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Schäden durch Schneetourismus: Landwirte kritisieren Verhalten der Besucher

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Von: Rebecca Weber

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Wiesen Schneetourismus Landwirte Sundern
Durch Autos zerstörte Wiesen sorgen derzeit für Ärger bei den Landwirten in den verschneiten Regionen des Sauerlandes. © AbL

Verkehrschaos, überfüllte Rodelpisten, Ausnahmezustand in den Schneegebieten – nach dem Touristenansturm auf das Hochsauerland und insbesondere Winterberg über den Jahreswechsel bereitet sich die Region auf dieses Winter-Wochenende vor. Auch in Sundern hat sich das Ordnungsamt auf das Wochenende vorbereitet. Landwirte kritisieren währenddessen das Verhalten der Besucher auf den Weiden und Wiesen.

Sundern - Die Stadt Sundern kündigte an, dass das Ordnungsamt mit Unterstützung der Polizei intensive Corona-Kontrollen durchführen werde. Es würden Zufahrtsbeschränkungen zu den verschneiten Hängen eingerichtet, Schneetouristen seien unerwünscht, heißt es weiter in der Mitteilung des Ordnungsamtes. „Wir begrüßen Sie gern als Gäste – aber erst wieder, wenn die Corona-Pandemie eingedämmt ist. Schützen Sie sich und übernehmen Sie Verantwortung Ihren Mitmenschen gegenüber“, so der Appell.

Doch es geht inzwischen nicht nur um den Schutz der Menschen, wie die Sunderner Landwirtin und stellvertretende Landesvorsitzende der Arbeitsgemeinschaft bäuerliche Landwirtschaft, Kristina Schmalor, deutlich macht: „Durch Autos zerstörte Wiesen, viel Müll und eine Menge unangenehme Hinterlassenschaften durch geschlossene oder nicht vorhandene Toiletten sind die Folge davon, dass zurzeit zu viele Menschen gleichzeitig auf die Idee kommen, Skigebiete und angrenzende verschneite Orte zu besuchen.“

„Wir Landwirte halten uns an eine Vielzahl von Auflagen“

Das Dauergrünland genieße als sehr wertvolles Ökosystem in Deutschland einen sehr hohen Schutzstatus. „Damit verbunden halten wir Landwirte uns an eine Vielzahl von Auflagen, die von der Mehrheit der Gesellschaft so gewollt und unterstützt sind. Im Freizeitbereich gelten offensichtlich andere Regeln. Jeder, der einen Parkplatz sucht oder einfach mal die Wintertauglichkeit seines Autos ausprobieren möchte, tobt sich gerade auf unseren Wiesen aus, ohne Rücksicht auf die dabei entstehenden Schäden. Zerstört ein wertvolles Ökosystem, nimmt unseren Tieren im Frühling dringend benötigtes Futter und belastet uns Landwirte mit hohen Kosten durch die Wiederaufarbeitung des Grünlandes“, macht die Landwirtin ihrem Ärger Luft.

Schnee im Skigebiet Wildewiese in Sundern: Autos stehen im Stau
Zwischen Weihnachten und dem ersten Januarwochenende strömten Schneetouristen auch nach Wildewiese. © Andre Geißler

Der Landestierschutzverband NRW macht außerdem auf eine weitere Folge aufmerksam: „Erschreckend sind auch die großen Mengen an Müll, die hier einfach hinterlassen werden. Im Gras eingewachsen und mit geerntet oder von Wild- und Weidetieren mit gefressen, können diese aber enorme Tierquälerei verursachen. Ich glaube nicht, dass irgendjemand freiwillig mit angucken möchte, wie elendig ein Tier stirbt, welches Plastik oder Glasscherben gefressen hat.“ (Lesen Sie hierzu auch unsere Seite 2!)

„Menschliche Hinterlassenschaften“ sorgen für Unmut

Aber auch die „menschlichen Hinterlassenschaften“ auf den Wiesen sorgen natürlich für Unmut: „Als Landwirte befinden wir uns zurzeit in der Sperrfrist“, erläutert Kristina Schmalor, „das heißt, dass wir keine Gülle und kein Mist ausbringen dürfen, weil im Winter die Aufnahmefähigkeit des Bodens nicht gegeben ist und dieser ausgewaschen wird. Auf Schnee darf sowieso nichts ausgebracht werden, weil die Auswaschung mit dem Schmelzwasser gar nicht zu kontrollieren ist. Was passiert da wohl mit den menschlichen Hinterlassenschaften, die sich auf unseren Wiesen und Wäldern gerade von hunderten Touristen sammeln?“

Sie habe zwar Verständnis dafür, dass die verschneiten Landschaften die Menschen in den Schnee locken, dennoch appelliert sie: „Bleiben Sie mit Ihren Autos auf den Wegen und halten Sie die Natur sauber. Die Natur, die Tiere und wir Landwirte sind darauf angewiesen!“

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