„Das wäre eine fatale Geschichte“

Siegfried Huff warnt vor nachteiliger Dorfentwicklung in Langscheid

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Der Verfall im ehemaligen Hotel „Seehof“ am Sorpesee in Langscheid ist allgegenwärtig

Langscheid – Die Scherben knirschen unter den Sohlen, Brombeerranken beginnen durch zerbrochene Scheiben den Wintergarten zu erobern. Umgeworfene Stühle und demoliertes Interieur pflastern den Weg zu teils offenstehenden Türen, hinter denen sich auf dem Fußboden des ehemaligen Hotels noch das Geschirr, Tischdecken und Gläser stapeln. Seit zwei Jahren steht der „Seehof“ leer, und der Verfall hinterlässt seine Spuren.

Das Ende der „Bauruine“ soll absehbar sein: Pläne zur Neugestaltung des Seehof-Areals wurden im jüngsten Fachausschuss Stadtentwicklung, Umwelt und Infrastruktur beraten. Bei zwei Gegenstimmen wurde die Verwaltung beauftragt, die weiteren erforderlichen Verfahrensschritte zur Umsetzung der Planung zu prüfen und vorzubereiten.

„Das wäre eine fatale Geschichte in Langscheid“, warnt Siegfried Huff, einer der vehementen Gegner des vorgestellten Konzepts – allerdings nicht das Einzige, das ihm im Ort Magenschmerzen bereitet. Das „Seehof-Areal“ ist nur der Auftakt für einen Rundgang durch Langscheid, wo sich die gleiche Bau-Problematik wie ein roter Faden durchs Dorf ziehe, wie Huff, SUI-Ausschussmitglied (Die Linke) und selbst Langscheider, erklärt. „Es geht nur um den Profitgedanken“, kritisiert der Langscheider gleich mehrere geplante Wohnobjekte, die den SUI-Fachausschuss derzeit beschäftigen, weil Bebauungspläne für Investoren geändert werden sollen, um größere Wohnhäuser mit mehreren Wohneinheiten möglich zu machen.

Alle Projekte würden eine entscheidende Regel brechen, argumentiert Huff: Es sollen Bauten entstehen, die nicht der ortsüblich geltenden Bauweise angepasst sind und damit das Einfügungsgebot missachten. „Wenn ich etwas erwerbe, muss ich prüfen, was überhaupt erlaubt ist. Die Investoren haben vorher gewusst, was hier möglich ist“, sieht Huff keinen Handlungsbedarf, die Bebauungspläne ändern zu lassen.

Angst vor neuen Terrassenbauten

„Die Gebäude werden immer wuchtiger, immer höher“, ärgert sich Huff, der das Dorf nicht noch weiter verhunzt sehen möchte. Die Terrassenbauten, „bei denen jeder Quadratmeter zugeknallt wurde“, sind dem Langscheider Bewohner und Ratsmitglied ein warnendes Beispiel. Er sei nicht gegen den Bau neuer Wohnungen, aber „dem geltenden Baurecht angepasst und bezahlbar“, betont das Ratsmitglied. Doch die Wohnobjekte würden Wohnungen für ein anderes Klientel als für die Sunderner schaffen – so Huffs Vorwurf.

Prominentestes Beispiel ist für ihn der „Seehof“. „Schlimmes befürchtet“ der Kommunalpolitiker bei den geplanten Nachnutzungen im Bereich der Fläche des ehemaligen Hotels und Restaurants. Zwei Mehrfamilienhäuser mit Eigentumswohnungen und ein Mehrfamilienhaus mit Ferienwohnungen sind laut Entwurf geplant. „Ich befürchte so etwas Ähnliches wie die Terrassenbauten.“

Ein weiteres Beispiel dafür ist für ihn das Bauvorhaben im Bereich des Bildungszentrums Langscheid, wo Parkfläche und ein nicht genutztes Wohnhaus neuem Wohnraum und der Erschließungsfläche weichen sollen. Die gleiche Sorge gelte für das Grundstück der ehemaligen Markuskirche, auf dem vier Mehrfamilienhäuser entstehen sollen. „Das ist auch wiederum nichts für unseren Geldbeutel, sondern für ein anderes Klientel. Die haben alle nichts mit Langscheid am Hut“, sagt Huff. Auch die Frage nach Stellplätzen tauche immer wieder auf. „Wenn auf dem Markuskirchengelände mehrere Blocks hinzukommen, dann sprechen wir nicht nur von 40 Autos“, warnt Huff vor Parkplatznot und erhöhtem Verkehr.

