„Das wird eine coole Saison“

RC Sorpesee blickt nach Abstieg positiv in die neue Volleyball-Spielzeit

+
Julian Schallow und Lena Vedder können in der kommenden Saison nicht mehr gemeinsam jubeln. Die 21-Jährige wechselt zum USC Münster in die Bundesliga.

Langscheid. Die Karten werden neu gemischt: Nach dem Abstieg der ersten Volleyball-Damenmannschaft des RC Sorpesee in die 3. Liga sowie den schmerzvollen Abgängen von den Leistungsträgerinnen Lena Vedder, die zum USC Münster in die 1. Bundesliga wechselt, und Henrike Axt, die ein Sportstipendium in den USA erhalten hat, steht der Verein vor einer massiven Umstrukturierung. So schmerzvoll diese Tatsachen für den Verein auch sind: Wer den RCS als „Talentschmiede des Sauerlands“ mit seinem soliden Umfeld und einer treuen Fangemeinde kennt, weiß, dass dies kein Grund ist, einen Gang herunter zu schalten.

„Das wird eine coole Saison“, ist sich Trainer Julian Schallow daher sicher. „Mit diesen tollen Fans, dem bestens funktionierenden Volleyball-Netzwerk am Sorpesee und einer Vielzahl junger Talente können wir uns alle auf eine weitere Spielzeit mit Top-Sport freuen.“ 

Obwohl der sportliche Erfolg in den zwei Jahren in der 2. Bundesliga weitestgehend ausgeblieben ist, hätten die spannenden und hochemotionalen Partien dazu beigetragen, dass die Herzen der Volleyballfans im Sauerland noch höher schlagen und das Umfeld noch stabiler und solider geworden sei, erklärte der Trainer im Gespräch mit dem SauerlandKurier: „Volleyball am Sorpesee ist noch attraktiver geworden, man ist hier mit viel Herzblut bei der Sache. Dass unsere Sponsoren – unabhängig von der Spielklasse – ihre weitere Unterstützung zugesagt haben, zeigt doch, welch großen Stellenwert dieser Sport hier erreicht hat.“ 

Mit Hauptangreiferin Lena Vedder, die das Angebot vom USC Münster zu ihrem persönlichen Aufstieg in die 1. Bundesliga angenommen hat, verliert der RCS einen Hochkaräter, der nur schwer zu ersetzen ist. „Natürlich ist das ein großer Verlust. Aber es ist wie bei einem Kartenhaus. Nimmst du eine Karte weg, zerfällt es. Und dann baust du ein Neues. Das ist das Interessante und zugleich auch die Chance für nachrückende Spielerinnen, Verantwortung zu übernehmen. Ich wünsche ihr jedenfalls viel Erfolg beim USC, auch der Verein drückt ihr fest die Daumen“, sagt Schallow, der sich natürlich einen günstigeren Zeitpunkt für den Wechsel gewünscht hätte. 

"RCS ist ein ganz besonderer Verein"

Lena Vedder selbst äußerte sich erfreut über die Chance, mit der sie nicht gerechnet habe. „Ich habe ein lachendes und ein weinendes Auge. Sechs Jahre lang war ich jetzt Teil der RCS-Familie. Ohne das Umfeld, die Trainer und die Teams, in denen ich gespielt habe, wäre ich jetzt nicht da, wo ich bin. Dafür bin ich sehr dankbar“, erklärt die 21-Jährige. 

Auch Henrike Axt, die aufgrund ihrer, so Schallow, „extremen Identifikation mit dem Verein zu einer wichtigen Stütze der Mannschaft wurde“ und sich nun auf ihr Studium in Florida freut, zeigt sich in diesen Tagen mit gemischten Gefühlen. „Selbstverständlich fällt mir der Abschied nicht leicht. Wenn man in einem so familiären Umfeld neun Jahre lang Volleyball spielt, verlässt man nicht nur die erste Mannschaft und unsere Trainer, sondern das große Ganze. Der RC Sorpesee ist ein ganz besonderer Verein, dem ich immer verbunden bleiben werde“, berichtet die 17-Jährige. „Beide sind nicht eins zu eins zu ersetzen. Wir haben zurzeit auch kein Plan B für diese Position. Jede Spielerin ist individuell, wer in diese klaffende Lücke schließen kann, wird sich noch zeigen müssen“, so Schallows nüchterne Analyse. 

Trotz des sportlichen Abstiegs ist man sich am Sorpesee jedoch sicher, auf eine tolle vergangene Saison zurückblicken zu können, die es in sich hatte: Schwach in die Spielzeit gestartet, steigerte sich das Leistungsniveau der Mannschaft zur Mitte der Saison zusehends, sodass es selbst wesentlich besser platzierten Teams schwer fiel, die hochmotivierten und leidenschaftlich kämpfenden RCS-Mädels zu bezwingen. So konnten einige Punkte geholt werden, die letztendlich aber knapp nicht zum Klassenerhalt reichten. 

Schallow will in die obere Tabellenhälfte 

„Doch jetzt gilt es, den Blick nach vorne zu richten“, sagt Julian Schallow. So könne man sich auf die „coolste Saison“ freuen – nicht ohne Erfolgsdruck, aber etwas befreiter, mit einem Publikum, das „Flügel verleiht“, einem unvermindert attraktiven Rahmenprogramm bei den Heimspielen und einem konstanten Pool an Sponsoren sowie Unterstützern im Umfeld des Vereins. Wichtig sei es jetzt, neue Strukturen zu schaffen, weitere junge Talente zu entdecken und zu fördern, ein noch besseres Netzwerk aufzubauen und den Leistungssport Volleyball weiter voranzubringen: „Wir wollen uns weiter erfolgreich als Talentschmiede des nationalen Volleyballsports beweisen. Denn auch der Fall Lena zeigt doch eindeutig, dass hier Top-Spielerinnen ausgebildet werden. Darauf können wir stolz sein“, meint Schallow. 

Schon Ende Mai soll es mit den ersten Trainingseinheiten losgehen. Dann beginne auch die Zeit, in der sich neue, wertvolle Talente herauskristallisieren werden, die auch in der Lage sind, Verantwortung zu übernehmen, und in der auch die gestandenen Stammspielerinnen weiter an sich feilen können. „Wir werden den Fokus verstärkt auf den Aufbau und die Athletik richten. Das ist eine Grundvoraussetzung für den Erfolg. Darüber hinaus werden wir Präsenz zeigen und weiter für unsere tolle Sportart werben“, kündigt der RCS-Trainer an. Das gelte insbesondere für das „Fest der Vereine“ am 11. Juni in Sundern und die „Beachvolleyball-Woche“ vom 16. bis 25. Juni an der Seebühne in Langscheid. 

„Jetzt heißt es Anlauf nehmen und den Grundstein für eine neue, packende Saison legen“, so der RCS-Trainer. „Die Chancen dafür sind gut, wir wollen mal wieder in die obere Tabellenhälfte.“

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare