„Wir müssen lauter werden“

Rechtspopulisten entgegentreten: Himmler-Großnichte ermutigt Schüler sich einzumischen

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Katrin Himmler und Serhat Sarikaya traten mit den Schülern in einen Dialog über die Strategien, angemessen mit Rechtspopulismus umzugehen. 

Sundern. Welche Faktoren spielen eine Rolle, dass der eine Mensch Andersartigkeit toleriert und ein anderer darauf hinabblickt? Eine Frage, die Katrin Himmler beschäftigt, seit die Großnichte des „Jahrhundertmörders“ Heinrich Himmler ihre Familiengeschichte aufgearbeitet und ihre Ergebnisse in dem Buch „Die Brüder Himmler“ veröffentlicht hat. Am gestrigen Dienstag berichtete die Politikwissenschaftlerin Schülern des Gymnasiums und der Realschule von ihrem Rechercheprozess.

Katrin Himmler erzählte, wie die Hochzeitsbilder ihrer Großeltern ihre Unschuld verloren, als durch ihre Recherchen die Legenden der Familien nicht länger Bestand hatten. Sie berichtete von einem „schmerzhaften Prozess“ mit dem Wunsch nach Aufklärung einerseits und der Angst, was ans Licht kommen könnte, andererseits. Gelernt hat Katrin Himmler auch, dass Heinrich Himmler nicht „als sadistisches Monster“ zur Welt kam, sich aber – trotz eines gut behüteten und gebildeten Elternhauses – sehr früh anfällig für die nationalsozialistischen Ideologien zeigte.

Konzentriert hörten die Schüler aus dem Städtischen Gymnasium und aus der Realschule dem Vortrag Katrin Himmlers zu, der den Abschluss der „Veranstaltungsreihe zum 80. Jahrestag der Reichspogromnacht“ des Bündnisses für Vielfalt und Toleranz und der Stadt Sundern bildete. In der anschließenden Frage- und Diskussionsrunde interessierten sich die Schüler nicht nur für die persönlichen Erfahrungen der Großnichte Himmlers mit ihrer Familiengeschichte. Vielmehr wurden immer wieder Fragen laut, wie man heutzutage am besten den Rechtspopulisten begegnen könne. „Was kann ich konkret auf der Straße machen“, fragte eine Schülerin. In einen Dialog zu treten sei schwieriger, als man denkt.

Konzentriert hörten Realschüler und Gymnasiasten am Dienstagmorgen dem Vortrag von Katrin Himmler zu.

Manche Schüler haben bereits in ihrem Umfeld Erfahrungen mit Menschen mit rechtspopulistischem Gedankengut gemacht. „Es hilft, wenn jeder in seinem persönlichen Umfeld dem entgegentritt und das widerlegt“, empfahl Katrin Himmler, die sich optimistisch zeigte, dass man bei jungen Menschen, die gefährdet sind, noch etwas bewegen könne, bevor das ideologische Weltbild zu gefestigt sei. 

Zudem gebe es Handreichungen und Anleitungen von Organisationen wie der Bundeszentrale für politische Bildung, die kostenlos zum Download bereitstünden. „Hier bekommt man wunderbare Strategien“, sagte die Politikwissenschaftlerin. „Wir müssen lernen, wie wir Rechten gegenübertreten“, formulierte sie ihre Wünsche, zu denen es auch gehört, dass die Menschen eine klare Stellung gegen Rechts beziehen. „Wir müssen lauter werden und versuchen die Mythen und Legenden zu entkräften.“ 

"Jeder sollte sich einbringen"

In Dialog zu treten bedeute auch, sich zusammenzuschließen, in einer parteiübergreifenden Vernetzung. So formulierten Katrin Himmler und Serhat Sarikaya, Mitglied des Sunderner Bündnisses für Vielfalt und Toleranz, der die Schulveranstaltung moderierte, gemeinsam den Appell: „Es sollte sich jeder einbringen und selbst mitmischen.“

Das Ziel, einen umfassenden Diskurs in der Bevölkerung anzuregen, hat das Bündnis mit seiner Veranstaltungsreihe erreicht. „Wir hatten gehofft, dass Interesse vorhanden ist, aber wir haben nicht damit gerechnet, so viele Leute zu erreichen“, freute sich Irmgard Harmann-Schütz zuletzt über mehr als 90 Besucher bei der Lesung am Freitag und 120 Besucher bei dem Austausch mit Katrin Himmler am Montag in der Alten Molkerei. „Sehr unter die Haut“ gegangen sei auch die Vorführung des Films „Meine Familie, die Nazis und ich“, der bei Youtube in voller Länge zu sehen ist.

Die beiden Veranstaltungen mit Katrin Himmler wurden von der Bürgerstiftung Sundern finanziell unterstützt. Das Bündnis für Vielfalt und Toleranzin der Stadt Sundern wird unterstützt durch die Stadt Sundern und den Aktionsfonds „ViRaL“.

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