Wie der "Sonnentanz" ins Sauerland kam

Spannender Lebensweg führt Künstler Fredo Ouvrier nach Sundern

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Fredo Ouvrier de Longwy in seinem Atelier im Berghaus in Stockum mit seinem Bild „Sonnentanz“, das das gleichnamige Ritual der Lakota-Indianer beschreibt.

Sundern/Stockum. Wenn Fredo Ouvrier aus seinem Leben erzählt, davon wo er gelebt und was er alles erlebt hat, kommt man aus dem Staunen nicht mehr heraus. Kunststudent, Bettelmönch, Art Director in einer renommierten Werbeagentur, Indianer und Künstler – all das gehört zu seinem wechselvollen Leben, das ihn vor einiger Zeit nach Sundern verschlagen hat. In seinem jetzigen Atelier im Stockumer Berghaus arbeitet der Künstler gerade an zwei Leinwänden, bevor er den Pinsel zur Seite legt und seine Lebensgeschichte erzählt.

Aufgewachsen ist Fredo Ouvrier, dessen kompletter Name Wilfried Ouvrier de Longwy lautet, in Düsseldorf. Hier studierte er Kunst, war Schüler des berühmten Joseph Beuys. Ein Jahr arbeitete er nach seinem Studium in einer Werbeagentur, verdiente gutes Geld, als es ihn 1977 zum Selbstfindungstrip auf die Malediven zog. Zunächst lebte er auf einer unbewohnten Insel, dann auf einer bewohnten, auf der er sich sogar ein eigenes Haus baute. Doch nach zwei Jahren zog es ihn weiter. Sechs Wochen verbrachte er auf einem Dhoni, einem typisch maledivischen Boot, bevor er in Indien strandete. 

Dort verbrachte er eine zeitlang schweigend in einem buddhistischen Kloster und schloss sich dann den Saddhus, den bunten hinduistischen Mönchen an. Das, was er eigentlich suchte, seine innere Wahrheit, fand er nicht. Er ging zurück nach Deutschland und arbeitete wieder in einer Werbeagentur. Seine Karriere in dieser renommierten Agentur brachte ihn nach Chicago.

Stolzer tapferer Büffel bei den Indiandern 

In den USA besuchte er in seiner Freizeit Indianerreservate, immer noch auf der Suche nach seiner Spiritualität. Bei den Lakota-Indianern fand er sie schließlich. „Seit 30 Jahren bin ich nun Sonnentänzer“, erklärt Fredo Ouvrier, der von den Indianern den Namen „Tatanka-Ohitika“ (Stolzer tapferer Büffel) bekam. Er durfte bei deren Sonnentanz nicht nur dabei sein, er gehörte dazu. Einmal im Jahr findet der Sonnentanz bei den Lakotas statt. Piercing von einigen Männern gehört dazu. Die selbst zugeführten Verletzungen sollen Menschen, die darum gebeten haben, helfen. 

Fredo Ouvrier erzählt, dass er so seine eigene Frau von einer schweren Krankheit heilen habe können. Eine „Schwitzhütte“ gehört ebenfalls zu den indianischen Bräuchen, die Fredo Ouvrier durch seine Ausbildung bei den Lakotas führen darf. Ein kleiner Kreis von Anhängern aus ganz Europa trifft sich daher regelmäßig bei ihm. 

Als Fredos Aufenthaltsgenehmigung in den USA ablief kam er nach Deutschland zurück, gründete seine eigene Werbeagentur und lebte mit Frau und Kind in der Eifel. Doch auch diese Zeit nahm für ihn, nicht ganz freiwillig, ein Ende. Irgendwann heuerte er auf einem Kreuzfahrtschiff an. Vier Jahre verhalf er den Gästen an Bord zu hübschen, selbstgemalten Souvenirs.

"Show-Malen" in der Skihütte Grevenstein  

Als ein Sunderner Gast auf dem Schiff war, nahm Fredo dessen Einladung, in Sundern wieder festen Boden unter den Füßen zu haben, an. Zunächst wohnte und malte der Künstler in Sundern, jetzt lebt er in Stockum. Seitdem es dort das „Berghaus – Akademie für Kunst und Kultur“ gibt, gehört er zum dortigen fünfköpfigen Künstlerkreis. „Der Austausch mit den anderen Künstlern tut mir gut“, sagt er. 

Für wie lange er bleiben wird, dass weiß der rastlose Freigeist wohl selbst nicht. Ausstellungen in deutschen Städten sind schon geplant und eine Anfrage für eine Ausstellung in New York steht auch schon an. Seine Bilder sind geprägt von den indianischen Einflüssen. „Hier verarbeite ich mein Wissen“, erklärt er. „Wir sind nur Hüter der Erde, nicht deren Besitzer“, diese Weisheit, die ihn die Lakotas lehrten, will er weitergeben. 

Ein kleines Projekt steht für den „Weitgereisten“ an diesem Wochenende in Grevenstein an. Am 20. und 21. Januar wird er die dortige Ski-Hütte innerhalb eines „Show-Malens“ verschönern. An beiden Tagen ist die Hütte ab 11 Uhr geöffnet. Hier kann man diesen interessanten Menschen persönlich kennenlernen und ihm bei Malen über die Schulter schauen. Außerdem ist jeder eingeladen, im Berghaus vorbeizuschauen. Jeden letzten Freitag im Monat ist dort Tag der offenen Tür.

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