Aufgestauter Frust kommt bei hitziger Bürgerversammlung in Amecke raus

Starkes Signal aus Holland gefordert

Die Straßenverschwenkung im Zuge des Regionale-Projekts, das Gelände des abgerissenen Ruhrverbandshauses und vieles mehr war Thema bei der Bürgerversammlung.

Mit großen Erwartungen waren rund 250 interessierte Amecker und Nicht-Amecker in die Schützenhalle des Sorpedorfes gekommen, um bei der Bürgerversammlung den Status quo und die Zukunft der Projekte in Amecke zu erfahren.

Ferienpark und Regionale sollten auch an diesem Abend die Gemüter erhitzen.

Amecke.

Deutlich wurde am Ende, dass der Großteil die Chancen des Regionale-Projektes erkennt und begrüßt – allerdings nicht um jeden Preis. Und bei diesem Stichwort war schon die erste Diskussion in vollem Gang. Die Grundstücksgeschäfte mit den holländischen Investoren erregten viele Gemüter – vor allem der Verkauf von über 17.000 Quadratmetern Freibadfläche für 7,50 Euro pro Quadratmeter. „Viel zu wenig für so ein Filetstück“, ist die Meinung vieler Amecker Bürger. Neben dem Ärger über diesen Verkaufspreis sorgen sie sich außerdem um die – für viele undurchsichtigen – Vorhaben der Holländer, die möglicherweise ganz andere sind, als bisher bekundet. In der Diskussion kamen daher viele Stichworte auf, wie zum Beispiel ein befürchtetes Dauerwohngebiet statt Ferienpark, kein öffentliches Schwimmbad oder vier Appartementhäuser auf der Fläche des ehemaligen Ruhrverbandshauses.

Zur Dauerwohngebiet-Frage: Meinolf Kühn schloss eine eigenständige Entwicklung aus, eine andere Nutzung als Ferienpark werde es definitiv nicht geben. Lins sprach von Sicherheitsszenarien, die in diesem Fall eingebaut werden.

Zur Freibad-Frage: Das öffentliche Schwimmen sei Vertragsbestandteil, allerdings nicht einklagbar. Der Standort sei noch offen. Man werde zudem ein Rückholrecht in den Vertrag schreiben, falls die Gegenseite sich nicht an den Vertrag halte. Außerdem bestätigte Lins, dass die Stadt ein Erbbaurecht für das Freibadgelände für 570.000 Euro abgelöst habe.

Zur Appartement-Frage: Zwei Wohnhäuser seien an der Uferstraße ohnehin möglich, weil hier Mischgebiet ausgewiesen sei. Die Fläche könnte als Verbindung zum Entree des Ferienparks dienen.

Vor den Diskussionspunkten hatte Bürgermeister Detlef Lins den Abend mit einem Rückblick auf die Historie zum Ferienpark eingeleitet, die unter anderem ein Minus von 220.000 Euro in der Stadtkasse gebracht habe. Die Entwicklung nach den Insolvenzen, der Task Force sei am Ende aber für die Stadt vertretbar, meinte das Stadtoberhaupt. Alles sei zudem mit den Aufsichtsbehörden abgestimmt. Abschließend lud der Bürgermeister alle zur kommenden Ratssitzung am Mittwoch ein. Er und Meinolf Kühn räumten ein, die Einwände und Sorgen der Bürger sehr ernst zu nehmen. Von den Holländern wünschten sich beide „ein starkes Signal für die Realisierung des Ferienparks und des öffentlichen Schwimmens“.

Die Bürgerinitiative „Amecke 21 – Für einen sanften Tourismus“ fasste ihren Standpunkt nach der Versammlung in Stichworten zusammen: „Schlechte Planung. Überforderte Politiker. Bau-Desaster. Naturzerstörung.“ Der Park sei ein überdimensioniertes Prestigeobjekt, das unbedingt durchgesetzt werden soll, ohne dem Steuerzahler die wahren Kosten zu präsentieren. Dazu Investoren, denen weitgehend Handlungsfreiheit eingeräumt werde, ohne Garantie für öffentliches Schwimmen. Städtisches Tafelsilber in Form von unter Wert verkauften Grundstücken und damit von öffentlichen Geldern werde verschleudert. Und das bei mehr als 100 Millionen Schulden im städtischen Haushalt und Haushaltssicherung.

„Wir hätten die Optimierung der dörflichen Infrastruktur sehr gerne einige Nummern kleiner gehabt, weil wir glauben, dass das unserer Heimat und allen Bürgern besser bekommen wäre. Bleibt nur die Hoffnung auf Aufklärungsarbeit durch übergeordnete Instanzen –falls deren Ergebnisse nicht viel zu spät eintreffen.“

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