„Würden ein gutes Wasser schlechter machen“

Kalkhaltiges Wasser: Stadtwerke Sundern sehen keinen Handlungsbedarf

+
Bürgermeister Ralph Brodel (links) und Stadtwerke-Betriebsleiter Jürgen Schwarberg sind der Meinung: Das Entfernen der Härtebilder sei technisch zwar möglich, aber sehr aufwendig, und verursache zusätzliche hohe Aufbereitungskosten. 

Sundern. Ein Dorn im Auge sind manchem die weißen Kalkflecken auf Fliesen, Duschkabinen und Wasserhähnen. Auf das kalkhaltige Wasser wurde Bürgermeister Ralph Brodel bei seinen Dorfrundgängen öfters angesprochen. Anlass für das Stadtoberhaupt, sich zu fragen: Könnte man etwas dagegen machen? Und so ließ er sich von Jürgen Schwarberg, Betriebsleiter der Stadtwerke, aufklären: Technisch sei dies durchaus möglich. Jedoch sehe er nach Abwägung der Vor- und Nachteile keine Notwendigkeit, tätig zu werden.

Bezüglich der Härte des Trinkwassers gebe es keine Anforderung oder Grenzwerte in der Trinkwasserverordnung, betont Schwarberg, so dass die Wasserhärte keinerlei Risiko für die Gesundheit bedeute. Im Gegenteil, führt Brodel ins Feld: „Wir haben in Sundern hervorragendes Wasser, das man wunderbar trinken kann“, nennt er eines der Argumente, es beim Status quo zu belassen. Dies liege auch an der Kalkhaltigkeit. Diese liege im Wesentlichen am Gehalt an Calcium- und Magnesiumverbindungen, die im Wasser gelöst sind. Und je härter und kalkhaltiger Trinkwasser ist, desto mehr Calcium und Magnesium enthält es. Beides sei gesund. Weicheres Wasser schmecke „neutraler“ als das „markantere“ härtere Wasser und enthalte wenig Mineralien, die für den Menschen gesund und auch erforderlich seien.

Die Probe aufs Exempel können die Sunderner in verschiedenen Ortsteilen machen. 70 Prozent der Stadtwerkekunden (rund 20.000) bekommen härteres Wasser als die übrigen 20 Prozent (10.000). Die Kunden, deren Wasser aus Sundern/Röhre kommt sowie aus den beiden Tiefbrunnen in Enkhausen und dem Brunnen in Stockum bekommen mittelhartes Wasser – zwischen elf und 13 Grad deutscher Härte. Die Bewohner aus Langscheid, Hellefeld, Altenhellefeld, Selschede, Meinkenbracht, Herblinghausen, Allendorf und Hagen-Wildewiese bekommen ihr Wasser über das Wasserwerk Langscheid, das das kühle Nass aus der Talsperre zieht. Dieses weiche, kalkarme Wasser weist zwischen fünf und sechs Grad deutscher Härte auf – Der Härtebereich weich hat weniger als 8,4 Grad deutscher Härte, der Härtebereich mittel liegt zwischen 8,4 bis 14 Grad deutscher Härte, der Härtebereich hart liegt über 14 Grad deutscher Härte.

Hohe Aufbereitungskosten

Auch die Heizungs- und Sanitärinstallateure würden sich über das mittelharte Wasser freuen: Es bilden sich Schutzschichten in metallischen Rohrleitungen, die korrosionshemmend wirken, erklärte Jürgen Schwarberg. Somit würden sich keine Metalle aus den Rohren, die ins Trinkwasser geraten können wie bei weicherem Wasser möglich.

Einen Nachteil habe das mittelharte Wasser jedoch für Tee- und Kaffeetrinker. Die Aromen würden sich bei weicherem Wasser besser entfalten. Jürgen Schwarberg hat bei sich selbst Zuhause Abhilfe geschaffen und sich einen Tischwasserfilter angeschafft, mit dem er das Trinkwasser für Tee und Kaffee entkalkt.

Als optimal angesehen werde in der Regel ein Härtebereich zwischen 8,5 und 10 Grad deutscher Härte, führt der Stadtwerke-Betriebsleiter aus. In der Fachliteratur werde empfohlen, über eine Enthärtung des Trinkwassers nachzudenken, wenn die Härte des Wassers über 19,5 Grad deutscher Härte liege. Das Härteziel, das in diesen Fällen aus wirtschaftlichen Gründen angestrebt werde, liege meist bei zwölf Grad deutscher Härte. Ein Wert, von dem man in Sundern kaum abweiche, wie Schwarberg referierte.

Wirtschaftlich rechne sich das Entfernen der Härtebilder in Sundern nicht. Dies Verfahren sei sehr aufwendig und verursache zusätzliche hohe Aufbereitungskosten. Da mehrere Aufbereitungsanlagen nötig seien – am Wasserwerk in Sundern, den Brunnen in Enkhausen und Stockum – rechnet er mit einem Investitionsvolumen von rund 1 Million Euro, plus die laufenden Betriebskosten. „Dies würde zur Erhöhung des Wasserpreises für alle führen“, so der Betriebsleiter. Auch für die Nutzer des weichen Wassers. „Um aus dem mittelharten Trinkwasser mit im Mittel 11,5 Grad deutscher Härte ein mittelhartes Trinkwasser von zum Beispiel 8,5 Grad zu erzeugen, würde sich der Wasserpreis geschätzt um bis zu zwölf ct/Kubikmeter erhöhen.“ Rund 5 Euro pro Einwohner im Jahr, so Brodel.

Private Enthärtungsanlage als Alternative?

„Wir würden ein gutes Wasser schlechter machen, um weniger Kalkflecken zu haben“, lautet das Fazit von Bürgermeister Ralph Brodel nach der Pro- und Kontra-Analyse.

Wer über die Kalkflecken jedoch nicht hinwegsehen kann, der könne sich im Keller eine „Kompakt-Enthärtungsanlage auf Ionenaustauschverfahren“ installieren lassen. Dieses Geräte koste zwischen 2.500 und 3.000 Euro plus Betriebskosten“, erklärte Schwarberg. Dieses kleine Hauswasserwerk nimmt die Ionen Calcium und Magnesium aus dem Wasser und ersetzt sie durch Natrium.

Eine Übersicht über die Härtegrade im Stadtgebiet wird Hauseigentümern jedes Jahr mit dem Gebührenbescheid geschickt– wie gesetzlich im Wasch- und Reinigungsmittelgesetz gefordert. Darüber hinaus findet man diese Übersicht hier. 

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare