Alternativlos oder unzumutbar?

Stadt Sundern begründet geplante Vollsperrung in Stemel – Unmut bei Betroffenen

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Die derzeitigen Bauarbeiten in Stemel können noch unter einspuriger Verkehrsführung ausgeführt werden, ab dem 24. März wird die Ortsdurchfahrt allerdings für voraussichtlich elf Wochen voll gesperrt.

Sundern/Stemel. Sie ist aktuell das beherrschende Thema im Sunderner Stadtgebiet und darüber hinaus: die geplante Vollsperrung der Ortsdurchfahrt Stemel (L 519) für einen Zeitraum von elf Wochen ab dem 24. März. Die Bekanntgabe dieser Maßnahme hat innerhalb der Bevölkerung und der Politik sowie bei Gewerbetreibenden für viel Aufsehen gesorgt. In einer großen Pressekonferenz mit „allen wesentlichen Beteiligten“ hat die Stadtverwaltung nun zu den Hintergründen der Entscheidung Stellung genommen.

„Ich weiß, dass eine elfwöchige Sperrung der verkehrstechnischen Hauptschlagader brutal und emotionsgeladen ist, aber es gibt keine Alternative“, erklärte Bürgermeister Ralph Brodel. Die Stadtverwaltung habe „alle möglichen und unmöglichen Geschichten“ geprüft, sei aber zu dem Ergebnis gekommen, dass eine Vollsperrung die einzige Möglichkeit ist. 

Hauptgrund für diese Entscheidung sei, dass die Arbeitssicherheit der Bauarbeiter im bald beginnenden Bauabschnitt neben einer einspurigen Verkehrsführung nicht gewährleistet sei. Bereits bei den Arbeiten im vergangenen Jahr sei es vor allem durch erhöhte Geschwindigkeit und Missachtung der Ampelsignale zu mehreren „Beinahunfällen“ in der Baustelle gekommen. „Wir haben im vergangenen Jahr schon in einem rechtlichen Graubereich gearbeitet“, berichtete Brodel. „Darin bewegen wir uns jetzt aber nicht mehr.“ Volker Broeske, zuständig für den Straßenbau bei der Stadt Sundern, erläuterte, dass ein guter halber Meter Fahrbahnbreite fehle, um die Anforderungen für die vorgeschriebenen Arbeits-, Fahrbahn- und Sicherheitsbreiten einzuhalten. 

Geschäfte fürchten Umsatzeinbrüche 

Um die Einschränkungen während der Bauzeit möglichst gering zu halten, hat die Stadt einige Maßnahmen entwickelt: Zum einen werde das ausführende Unternehmen an sechs Tagen in der Woche sowie darüber hinaus jeden Tag eine Stunde länger als geplant auf der Baustelle tätig sein und dafür mehr Personal einsetzen. Dadurch würden nach Angaben von Bauunternehmer Rudolf Hilgenroth rund vier Wochen eingespart. Zum anderen wird für Einsatzfahrzeuge (Polizei, Rettungsdienst, Feuerwehr), den öffentlichen Personennahverkehr und Entsorgungsbetriebe eine innerörtliche Umleitung eingerichtet. Diese ist dann auch für die Anwohner sowie die Mitarbeiter der in Stemel ansässigen Firmen nutzbar. „Das gilt allerdings nicht für Angestellte von Firmen, die zwar in der Nähe, aber außerhalb des Baustellenbereiches liegen“, schilderte Brodel. „Die müssen bedauerlicherweise auch die anderen Umleitungen nutzen.“ 

Die führen um den Sorpesee und über den „Ochsenkopf“ und bedeuten für Auto- und Lkw-Fahrer oft kilometerlange Umwege. Und gerade die sorgen bei den Betroffenen für Unmut. Aus Sicht der CDU-Ratsfraktion sei die Vollsperrung für „Bürger sowie die heimische Wirtschaft unzumutbar“. Viele Sunderner Geschäftsleute befürchten, dass ihre Kunden aufgrund der Sperrung und der großen Umwege auf andere Orte und Geschäfte ausweichen. „Diesen vorprogrammierten Umsatzeinbruch kann niemand akzeptieren und auffangen“, sagt beispielsweise Silvia Köthe, Inhaberin des Modehauses Haake. 

Ralph Brodel zeigt Verständnis für alle, die so auf die Pläne reagieren: „Wir sind uns bewusst, wie sehr jeder Einzelne eingeschränkt wird. Ich habe selbst immer gesagt: Ich will keine Vollsperrung.“ Alle geprüften Alternativen – zum Beispiel eine kurzzeitige Reaktivierung der Röhrtalbahn oder eine Sperrung nur für Lkw – seien allerdings nicht umzusetzen, weshalb die Sperrung aus Sicht der Stadtverwaltung unumgänglich sei. „Wenn noch jemand meint, er hätte eine tolle Idee, kann ich sagen, dass die nicht tragbar ist. Wir haben alle Optionen geprüft“, erklärt Brodel. 

"Wünschen uns, dass es schneller geht"

Somit ist die Sperrung der Stemeler Ortsdurchfahrt nicht mehr zu verhindern. Die Arbeiten beginnen am 24. März und sind in drei Bauabschnitte unterteilt. Zunächst wird bis zum 18. April der Bereich von der Einmündung „Altenberg“ bis zur „Frankfurter Straße“ gesperrt. In der Woche vor Ostern (ab 10. April) wird zusätzlich der Bereich vor dem Altenberg asphaltiert, sodass Stemel nach Angaben der Stadt für drei bis vier Tage aus Richtung Hachen nicht anzufahren sei. Dann müssen auch Busse und Einsatzfahrzeuge umgeleitet werden. Der letzte Bauabschnitt betrifft dann vom 18. April bis zum 10. Juni den Bereich von der „Frankfurter Straße“ bis zur Einmündung „Am Hölzchen“. Die veranschlagte Bauzeit ist laut Volker Broeske bereits großzügig ausgelegt: „Wir rechnen nicht damit, dass die Arbeiten länger dauern. Wir wünschen uns vielmehr, dass es vielleicht schneller geht.“ 

Mit dem Abschluss dieser Maßnahme sind die Arbeiten in und um Stemel aber noch nicht beendet. Danach steht der letzte Abschnitt in Richtung Sundern an, der aber wieder unter einspuriger Verkehrsführung ausgeführt werden kann. Lediglich an drei Wochenenden muss die Strecke voraussichtlich zur Aushärtung des Asphalts gesperrt werden. „Und wenn die Straße fertig ist, werden sich alle freuen“, ist sich Ralph Brodel sicher. 

Info: Alle Stemeler werden am Montag, 13. März, in einer Bürgerversammlung über die Baumaßnahme informiert. Für alle Interessierten hat die Stadt auf ihrer Homepage zahlreiche Informationen rund um die Sperrung zusammengestellt.

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