Wunsch, dass Brauch weiterlebt

Sternsinger bringen auch auf Plattdeutsch den Segen

Am ersten Samstag im neuen Jahr machen sich wieder viele Männer aus Voßwinkel als Dreikönigssänger auf den Weg für notleidende Kinder in der Welt zu sammeln.

Voßwinkel/Allendorf – Wenn die Sternsinger an diesem Wochenende von Haustür zur Haustür ziehen, erklingen in manchen Ortschaften für einige Hausbewohner, besonders für die jüngeren und zugezogenen, ungewohnte Klänge: „Vey hilgen drei Küenge met uesem Steern, vey got op de Stöcker un säiket diän Heern. Et schnigget et schnacket, et fruiset et knaket, vey krempet de Taiwen, day Tiäne, day klappert.“ Mit diesen Zeilen beginnt das „Draiküenigeslaid“ (Dreikönigslied) auf Plattdeutsch.

In Allendorf kommen die Dorfbewohner seit rund 25 Jahren in den Genuss der deutschlandweit vielerorts in Vergessenheit geratenen plattdeutschen Version des Dreikönigsliedes. Diese Tradition entstand in Allendorf eigentlich aus der Not heraus, als sich damals zu wenig Kindergruppen für das Sternsingen meldeten und der Pastor den örtlichen Gesangverein um Unterstützung bat. „Dann auch auf Plattdeutsch“, hatten die Sänger damals entschieden. Denn Klaus Schröder, einer der erwachsenen Sternsinger der ersten Stunde, hatte als junger Sternsinger vor rund 50 Jahren selbst noch auf Plattdeutsch den Segen von Haus zu Haus gebracht. Im Laufe der Jahre wurde das Plattdeutsche jedoch zugunsten des Hochdeutschen aufgegeben.

Seit 25 Jahren schlüpfte Josef Hellacke-Serres jedes Jahr in die Rolle des Caspar, begleitet wurde er abwechselnd von zwei weiteren Sangesbrüdern. Fünf bis sieben Sänger wechselten sich in den Jahren als Melchior und Balthasar ab. Doch in diesem Jahr pausieren sie erstmals, weil sich – auch krankheitsbedingt – keine drei Heiligen Könige finden ließen. Nächstes Jahr wollen sie aber gerne wieder in ihre Verkleidungen schlüpfen. „Es wäre schade, wenn dieser Brauch stirbt“, sagt der 63-jährige Klaus Schröder, der die Hoffnung hegt, dass auch die jüngeren Mitglieder des Gesangvereins von der Begeisterung angesteckt werden und einmal in die Fußstapfen der „plattdeutschen“ Sternsinger treten.

Schon mal Tränen der Rührung 

„Die größte Motivation ist die Freude der älteren Menschen, die sich riesig über das plattdeutsche Dreikönigslied freuen“, schwärmt Klaus Schröder. Teilweise würden sich gar ein paar Tränen der Rührung in die Augenwinkel stehlen. „Es macht einen Riesenspaß“, sagt Schröder, der mit seinen Mitstreitern auch schon mal auf Bierchen und Kaffee eingeladen wurde. Denn durch den plattdeutschen Vortrag komme man schnell ins Gespräch, vor allem auswärtige und jüngere Dorfbewohner lassen sich gerne Liedpassagen übersetzen oder erklären, woher das Lied kommt.

An 30 bis 40 Haustüren schellen die plattdeutschen Sänger jedes Jahr. Oberstes Gebot ist allerdings: „Wir wollen den Kindern nicht die Arbeit wegnehmen“, erklärt Schröder. Jedes Jahr ist das plattdeutsche Trio an einem anderen Ortsabschnitt eingesetzt, damit alle einmal in den Genuss kommen. Auch im Aussendungsgottesdienst wird das plattdeutsche „Draiküenigeslaid“ parallel zur hochdeutschen Version vorgetragen. „Ich habe schon von vielen gehört, dass sich das Plattdeutsche schöner anhört“, sagt Klaus Schröder. Davon haben sich auch jüngere Allendorfer überzeugen lassen. Seit drei Jahren zieht eine Sternsingergruppe, bestehend aus Jugendlichen, durchs Dorf, die auf Plattdeutsch singt, freut sich auch Franz Josef Schmidt, dass der Brauch auch außerhalb des Allendorfer Gesangvereins weiterlebt. Auch in einigen anderen Dörfer ist es gang und gäbe, dass Kinder noch plattdeutsch singen.

Auch Männer aus Voßwinkel sammeln für notleidende Kinder 

Zum 58. Mal werden am Samstag in Voßwinkel wieder 27 Männer in neun Gruppen, begleitet von Kindern als Sternträger, als Vertreter der Dorfvereine und aktive Sänger des MC Cäcilia Voßwinkel durch das Dorf ziehen und mit dem Singen des Dreikönigsliedes „Vui hill´gen Dreikünige…“ um eine Spende bitten. Damit sollen folgende Projekte zur Unterstützung armer, vertriebener, bedürftiger Kinder gefördert werden: . C. von-Boeselager-Stiftung: Kinderhilfe in Südosteuropa (Rumänien) . Haiti-Hilfe für Straßenkinder in Cap-Haitien; Unterstützung des Straßenkinderzentrum Lakay-Lakou der Salesianer Don Boscos . Sierra Leone (Afrika); Hilfe für Opfer sexueller Gewalt der Organisation „Commit and Act“. Zwei der Projekte sind in Abstimmung mit der Stern-Singeraktion, Aachen, ausgewählt worden.

Weitere Informationen zur diesjährigen Sternsingeraktion unter dem Motto "Segen bringen, Segen sein. Frieden! Im Libanon und weltweit" gibt es hier.

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