona-Opfer zündeten die Teilnehmer der „Lichterkette“ Kerzen an. © Andre Geißler

Jörg Kock, einer der Hauptinitiatoren der Gegendemonstration, äußerte sich überwältigt von der Anzahl von Bürgern, die sich an dieser Aktion beteiligten: „Ich bin total glücklich und stolz darauf, was hier gerade in unserer Stadt passiert ist. Wir hatten mit bis zu 50 Personen gerechnet. Jetzt sind es so viele mehr geworden. Das ist beste Motivation dafür, es regelmäßig – und vor allem friedlich – zu wiederholen.“ Als wahre Demokraten dürfe man die Aufmärsche der „mittlerweile allgegenwärtigen, sogenannten Spaziergänger, Querdenker, Verschwörungsgläubigen, Reichsbürger, Verfassungsfeinden, Antidemokratischen und Rechten“ (Zitat Jörg Kock) nicht unkommentiert und unbeantwortet durch seine Stadt ziehen lassen, hatte der Sunderner zuvor in seiner Einladung zur Lichterkette in den sozialen Medien bekräftigt: „Wir wollen nicht nur hinsehen, sondern aufstehen.“

Dem konnte sich Meinhard Nolte aus Sundern, der sich mit seiner Familie in die Lichterkette eingereiht hatte, nur anschließen: „Wir müssen ein Zeichen setzen. Gegen Corona-Leugner, Impfgegner und Rechtsextreme, die sich dies zu Nutzen machen. Wir sind die Mehrheit. Deshalb darf dies heute Abend keine einmalige Sache gewesen sein.“ Selbst der erst zehnjährige Oskar, der mit seiner Mutter aus Arnsberg gekommen war, hatte sich im Vorfeld schon einige Gedanken gemacht: „Die alltäglichen Bilder im Fernsehen machen wütend. Ich finde es falsch, dass teilweise auch mit Gewalt gegen die Corona-Maßnahmen protestiert wird.“

Corona-Spaziergang Sundern
Zu einem sogenannten „Corona-Spaziergang“ trafen sich Gegner der Maßnahmen am Donnerstag in der Sunderner Innenstadt. © Andre Geissler

Dem gegenüber äußerten sich Teilnehmer des „Spaziergangs“ mit einer ganz anderen Meinung. „Viele der Maßnahmen sind nicht gerechtfertigt und unangemessen“, so ein Teilnehmer, der zugleich eine zu einseitige Medienberichterstattung bemängelte: „Hier wird schlichtweg falsch recherchiert.“

„Jeder hat seinen eigenen Grund“

Eine weitere Teilnehmerin prangerte an, dass das Bild der Corona-Maßnahmengegner in der Öffentlichkeit falsch dargestellt werde. „Sicher sind Menschen dabei, die aus Enttäuschung eine relativ radikale Meinung haben. Aber alle unter uns über einen Kamm zu scheren, ist nicht richtig. Jeder hat seinen eigenen Grund, gegen die Maßnahmen der Regierung zu sein. Wir haben beispielsweise viele dabei, die geimpft und auch geboostert sind. Und nun enttäuscht, dass dies offensichtlich nicht den Effekt hat, der propagiert wird.“ „Wir sind die normalen Leute, wir sind die normale Mitte der Gesellschaft. Nicht die. Die sind die Antifa“, äußerte sich eine weitere Teilnehmerin des „Spaziergangs“ schon markanter.

Die Polizei zieht Bilanz

Nach Beendigung des Protestzuges zeigte sich Sunderns Polizeikommissar Sebastian Held erleichtert über den störungsfreien Ablauf: „Es ist alles ruhig geblieben. Aufgrund dessen, dass sich wesentlich mehr Personen an der Lichterkette beteiligt haben, als es angekündigt war, haben wir uns entschlossen, eine mögliche Eskalation zu vermeiden, indem wir den zentralen Bereich der Fußgängerzone absperren und den Zug der Demonstranten umleiten.“

Auch wenn es auf den Sunderner Straßen ruhig blieb, weist die Polizei daraufhin, dass solche Protestmärsche nicht legal seien. Denn sie sind nicht angemeldet: „Die Durchführung einer nicht angemeldeten Versammlung als Veranstalter oder Leiter ist nicht erlaubt, deswegen prüfen wir in solchen Fällen grundsätzlich die Einleitung eines strafrechtlichen Ermittlungsverfahrens und haben dann solche Verfahren auch eingeleitet.“

Nicht nur in Sundern haben sich in der Vergangenheit Menschen zu unangemeldeten Corona-Spaziergängen zusammengefunden, sondern auch in anderen Städten im Hochsauerlandkreis. Die Kreispolizeibehörde Hochsauerlandkreis spricht auf Nachfrage von einem „steigenden Trend“. „Wir hatten seit dem 11. Dezember auch im HSK Versammlungen in Form von ,Corona-Spaziergänge’. Diese fanden in Arnsberg , Brilon, Meschede, Schmallenberg, Sundern und Winterberg statt. Die Teilnehmerzahl reichte von 20 bis zu 270 Personen“.

Ausschreitungen oder Randale wie in vielen anderen deutschen Städten gab es im Hochsauerlandkreis bislang noch nicht, die bisherigen Proteste sind allesamt „friedlich und störungsfrei“ verlaufen. Die Kreispolizeibehörde rechnet auch in den kommenden Tagen mit weiteren Protestzügen gegen die Corona-Maßnahmen.

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