Oft als Positivbeispiel genannt: Das Wohnbauprojekt im Gebäude der ehemaligen Firma Vielhaber in Langscheid.


Sechs oder acht Bauplätze für Ein- oder Zweifamilienhäuser – im Duktus der angrenzenden Wohngebiete – könne man sich indes vorstellen. Gleiches Recht für alle, statt für Einzelne die Bebauungspläne anzupassen, fordern viele. Und das hieße, den Bebauungsplan der Wohngebiete rechts und links auch auf dem Grundstück nach Abriss des Gotteshauses anzuwenden. Andere wiederum schlagen ein Mehrgenerationenhaus vor.

„Die Themen in Langscheid sind sehr sensibel. Die Sensibilität ist da. Der Fachausschuss tut schon sehr viel“, sagt ein Langscheider, mit dem man beim Dorfrundgang ins Gespräch kam und der als Mitglied einer örtlichen Interessengemeinschaft auch die Pläne zur Erweiterung der Neurologischen Klinik Sorpesee verfolgt – ein weiteres Sorgenkind in Langscheid. Die Pläne hielten bisher den kritischen Blicken der Ausschussmitglieder nicht Stand. Aktuell werden neue Ideen für einen Kompromiss gefordert. „Wir sind nicht gegen die Klinik, aber das Wohngebiet ist hier dominierend und diese Interessenlage gilt es zu beachten – im Rahmen des geltenden Baurechts“, verdeutlicht der Langscheider seinen Standpunkt sowie seine Sorge über die geplante Geschossigkeit des Erweiterungsbaus, der nach Wunsch der Anlieger zusätzlich 15 Meter weiter nach rechts (aus dem Blickwinkel vom Hang zum See) gebaut werden soll. Auch über mögliche Folgemaßnahmen in künftigen Jahren ist man beunruhigt. „Neubauten bringen Veränderungen mit sich“, räumt er ein. „Wir sind keine Blockierer.“ Wichtig sei aber der Mehrwert der Neubauten und dass sie nach geltendem Recht gebaut würden, sagt er zu den schwelenden Baudebatten in Langscheid.

"Das ist ein vernünftiges Objekt"

Auf Wohlwollen stößt da beispielsweise der Umbau der ehemaligen Leuchtenfabrik Vielhaber in Wohnungen. „Das ist ein vernünftiges Objekt“, sagt Huff. Die Wohnungen seien bezahlbar, es seien ordentliche Zuschnitte, das bestehende Gebäude werde kaum verändert und der Bauherr beziehe die Anlieger vorbildlich mit ein. Auch an anderen Stellen gebe es noch Baulücken für bezahlbaren Wohnraum, sagt Huff.

Eine Lücke sei indes im Gastronomie- und Hotelbereich entstanden. Und die Gastronomie komme im Entwurf für die Nachnutzung des Seehof-Areals viel zu kurz und habe nur noch Alibicharakter, moniert Huff: „Das, was jetzt geplant ist, ist etwas größer als eine Pommesbude plus.“ Man laufe Gefahr, nicht mehr als „Luftkurort“ werben zu dürfen, befürchtet Huff, unter anderem wenn das im Flächennutzungsplan für Erholung ausgewiesene Sondergebiet zugunsten der geplanten Wohnflächen umgewidmet werde. Das Seehof-Sondernutzungsgebiet für Touristik und Erholung solle erhalten bleiben, nach dem Abriss der „Bauruine“ wünschen sich viele Langscheider wieder einen Hotel- und Gastronomiebetrieb.

Zum Dorfrundgang lädt Bürgermeister Ralph Brodel im Rahmen seiner regulären Veranstaltungsreihe "Dorfrundgang" für Mittwoch, 22. Januar, um etwa 16.30 Uhr in Langscheid ein. Er startet im Bereich Hoolweg und Fasanenweg.

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