„Wir wurden wachgerüttelt“

Stadtmarketing: Rat stimmt gegen ein externes Gutachten

Das Stadtmarketing war in dieser Woche das alles beherrschende Thema in Sundern. Foto: Daniel Großert

Sundern. Sicher anders als geplant verlief die außerordentliche Mitgliederversammlung von Sunderns Stadtmarketing eG am Mittwochabend im Gasthof Cordes in Stockum.

Einzig beherrschendes Thema waren die Gründe für den Rücktritt der beiden Vorsitzenden Maria Hegemann und Christian Willeke sowie der beiden Aufsichtsratsmitglieder Magnus Bende und Peter Flügge (SauerlandKurier berichtete). Dem Eindruck des Vorstands, dass der Bürgermeister und einige Fraktionen die Auflösung des Stadtmarketings bevorzugen und deren Aufgaben ins Rathaus verlegen wollen würden, konterte Ralph Brodel, der zugleich Aufsichtsratsvorsitzender des Stadtmarketing ist, gleich zu Beginn der Versammlung am Mittwochabend mit dem Statement: „Die Stadt ohne Stadtmarketing kann ich mir nicht vorstellen.“ Verständigungsprobleme hätten zu den Rücktritten geführt, so sein Fazit. Noch vor der Versammlung habe er mit fast allen Zurückgetretenen telefoniert.

Die legten in der Versammlung noch einmal ausführlich ihre Sicht der Dinge dar. Ohne die Sicherheit der Zuschüsse müsse die Stadtmarketing Genossenschaft zum Ende des Jahres Insolvenz anmelden. Wobei das Wort Zuschüsse nicht ganz zutreffend sei, bemerkten sie. Das Stadtmarketing übernehme Dienstleistungen, die ansonsten die Verwaltung übernehmen müsse. Dienstleistungen müssten eben auch bezahlt werden. Hegemann machte deutlich, dass laut einer Berechnung von Geschäftsführerin Ann-Kathrin Meier die geleisteten Aufgaben des Stadtmarketing für die Stadt einem Wert von 135.000 Euro entsprächen, bei einem zugesicherten Zuschuss von 100.000 Euro (2018).

Gutachten stößt nicht auf Gegenliebe

Ein weiterer Punkt, der bei fast allen Anwesenden auf wenig Gegenliebe stieß, war ein geplantes externes Gutachten. Auch wenn Bürgermeister Brodel nicht müde wurde, dieses als wichtiges Kriterium zum weiteren Umgang mit dem Stadtmarketing anzupreisen, blieben Mitglieder und Ratsmitglied Antonius Becker (Bündnis 90/Die Grünen) skeptisch. Ein Gutachten koste meist viel Geld und gebe eher das wieder, was der Auftraggeber hören möchte, so Becker. Es gebe genug fähige Kräfte in den eigenen Reihen, um ein neues Konzept zu erarbeiten, so die Meinung in der Stadtmarketing eG. Professionelle Hilfe sei dabei auf jeden Fall willkommen. Ein 55 Seiten starkes, von Ann-Kathrin Meier ausgearbeitetes Papier zu den Aufgaben des Stadtmarketing gibt es dazu bereits.

Am Ende des Abends erklärten sich Maria Hegemann und Christian Willeke bereit, ihre Vorstandsarbeit bis nach den Sommerferien weiter zu führen, um die finanzielle Handlungsfähigkeit der Genossenschaft zu sichern. Ohne Vorstand könnten nicht einmal die Gehälter der Stadtmarketing-Beschäftigten ausgezahlt werden. „Wir heißen aber nicht Seehofer“, mahnte Maria Hegemann, die damit keinen Rücktritt vom Rücktritt erklären wollte.

Sondersitzung nach der Sommerpause

Das von der Geschäftsführerin ausgearbeitete Dokument sollte eigentlich in gekürzter Fassung in der Ratssitzung vorgestellt werden. Dazu kam es durch den Rücktritt des Vorstands nicht mehr. Dort wurde nach über einstündiger Diskussion die Beschlussvorlage für ein externes Gutachten von den Ratsmitgliedern mehrheitlich abgelehnt. „Wir wurden durch den Rücktritt des Stadtmarketingvorstands wachgerüttelt“, erklärte CDU-Ratsmitglied Sebastian Boke. Der hatte schon zur Mitgliederversammlung erklärt, seine Fraktion werde einen für drei oder fünf Jahre gesicherten Zuschuss für die Stadtmarketing eG forcieren.

Große Zustimmung erhielt der von SPD-Ratsmitglied Michael Stechele gemachte Vorschlag, für das weitere Vorgehen nach der Sommerpause eine Sondersitzung einzuberufen.

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